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Samstag, 14.07.2018 Zoogeschichten

Von wegen alles Banane

Die Kapuziner im Tierpark Weißwasser mögen süßes Obst – und genauso gerne, wenn ein Spatz vom Himmel fällt. Bei ihnen ist immer Action angesagt.

Von Constanze Knappe

Fachmännisch zerlegt das Äffchen den selbst gefangenen Spatz. Kapuziner gelten als äußerst intelligent. Sie verwenden auch Werkzeuge, um Nüsse zu knacken.
Fachmännisch zerlegt das Äffchen den selbst gefangenen Spatz. Kapuziner gelten als äußerst intelligent. Sie verwenden auch Werkzeuge, um Nüsse zu knacken.

© Constanze Knappe

Weißwasser. Den halben Apfel in der Krümmung der Schwanzspitze eingerollt durch das Gehege zu tragen, sieht putzig aus. Es ist zudem eine Möglichkeit, sich die besten Happen vor den Artgenossen zu sichern. Nicht nur darin sind die vier Kapuzineraffen im Tierpark Weißwasser erfinderisch. Eine lustige Truppe sind sie obendrein. Allesamt fit wie ein Turnschuh. Bei ihnen ist immer Action angesagt, weshalb sie sehr beliebt sind. Es kommt vor, dass einer von ihnen einem Besucher die Brille von der Nase stiebitzt. Und auch sonst sind die Äffchen zu allerlei Unsinn aufgelegt. Wenn sie ihre Hände durch den Zaun stecken, weckt das bei manchen den Wunsch, die Affen zu streicheln. Die beißen aber gern mal zu, was ziemlich schmerzhaft ist. Deshalb ist die Warnung am Gehege ernst zu nehmen.

Es begann 1994 mit einem Winzling aus dem Zoo Hoyerswerda, der dort von seiner Mama nicht angenommen wurde. In Weißwasser päppelten die Tierpfleger den Kleinen mit der Flasche auf. Da lag es nahe, drumherum eine Gruppe aufzubauen. Nach und nach zogen ein Männchen aus Schwerin und zwei Weibchen aus Cottbus und Hoyerswerda ein. „Die Gruppe ist stabil, aber ohne Ambitionen auf Nachwuchs“, sagt Tierparkleiter Gert Emmrich.

Kapuziner leben normalerweise in Wäldern Mittel- und Südamerikas. In freier Natur werden sie 15 bis 20, in menschlicher Obhut an die 40 Jahre alt. Von den 20 Arten sind einige bedroht. Die in Weißwasser gehören nicht dazu. Kapuziner sind Allesfresser. Im Zoo bekommen sie Gurken, Paprika und anderes Gemüse, gelegentlich ein Ei, was man auf dem Boden des Geheges sieht. Das muss nicht irritieren. „Affen sind Futterverschwender. Was sie einmal fallenlassen, fassen sie nicht mehr an“, so Gert Emmrich. Man könne sie auch nicht dazu erziehen. Das Verhalten ist affentypisch. In freier Natur wäre es viel zu beschwerlich, sich deswegen extra von den großen Bäumen herunterzuhangeln. Mit Vorliebe pulen die Kapuziner in der Erde nach Würmern und Insekten oder sie fangen sich einen Vogel oder eine Maus. Auch im Zoo.

Das Gehege im Tierpark Weißwasser ist nach oben offen. Das verleitet die Kapuziner aber nicht, stiften zu gehen. Wenn ihnen danach ist, suchen sie sich einen anderen Weg. Und das mit großer Ausdauer. „Beim Heckenschneiden wurde mal aus Versehen der Zaun ganz leicht beschädigt. Die Affen haben das gesehen“, erzählt Gert Emmrich. Sie popelten so lange an dem Draht herum, bis ein Loch im Zaun war. Dann gingen alle vier den Zoo erkunden. Zwei konnten zurückgebracht werden, bei den anderen beiden half nur noch das Betäubungsgewehr. Ein anderes Mal stand einer der Affen an der Kasse. Mit Nüssen konnte er zur Rückkehr überzeugt werden. Ende Februar suchte eins der Weibchen das Weite, wurde aber wiedergefunden. Man müsse eben immer auf Überraschungen gefasst sein, so der Tierparkchef.

Tierpark Weißwasser, Teichstraße 56. Geöffnet ist in der Saison täglich 9 bis 18 Uhr. 03576 208366.

www.tierpark-weisswasser.de