erweiterte Suche
Dienstag, 15.05.2018

Was Erfolg wert ist

Die Theater-AG vom Nieskyer Gymnasium war auf dem Theater-Olymp. Jetzt läuft die Förderung aus. Ist das das Aus?

Von Carla Mattern

Sie haben als jüngstes Team beim Theatertreffen der Jugend in Berlin im Haus der Festspiele mit ihrem Stück Phantom von Uruk die Zuschauer begeistert: Die Theater AG Eleven des Friedrich-Schleiermacher-Gymnasiums Niesky. Links hinten Lehrerin Kerstin Schönbrodt und Theaterpädagoge Ben Graul.
Sie haben als jüngstes Team beim Theatertreffen der Jugend in Berlin im Haus der Festspiele die Zuschauer begeistert: Die Theater AG Eleven des Friedrich-Schleiermacher-Gymnasiums Niesky. Links hinten Lehrerin Kerstin Schönbrodt und Theaterpädagoge Ben Graul.

© - keine Angabe im huGO-Archivsys

Niesky. Sie sitzen in der altehrwürdigen Aula des Gymnasiums am Zinzendorfplatz. In einem großen Kreis haben die Siebtklässler, Theaterpädagoge Ben Graul aus Dresden und Lehrerin Kerstin Schönbrodt Platz genommen. Gemeinsam sind sie die Theater AG Eleven des Friedrich-Schleiermacher-Gymnasiums. Es geht ihnen gerade um nichts Geringeres als die Frage, wie es mit der Gruppe weitergeht. Denn nach zwei Jahren läuft die Förderung über das sächsische Programm namens Kost aus. Kost, das ist die Kooperation Schule und Theater in Sachsen und sie hat dem Gymnasium Niesky ermöglicht, mit dem Theaterpädagogen zu arbeiten.

Gemeinsam haben sie mit ihrem anspruchsvollen Stück das Phantom von Uruk, bei dem es um Figuren aus dem Gilgamesch-Epos geht, den Theater-Olymp bestiegen. Sie spielten es zuerst vor Nieskyer Publikum, dann beim Schülertheatertreffen in Bautzen, beim Festival Schultheater der Länder als einzige sächsische Gruppe in Potsdam und schließlich in Berlin. Dort waren die Nieskyer die jüngste Gruppe beim Jugendtheatertreffen. Sie eröffneten das Treffen mit ihrem Stück in dem renommierten und ausverkauften Haus der Festspiele und bekamen dafür begeisterten Beifall. Sie waren als eine von acht Gruppen aus deutschlandweit 105 Bewerbern ausgewählt worden.

Schon bevor sie für eine Woche in die Hauptstadt fuhren, wurden die Eleven mit Glückwünschen überhäuft. Sachsens Kultusminister Christian Piwarz beispielsweise schrieb an die Nieskyer: „Die Theater-AG aus Niesky ist die einzige Schultheatergruppe, die zu dem Theatertreffen eingeladen wurde. Ein grandioser Erfolg und eine Anerkennung für Eure und Ihre künstlerische Arbeit. Herzlichen Glückwunsch dazu!“ Er freue sich, so der Minister, dass die Kooperation mit Kost und das Zusammenwirken mit dem Künstler Ben Graul so erfolgreich ist. „Ich werde mich auch weiterhin dafür einsetzen, das die Zusammenarbeit von Schule und Theater(Profis) stattfinden kann und unterstützt wird“, so Christian Piwarz. Sogar von Ministerpräsident Michael Kretschmer gab es für Theater-AG Grüße und Glückwünsche, berichtet Kerstin Schönbrodt. Die Nieskyer möchten den Kultusminister, in dessen Verantwortung das Programm Kost läuft, gerne beim Wort nehmen. Denn das Honorar, welches Ben Graul pro Woche für seinen Einsatz am Schleiermacher-Gymnasium bekommt, wird nur noch bis zum Schuljahresende gezahlt. Es geht um 152 Euro plus Fahrtkosten. Die Schule selbst kann das Honorar samt Nebenkosten nicht aufbringen. Und ein Gespräch zwischen dem Schulleiter Volkmar Würfel, Ben Graul und Kerstin Schönbrodt mit Katja Gähler von den Landesbühnen Sachsen, die für die Kooperation Schule und Theater in Sachsen zuständig ist, brachte gar nichts. „Unsere Hoffnung, dass der Antrag des Gymnasiums auf eine Verlängerung um ein Jahr besprochen wird, wurde enttäuscht“, sagt AG-Leiterin Kerstin Schönbrodt. Im Gegenteil. Wir bekamen erklärt, dass Kost für zwei Jahre ausgeschrieben ist und dann ist das eben so, dass es danach vorüber ist. „Da kannst du erfolgreich sein oder Mist machen, es läuft aus“, so die Theater-AG-Leiterin. Sie stellte auch fest, dass die Kost-Zuständige verwundert war über die emotionale Art, mit der die Nieskyerin für die Gruppe stritt. Dabei erwarten die Nieskyer keine Extrawurst, sondern lediglich eine Ausnahmegenehmigung für ein Jahr, damit die begonnene Arbeit abgeschlossen werden kann. Wegen der Teilnahmen an den Festivals musste die Erarbeitung des neuen Stückes immer wieder nach hinten geschoben werden.

Auch an diesem Probentag nutzen die Siebtklässler mit ihren Anleitern nicht die gesamte Zeit für ihr neues experimentelles Stück. Das sei noch namenlos, aber es werde viel mit Musik und mehr mit Tanz zu tun haben. Sie überlegen, was sie tun können, damit es weiter geht. „Ihr müsst klarmachen, was das Theaterspielen für euch bedeutet“, fordert Ben Graul die Mädchen und Jungen auf. Er bescheinigt ihnen eine ungeheure Freude am Entdecken von sich, der Gesellschaft, der Welt. Die Gruppe sei ein Glücksfall. „Sie verstehen sich sehr gut, haben einen guten Humor, sind geduldig, musikalisch und sehr spielfreudig“, so Ben Graul. „Wir geben nicht auf“, sagt Kerstin Schönbrodt. Immerhin soll der Antrag aus Niesky dem Kost-Beirat vorgestellt werden.