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Dienstag, 13.03.2018

Voll unfääär!

Mit einer Gala geballter Gags ist das Dresdner Comedy-Festival Humorzone zu Ende gegangen und hat Nachwuchs gezeugt.

Von Nadja Laske

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Olaf Schubert setzt auf der Abschlussgala der Humorzone auf gewohnte Rautenmuster. Insgesamt kamen an den fünf Tagen mehr als 10000 Besucher zu 50 Spaßveranstaltungen.
Olaf Schubert setzt auf der Abschlussgala der Humorzone auf gewohnte Rautenmuster. Insgesamt kamen an den fünf Tagen mehr als 10 000 Besucher zu 50 Spaßveranstaltungen.

© Amac Garbe/PR

Den Unterschied zwischen gefühlter und gefüllter Leere kennt keiner so gut wie Julius Fischer. Mit Knopf im Ohr und Regieanweisung im Hirn spaßt der Poet und Kabarettist das Publikum auf das große Gelächter ein. Dazu gehörten am Sonntagabend im Alten Schlachthof auch Selbstverständlichkeiten wie der Hinweis auf die Regularien der Fernsehaufzeichnung. Der MDR nahm die Abschluss-Gala des Dresdner Comedy-Festivals auf, um noch am gleichen Abend die Wohnzimmer des Sendegebietes zu Humorzonen zu machen. Dass die Live-Gäste jegliche Rechte am eigenen Amüsement an den Sender abtreten, ebenso wie ein Drittel ihres Monatsgehalts, gehörte da zum lachtechnischen Vorspiel.

Was folgte, war eine Überraschung für alle, die bisher haderten: Chris Tall echt witzig. Wer 14 Kilo Gewicht verliert, muss schon mal erklären, wie er das gemacht hat. Das tat der Comedy-Newcomer mit dem Cap höchst anschaulich, um schließlich erschöpft auf die Couch zu fallen: „Ich steige ab vom Mofa und geh direkt aufs Sofa.“ Nicht unbedingt flotter, aber durchaus sozialkritisch dachte Johann König laut über das Zwischenmenschliche nach: über unrechtmäßig verpönte Zeitungsdiebe, Bananenschalen im Briefkasten und eine zu fette Katze mit Hundekacke an der Tatze – das Ganze im Rahmen seiner asozialen Nachbarschaft. In unserem schönen Dresden gibt’s so etwas nicht, nichts von dem, was Ingmar Stadelmann über den Berliner Nahverkehr berichtete. So gereicht der Fluch auf die BVG der DVB zum Segen.

Doch was wäre das poetische Potpourri ohne den Gastgeber Olaf Schubert. Er outete sich dieselskandalös als dreifacher Porschefahrer („Vom Munde abgespart – über Wochen!“), fand für jeden seiner Gäste auf der Bühne einen passenden Witz, zum englischsprachigen Leo Bassi einen Gag und kündigt schließlich den Preisträger des Güldenen August an: Simon Stäblein. Der machte seine eigene luschige Generation zum Obst, die über keine blühende Obstwiese laufen kann, ohne von Allergien niedergestreckt zu werden – junge Leute, die im Freiwilligen Sozialen Jahr bei ehemaligen Kindersoldaten über ihr Einser-Abi jammern und überhaupt alles „voll unfääär“ finden. Zum Beispiel, dass die Leute da in Afrika „ohne Joga mega dünn“ sind. Sehr beruhigend zu wissen: Der Humor bekommt fähigen Nachwuchs.

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Dresdner45

    Ich habe mir ein paar "Humoristen" im Fernsehen angesehen und kann für mich sagen, sehr niedriges Niveau. Herr Schubert hat wenigsten noch etwas, zum Nachdenken, aber ansonsten dürftig. Ich würde kein Geld dafür ausgeben. Wo sind die großen Humoristen geblieben?

  2. h

    Die finden sich hier im Forum!

  3. Marc Brossmann

    "Sehr beruhigend zu wissen: Der Humor bekommt fähigen Nachwuchs. " Natürlich, Frau Laske. Es gab und gibt immer wieder fähige, neue, junge Leute in der Kabarett- und "Comedy"szene , die nachkommen. Wobei ich einen Chris Tall damit eher nicht gemeint haben will, es sei denn, er hat nicht nur 14 Kilogramm an Körpergewicht verloren, sondern zugleich an Originalität, Geistreichtum, Witz und Humor gewonnen. Aber Leute wie Hazel Brugger oder Lisa Eckhart (zwei Frauen in einer männerdominierten Szene!), die zwar (noch) nicht in der "Humorzone" waren, aber doch, wie ich finde, sehr gute Beispiele dafür sind, dass es um den Nachwuchs bestens bestellt ist. Insgesamt ist es schon beachtlich, was Herr Schubert und seine Mannen mit dieser Veranstaltungsreihe auf die Beine gestellt haben und welche Leute daraufhin den weiten Weg nach Dresden finden. Mein Highlight in diesem Jahr: Jochen Malmsheimer. Wie immer großartig.

  4. Lehmann

    Ich war hoffnungsvoll bei Chin Meyer und habe die Aufzeichnung der Schlußveranstaltung im Fernsehen verfolgt. Chin Meyers Programm erfüllte wenig meiner Erwartungen, ein Drittel peinlicher Spaß auf Kosten des Publikums, ein Drittel in Englisch - nur für Insider - und nur ein drittel seines Programms zu Finanzen, was meine gute Meinung zu ihm begründete. Die Schlußgala bewies, es gibt eben auch Fans für inhaltslose Beiträge. Olaf Schubert kann mit Wortwitz und Intelligenz gut sein, wenn er nicht gar zu sehr abrutscht. Trotzdem für Dresden ein Gewinn!

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