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Donnerstag, 17.05.2018

Vom Index befreit

Seit Jahren darf eine CD von Bushido nicht an Minderjährige verkauft werden. Der Rapper hat dagegen geklagt – mit Erfolg.

Von Florentine Dame, Münster

Anis Mohamed Youssef Ferchichi, besser bekannt als Bushido, hat einen Rechtsstreit gewonnen. Die Texte auf seiner CD sind umstritten.
Anis Mohamed Youssef Ferchichi, besser bekannt als Bushido, hat einen Rechtsstreit gewonnen. Die Texte auf seiner CD sind umstritten.

© dpa

In der Verhandlung fallen üble frauenfeindliche Schimpfworte, die wohl sonst eher selten im Saal des Oberverwaltungsgerichts Münster zu hören sind. Der Anwalt der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, Marc Liesching, zitiert aus einem umstrittenen Album des Gangster-Rappers Bushido. Er will deutlich machen, warum die Behörde den Verkauf der Platte an Jugendliche 2015 untersagt hatte.

Doch bei den Richtern stößt er damit auf taube Ohren: Bei der Indizierung des Albums als jugendgefährdend habe die Behörde nicht sorgfältig genug abgewogen zwischen Kunstfreiheit und Jugendschutz, so ihr Urteil am Mittwoch. Vor allem werfen die Richter der Bundesprüfstelle vor, nicht alle beteiligten Künstler angehört zu haben und somit keine ausreichende Entscheidungsgrundlage gehabt zu haben.

Damit hat Bushido im langwierigen Rechtsstreit gegen die Bundesbehörde nun in zweiter Instanz einen Sieg errungen. Wird das Urteil rechtskräftig, könnte sein Album wieder an Minderjährige verkauft werden. Doch die Richter haben Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht zugelassen. Ob die Bundesprüfstelle das Urteil nach ihrer Schlappe in Münster höchstrichterlich überprüfen lassen will, muss sie noch entscheiden.

Die Prüfstelle hält die Texte für gewaltverherrlichend, frauenfeindlich und homophob. Sie glaubt, dass dadurch die Jugend verroht. Deshalb wurde „Sonny Black“ auf die Liste der jugendgefährdenden Medien genommen. Doch Bushido, der in Münster am Mittwoch nicht anwesend ist und seine Anwälte sprechen lässt, legte Berufung ein. Sein Mandant sehe sich in seinem Recht auf Kunstfreiheit verletzt, trägt Anwalt Heiner Bindhardt vor. Zudem seien die Songs für Jugendliche jederzeit im Internet verfügbar, „viele davon millionenfach geklickt“.

Dass das Gericht am Ende weniger über die Gefährlichkeit brachialer Textzeilen für Jugendliche einerseits und den Kunstgehalt des Gangsta-Rap-Genres andererseits entscheidet, liegt ausgerechnet an umstrittenen Rap-Kollegen. Die Echo-Gewinner Farid Bang und Kollegah, die wegen Antisemitismus-Vorwürfen in die Kritik gerieten, sind auch auf „Sonny Black“ zu hören. (dpa)