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Donnerstag, 17.05.2018

Voll von gestern

Per Google Streetview lässt sich Dresden online erkunden. Nur leider kaum erkennen. Die Bilder sind zehn Jahre alt.

Von Mirko Jakubowsky und Franziska Klemenz

11 Warum Google jetzt in Dresden unterwegs ist

Anstelle des City-Markts war die Fläche in der Bautzener Straße 2008 noch grün und voll mit Bäumen.
Anstelle des City-Markts war die Fläche in der Bautzener Straße 2008 noch grün und voll mit Bäumen.

Das kann nur das gelbe Männchen. Eine Stadtführung durch Dresdens Vergangenheit. Häuser, die es nicht mehr gibt, Grünflächen, die bebaut sind; das Skelett eines Stadions, nur mit Sitzrängen bestückt. Das gelbe Männchen ist bei Google Street View angestellt. Besucher der Website lassen es auf die Karte plumpsen, bekommen 360-Grad-Bilder der Umgebung gezeigt. Aber nicht in der heutigen.

Den Streifzug mit der 360-Kamera durch Dresden haben Google-Mitarbeiter 2008 gemacht. Immerhin die Frauenkirche stand da schon; abgesehen von Dresdens bekanntestem Monument ist das Gesicht der Stadt auf vielen Bildern kaum erkennbar. Holprige Straßen führen durch Häuserzeilen mit grünen Lücken und grauen Fassaden. Wo heute Waben des früheren Zentrum Warenhauses die Centrum-Galerie schmücken, ummanteln Baugerüste rohe Betonklötze. Im DDV-Stadion kann sich nichts spiegeln, es steht fassadenlos da – nur die gelben Sitzränge verraten, dass hier einmal Dynamo spielen wird.

Warum Google jetzt in Dresden unterwegs ist

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Nach jahrelanger Pause sind jetzt wieder die markanten Kameraautos in Deutschland unterwegs. Seit Ende April tauchten die Wagen auch in Sachsen auf. Mehrfach wurden in den vergangenen Wochen Google-Autos etwa in Dresden gesehen.

Nach Auskunft des Internetkonzerns sind derzeit 23 Autos in vielen Städten Deutschlands unterwegs, um Korrekturen für den Kartendienst Maps zu ermöglichen. Es sollen Informationen über Straßennamen und -schilder, Streckenführungen und Daten von Geschäften, wie etwa die genauen Adressen oder Öffnungszeiten, erfasst bzw. ergänzt werden.

Neue Streetview-Bilder sind Google zufolge aktuell nicht geplant. Zwar fertigen die derzeit fahrenden Wagen Fotos an, diese würden aber nur von Algorithmen ausgewertet und nicht veröffentlicht. (mja)

Entlang der Wilsdruffer Straße schreit ein zahnbelag-farbener Klotz nach Sanierung, die kleinen Fenster quetschen sich wie Dias aus Opas Bergwander-Sammlung aneinander – früher Bürogebäude, heute die Altmarktgalerie. Mit champagnerfarbenem Anstrich und luxuriös gefüllten Panorama-Schaufenstern, die zum Konsum verlocken sollen. Vor allem das fällt auf: in der Antonstraße das Kaufhaus Simmel, am Straßburger Platz das Zentrum SP1, in der Bautzener Straße der City Markt – vor zehn Jahren Grünflächen, heute Euro-Schlucker. Volle Straßenzüge, leere Geldbeutel.

Zugegeben: Die Bilder zeigen, dass auch die Stadtverwaltung Dresden in den letzten zehn Jahren baulich verwandelt hat. Nicht, dass die Stadt von damals hässlich war. Aber löchriger, grauer, mit schlechteren Tram-Anlagen und brüchigen Mauern. Ob Google den Eindruck korrigieren möchte? Aktualisierungstouren mit der Kamera seien in Deutschland nicht geplant, heißt es von einer Sprecherin. Zwar düsen gerade 23 Autos mit Stativen auf den Dächern für Google durch Deutschland; die kümmern sich aber nicht um Streetview, sondern aktualisieren den Kartendienst Maps.

