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Montag, 17.09.2018

Was die Kreisstatistik verrät

Zehn Jahre existiert der Landkreis Görlitz. Zum Jubiläum gibt es auch eine Menge Antworten auf ungewöhnliche Fragen.

Ein Blick auf den Eingang des Landratsamtes in Görlitz.
Ein Blick auf den Eingang des Landratsamtes in Görlitz.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Görlitz. Langweilige Statistik? Von wegen! Zehn Jahre nach Gründung des Landkreises Görlitz offenbaren aktuelle Zahlen und Fakten eine Menge interessanter Dinge rund um die Region. So nahm beispielsweise die Bevölkerung seit der Gründung 2008 um rund 28 000 auf jetzt noch gut 257 000 Einwohner ab. Die SZ hat einige ungewöhnliche Fragen an die Landkreisverwaltung gestellt:

So ist die Lage im Landkreis Görlitz

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Görlitzer haben die meisten Probleme mit Drogensüchtigen

Der Klientenzahl zufolge, die der Sozialpsychiatrische Dienst erfasst, gibt es in Görlitz die größten Probleme. Von 1263 Menschen, die 2017 Hilfe beim Dienst suchten, waren knapp 30 Prozent aus dem Raum Görlitz. Das ist nicht verwunderlich, gilt er doch als sozialer Brennpunkt des Landkreises. Deutlich angestiegen ist der Anteil der Löbauer. Allerdings hänge das mit der Einbindung des ASB dort in den SpDi zusammen, erklärt Steffi Weise. Die geringsten Probleme gibt es im ländlich geprägten Norden, aus Niesky und Weißwasser suchten die wenigsten Menschen Hilfe.

Die Suchtberatungs- und Behandlungsstellen (SBB) verzeichneten 2017 gar noch höhere Zahlen. 1564 Menschen kamen in die Beratungsstellen nach Löbau, Ebersbach-Neugersdorf und Niesky.

Depressionen sind weit verbreitet, manche löst die Droge Alkohol aus

Depressionen sowie bipolare, neurotische und Belastungsstörungen gehören zu den Diagnosen, mit denen Mitarbeiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes am häufigsten zu tun hatten. Bei den Suchtberatungsstellen sind es mit Riesenabstand psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol. „Das ist immer noch die Droge Nummer eins“, sagt Steffi Weise. Crystal folge zwar immer noch auf Rang zwei – zusammen mit sonstigen Stimulanzien wie etwa Koffein – aber auch Cannabis sei schwer auf dem Vormarsch und folgt schon auf Platz drei. „Wir hatten 2017 einen sehr deutlichen Anstieg bei Cannabis, was sicher durch die professionellere Herstellung begründet ist und die bessere Wirksamkeit“, sagt Steffi Weise.

Crystal ging langsam aber sicher zurück. „Allerdings beziehen sich diese Aussagen natürlich nur auf die Klienten, die Beratungsstellen aufsuchen.“ Spitzenreiter im Konsum von Crystal und Cannabis sind demnach wie schon 2015 und 2016 die Zittauer, gefolgt von den Görlitzern.

Es gibt mehr Psychotherapeuten und trotzdem noch „weiße Flecke“

Hilfe bekommen Betroffene natürlich in Krankenhäusern und Tageskliniken, aber auch von niedergelassenen Neurologen und Psychiatern. Zugenommen hat im Kreis die Zahl der Psychotherapeuten – wenn auch mancher nur halbtags arbeitet. Zudem gibt es um Weißwasser herum einen weißen Fleck, was Psychotherapeuten angeht. Dort werde man ansetzen müssen, sagt Steffi Weise. Ein weiteres Manko: In Zittau und Rothenburg sind seit 2013 Fachärzte weggefallen, und es gibt im Landkreis auch keinen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychologie mehr.

Anlaufstellen für Hilfsbedürftige und Angehörige sind in jeder Stadt

Neben der medizinischen Hilfe stehen Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen betroffenen Menschen offen. Solche gibt es vor allem in den fünf größeren Städten des Landkreises. Der Sozialpädiatrische Dienst und die Suchtberatungsstellen sind jeweils in Weißwasser, Niesky, Görlitz, Löbau und Zittau ansässig.

Darüber hinaus gibt es in Görlitz und Löbau Standorte der Telefonseelsorge Oberlausitz. Gerald Demmler, der die Telefonseelsorge seit 1993 leitet, sagt, dass ein gutes Drittel der Anrufe in Zusammenhang mit Suizid stünde. „Der Rest sind andere Probleme, häufig geht es um Angsterkrankungen, Depressionen, Sucht, Gewalt, sexuellen Missbrauch.“ 2017 haben insgesamt 90 Ehrenamtler in 8500 Arbeitsstunden am Telefon gesessen und mit Menschen am anderen Ende der Leitung gesprochen. „Wir bilden keine Therapeuten aus, aber alle Mitarbeiter haben eine Grundausbildung und erkennen bestimmte Krankheitsbilder“, sagt Gerald Demmler.

Landkreis setzt auf Prävention und beginnt dabei schon in den Schulen

Als neuere Maßnahmen, die der Landkreis für seinen Psychiatrie- und Suchthilfeplan angestrengt hat, nennt Steffi Weise die 2016 erfolgte Gründung eines Gemeindepsychiatrischen Verbundes für den ganzen Landkreis. Auch Prävention hat sich der Kreis auf die Fahnen geschrieben. Pit heißt hier das Zauberwort – Prävention im Team. Das kommt vor allem in Schulen zum Tragen. Auch über Schulsozialarbeit sollen noch mehr Präventionsangebote gemacht werden.

Große Hoffnung setzt der Landkreis in das noch neue Bündnis gegen Depression, das 2017 mit der Aktionswoche auf sich aufmerksam machte. Die Arbeit des Bündnisses soll dieses Jahr noch intensiviert werden.