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Mittwoch, 16.05.2018

Warum die Lessingbibliothek umzieht

Nach dem Kamenzer Stadtrat hat auch der Kreistag nichts gegen einen vierstöckigen Anbau an die Lessingschule. Die Stadt zahlt ja selbst auf die Synergieeffekte ein.

Von Frank Oehl

Die Tage der Stadtbibliothek im Lessinghaus könnten gezählt sein. Nach dem Stadtrat hat auch der Kreistag einem Umzug in die Henselstraße zugestimmt. Nach einer städtebaulichen Vereinbarung beider Seiten.
Die Tage der Stadtbibliothek im Lessinghaus könnten gezählt sein. Nach dem Stadtrat hat auch der Kreistag einem Umzug in die Henselstraße zugestimmt. Nach einer städtebaulichen Vereinbarung beider Seiten.

© Kristin Richter

Kamenz. In der Lessingstadt hat Lessing immer Hochkonjunktur. Jetzt aber ganz besonders. Schließlich steht wohl fest, dass die Stadtbibliothek „G.E. Lessing“ aus dem Lessinghaus, das sie sich derzeit mit dem Lessing-Museum teilt, etwa im Sommer 2020 ausziehen wird. Und wohin? In den neuen Anbau des Gotthold-Ephraim-Lessing-Gymnasiums an der Lessingschule in der Henselstraße. Nach dem Stadtrat hat jetzt in einer extra anberaumten Sondersitzung auch der Kreistag dem Vorhaben prinzipiell grünes Licht gegeben. Wohl wissend, dass dabei noch manches, durchaus schwierige Detail zu klären sein wird. Die SZ beantwortet Fragen zum Thema:

Woher rührt der Handlungsdruck hinsichtlich der Umzugspläne?

Es gibt zwei Gründe. Zum einen braucht das Lessing-Museum seit langen mehr Platz – für den Fundus und für Sonderausstellungen. Auch der Stadtbibliothek selbst fehlt im Lessinghaus Entfaltungsspielraum, weshalb immer wieder nach Alternativen geschaut wurde. Gleichzeitig geht es um die Zukunft der Abiturausbildung im Kamenzer Stadtzentrum. Soll das Lessinggymnasium perspektivisch auf drei oder auf vier Züge ausgerichtet sein? Die Stadt wirbt seit längerem für die größere Variante und hat deshalb den vierstöckigen Anbau an die Lessingschule ins Spiel gebracht. Ein Geschoss sollte überwiegend durch die Stadtbibliothek genutzt werden, so die Idee.

Macht ein viertes Stockwerk den geplanten Anbau nicht viel teurer?

Natürlich ist das so. Landrat Michael Harig sprach jetzt vor dem Kreistag von einer „beachtlichen Planungsänderung“, die auf den Schulträger, also den Landkreis zukomme. Sie wird überhaupt nur möglich, weil die Stadt Kamenz für alle Mehrkosten, sowohl die der Investition wie auch der Betreibung für das zusätzliche Geschoss aufkommt, den Landkreis also davon „freistellt“ , wie es heißt. Die Mehrkosten von etwa drei Millionen Euro in Planung und Bau sind größtenteils förderfähig – aus dem Programm für nachhaltige Stadtentwicklung. Übrigens unter dem „Handlungsfeld“ der Armutsbekämpfung.

Hat eine Stadtbibliothek etwas mit Armutsbekämpfung zu tun?

Diese Frage kam auch im Kreistag auf – und sie bezieht sich natürlich nicht nur auf die Bekämpfung „geistiger Armut“, wie nebenbei angemerkt wurde. Die Ausleihgebühr in der Kamenzer Bibliothek beträgt für eine ganze Familie eher symbolische 20 Euro im Jahr, und für Inhaber des Sozialpasses ist sie gänzlich kostenlos. Damit wird die Neugestaltung einer Stadtbibliothek natürlich vom Programm erfasst.

Kann die Stadt die finanzielle Mehrbelastung überhaupt stemmen?

Auf Kamenz kommt ein Eigenanteil von 600 000 Euro zu. Der Stadtrat hatte dem OB-Aufruf „Nur Mut!“ zugestimmt. Wo das Geld herkommt (Kreditaufnahme?), ist noch offen. Fakt ist, dass 30 Prozent der Betriebskosten über den Kulturraum bezuschusst werden. Außerdem sind sich Stadt und Kreis einig, dass Synergien möglich sind – z.B. der Wegfall der Schulbibliothek, womöglich die Einbeziehung der Kreisergänzungsbibliothek und vor allem die Nutzung der historischen Schulaula für Events.

Woher rührt die große Eile des ganzen Umplanungsprozesses?

Sie hängt am 40-Mio-Euro schweren Schulumbau-Gesamtkonzept in Kamenz, das ja auch die 2. OS einschließt. Der Freistaat will das Schweitzerhaus nachnutzen. Deshalb muss das Lessinggymnasium dort 2020 ausgezogen sein. Das ist sportlich!