Vielleicht ist Google die Lust auf Street View in Deutschland schon lange vergangen. In kaum einem anderen Land hatte der Konzern größere Schwierigkeiten mit Datenschützern und aufgebrachten Hausbesitzern. Hunderttausende ließen 2010 zum Deutschland-Start des Dienstes Gebäude-Aufnahmen verpixeln, oft aus Sorge vor Spionage. Ob man das Männchen in Schwabing oder Schwerin absetzt, seine Bilder sind überall mindestens neun Jahre alt. Hoffentlich muss es die digitale Vergangenheitswelt nie verlassen. Der Realitäts-Crash könnte ihm Sinnkrisen einbrocken.

Blick auf die Stauffenbergallee. Die Gebäude wurden saniert, die Straße ist unverändert schlecht geblieben. Fotos: Google/Sven Ellger


Das Stadion wurde zwischen 2007 und 2009 neu- bzw. ausgebaut. Auf Streetview wurde es nie vollendet. Fotos: Google/Christian Juppe


Auch am Albertplatz ist die Zeit stehengeblieben - zumindest online. Das ehemalige DVB-Hochhaus hat längst als Einkaufszentrum geöffnet. Fotos: Google/Sven Ellger


Als die Google-Autos das letzte Mal über die Bautzner Straße stadtauswärts fuhren, gab es auf der linken Seite kurz nach der Kreuzung zur Rothenburger Straße noch Baulücken. Der 2008 noch dort ansässige Gebrauchtwagenhändler ist seit Langem einem Einkaufszentrum nebst Parkhaus gewichen. Fotos: Google/Sven Ellger


Auch in der Innenstadt wurde 2008 viel gebaut: Als Google das Foto links auf der Reitbahnstraße aufnahm, war die Centrumgalerie noch nicht ferig. Fotos: Google/Christian Juppe


Auch der Altmarkt, die Wilsdruffer Straße oder die Altmarktgalerie sind online nie vollendet worden. Fotos: Google/Christian Juppe


Blcik auf das ehemalige "Linde"-Haus am Postplatz. Heute befindet sich dort einer der Eingänge der Altmarktgalerie - außer auf Google Streetview. Fotos: Google/Christian Juppe

Leser-Kommentare

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Insgesamt 11 Kommentare

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  1. Richtig gelesen?

    Die Stadtverwaltung hat Dresden in den letzten Jahren baulich verändert? Das einzige Beispiel dafür ist die hässliche Postplatz-Haltestelle. Ansonsten sind das alles Gebäude von privaten Bauherren. Beim Bau dieser Objekte hat die Stadtverwaltung höchstens bei der Genehmigung von hässlichen Fassaden geglänzt.

  2. Ralf

    Ja, das habe ich auch schon festgestellt. Google wird hier dafür nix mehr machen. Kann ich verstehen, nur sinnloses Dauergemecker muss man sich nicht antun. Und so gibt es Global nur noch paar schwarze Flecken bei streetview, u.a. Weißrussland und eben Deutschland, wo die Bilder aus den Großstädten immerhin archivarisch interessant sind. Lustig ist es immer, wenn man von einem Nachbarland "entlangfährt". Jeden kleinsten Weg kann man genau bis zur Grenze Deutschland nachverfolgen, dann ist Zone.

  3. Gestern gesehen

    Na so was. Gerade gestern habe ich einen Google Maps Golf mit Kamera auf dem Dach gesehen. Kam auf dem Körnerplatz aus Richtung Pillnitz und fuhr in den Körnerweg.

  4. Pendlerin

    Es kommen doch bald neue Bilder, das Street-View-Auto fuhr doch erst vor 2 Wochen durch Dresden.

  5. Motzki

    #1: Die Bautzener Straße ist auch von der Stadtverwaltung gebaut worden, und so manch andere Sachen auch (z.B. Waldschlösschen Brücke). Aber Hauptsache meckern. Wer selber nix auf die Reihe kriegt, kann wenigstens noch meckern. Ja, zu DDR Zeiten war alles noch viel schöner. Da hat die Verwaltung noch ordentlich gebaut! Aber abgebaut...

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