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Donnerstag, 17.05.2018

Vogelschutz bremst Straßenbau

Die Straße von Horka nach Biehain ist in einem sehr schlechten Zustand. Für die Einwohner schon viel zu lange.

Von Steffen Gerhardt

Der Blick auf die Karte verrät, dass die Verbindungsstraße von Horka nach Biehain (rechts) von der Zeit her nicht in einem Ruck gebaut werden kann. Die 450 Meter Straße an den Teichen vorbei bedürfen aufgrund des Vogelschutzgebietes einer besonderen Beachtung. Bis zur Entscheidung können noch Jahre vergehen, befürchtet das Hoch- und Tiefbauamt.
Der Blick auf die Karte verrät, dass die Verbindungsstraße von Horka nach Biehain (rechts) von der Zeit her nicht in einem Ruck gebaut werden kann. Die 450 Meter Straße an den Teichen vorbei bedürfen aufgrund des Vogelschutzgebietes einer besonderen Beachtung. Bis zur Entscheidung können noch Jahre vergehen, befürchtet das Hoch- und Tiefbauamt.

© Grafik SZ

Biehain. So einen Zulauf hat die Biehainer Ortschaftsratssitzung selten erlebt wie am vergangenen Montag. Rund 50 Einwohner wollen an dem Abend wissen, wann die brüchige und enge Betonstraße zu einer asphaltierten, zweispurigen Fahrbahn ausgebaut wird. Gemeint ist die Kreisstraße, die von Horka nach Biehain führt. Eingeladen hatte sich der Rat zwei Straßenfachleute aus dem Landratsamt. Amtsleiter Dieter Peschel und Sachgebietsleiter Jens Ziegler vom Hoch- und Tiefbauamt. Sie sollten den Biehainer sagen, „wann es nun endlich losgeht“, wie das ein Bürger formulierte.

Zuvor zeigte Ortsvorsteher Jörg Koltermann zwei auf Video festgehaltene Fahrten mit dem Auto auf dieser Straße – von und nach Biehain. Es bedurfte keiner großen Worte, die Bilder sagten alles. Doch was sagen die Fachleute, wie es jetzt mit der Kreisstraße weitergeht?

Nicht schnell genug für die Biehainer, um es vorwegzunehmen. Denn eigentlich sollte die Ortsverbindung bereits vor fünf Jahren fertig sein. Geschafft wurde damals nur der erste Bauabschnitt in Horka, von der S121 bis zum Bahnübergang. Wie Jens Ziegler sagte, waren es zuerst die Schwierigkeiten mit dem Grunderwerb, die bis heute nicht ausgeräumt sind. Um die Straße auf die geforderten fünfeinhalb Meter Breite zu bringen, müsste der Kreis Boden zukaufen. Aber weitverzweigte Erbengemeinschaften machen das dem Landkreis schwierig. Deshalb, so der Straßenfachmann, soll die Verbindungsstraße auf ihrer vorhandenen Breite ausgebaut werden. Diese umfasst nicht nur die Betonplatten, sondern auch die Randstreifen bis hin zum Straßengraben.

Aufteilen in zwei Bauabschnitte

Marco Polenz als beauftragter Planer zeigte auf Zeichnungen, wie der Straßenkörper aufgebaut werden soll. Dabei will der Horkaer das bereits damals für die Betonplatten aufgeschüttete Kiesbett nutzen. Die Betonplatten sollen entspannt, also zertrümmert, und als Untergrund mitverwendet werden. Darauf soll eine fünfeinhalb Meter breite Asphaltschicht kommen. Diese wird sich zunächst nur vom Bahnübergang bis kurz vor den Teichen und weiterführend nach den Teichen bis zum Ortseingang Biehain erstrecken. Dieter Peschel sagte: „Wir bauen in zwei Abschnitten, um einen Anfang machen zu können.“

Die beiden Fischteiche liegen in einem Vogelschutzgebiet – und dort eine breitere Straße zu bauen, wird verdammt schwierig. Zu dieser Erkenntnis kamen Peschel und Ziegler nach einem Vor-Ort-Termin Ende März mit Vertretern des Natur- und Umweltschutzes. Bis beide Seiten sich einig sind und die Planung steht, können vier, fünf Jahre vergehen. „Das kann ein weiter Weg werden“, prophezeite Dieter Peschel.

Hinzu kommt, dass Biehain fast umschlossen von einem FFH-Gebiet ist. Dieses dient dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitaten). Auch da gibt es in Bezug auf den Straßenbau Vorgaben und Einschränkungen. Daher plant das Tiefbauamt, wenigstens die Fahrbahndecke so herzurichten, dass darauf der Verkehr wieder gut rollen kann.

Die Verbindungsstraße ist das eine Problem, das die Biehainer belastet. Ein zweites sind die Straßen innerorts. Jörg Koltermann kritisierte besonders die Kaltwasser Straße, auf der es mit der Regenentwässerung hapert. „Regelmäßig werden bei Starkregen die Grundstücke überspült“, sagte er. Aus Sicht des Landkreises muss es dafür eine Zwischenlösung geben, bis die Straße gemacht wird. Denn die Horkaer Straße ist sanierungsbedürftiger, sagte Dieter Peschel. Sie schließt sich an die Ortsverbindung an und wäre der dritte Bauabschnitt. Dieser würde auch einen Gehweg beinhalten, der bisher fehlt.

An Planer Polenz gewandt sagte Dieter Peschel, dass dieses Jahr für den Abschnitt vor und nach den Teichen die Planung einschließlich Anhörung abzuschließen sei, damit im Frühjahr die Fördermittel beantragt werden können. Liegt der Bescheid vor, will Peschel darüber nicht nur den Ortschaftsrat informieren, sondern auch die Ausführungsplanung mit folgender Ausschreibung in Auftrag geben. Geht das alles auf, könnte Ende 2019 der Bau beginnen.