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Freitag, 04.12.2009

Warum das „Metropolis“ schließen muss

Als Grund wird der Bau der Waldschlößchenbrücke genannt. Das Dresdner Filmfest sucht bereits nach alternativen Spielorten.

Von Stefan Rössel

Das Kino „Metropolis“ neben dem Brauhaus im Waldschlößchenareal wird zum Jahresende geschlossen. Der – zumindest vorerst – letzte Film wird am 30. Dezember vorgeführt. Inhaber Frank Apel begründete den Schritt mit einem kräftigen Einbruch bei den Zuschauerzahlen. In diesem Jahr würden nur noch rund 90 000 Besucher kommen. Der Standard der vorigen Jahre habe bei 150 000 gelegen.

Als einzige Ursache für den Zuschauerschwund nennt Apel die Bauarbeiten für die Waldschlößchenbrücke. Dadurch ist das Gelände tatsächlich schwerer zugänglich. Der Inhaber hält sich außerdem offen, den Kinobetrieb irgendwann bei absehbar besserem Zulauf wieder aufzunehmen. Er habe sich mit dem Vermieter geeinigt, den Betrieb jetzt „bis auf weiteres“ einzustellen, teilte er mit. Immerhin sei die Schließung nicht mit einer Insolvenz verbunden.

Filmfest nicht gefährdet

Für die Dresdner Kinoszene bedeutet die Schließung des Metropolis einen herben Schlag. Es hat einen guten Ruf als Programmkino mit einer Mischung aus Kunst- und Publikumsfilmen.

Vor allem war es bisher auch Spielort des international bekannten Filmfests Dresden. Ende April sollte dort die 22. Auflage der Veranstaltung stattfinden. Festivalleiterin Annegret Richter versicherte allerdings am Donnerstag, dass dies in keiner Weise gefährdet sei. Sie sei von Apel vorgewarnt gewesen und schon seit Längerem mit anderen Lichtspielhäusern im Gespräch.

Allerdings ist es nicht gerade einfach, eine Alternative zu finden. Erstens werden große Vorführräume gebraucht, betonte Annegret Richter. Zweitens muss auch Raum für das Treffen der Künstler vorhanden sein – eben der Festivalbereich. Und schließlich müsse auch die Technik stimmen. So sei etwa das Rundkino problematisch, weil es nur digital eingerichtet sei. Benötigt würden aber auch Projektoren für 35-mm-Filme oder Beta-Bänder. Aus diesem Grund überlege sie auch schon, das nächste Filmfest auf mehrere Schauplätze in der Stadt zu verteilen.

Hintergrund der Schließung könnte allerdings auch ein gewisses Überangebot an Kinos in Dresden sein. Seit das Programmkino Ost im April die Zahl seiner Säle auf fünf erhöhte, verfügte Dresden bundesweit über die höchste Leinwanddichte in 62 Sälen.

Ruf nach städtischer Hilfe

So glaubt auch Ost-Kino-Geschäftsführer Sven Weser nicht so recht, dass die Baustelle alleinige Ursache für die Metropolis-Schließung ist. Auch für sein eigenes Haus stellt er fest: „Wir sind zwar zufrieden, aber es könnte noch mehr sein.“

Von den Linken wurde am Donnerstag der Ruf nach städtischer Hilfe laut. Annekatrin Klepsch, Kulturexpertin im Stadtrat und Landtag, forderte Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) auf, mit Metropolis-Betreiber Apel über Möglichkeiten zu sprechen, sein Programmkino fortzuführen.