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Montag, 02.07.2018

Völler und Klinsmann abgemeldet

Von Jürgen Schwarz

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Wieder ein Fußball-Festtag in Dresden: Dynamo überrollt im Europapokal HJK Helsinki mit 7:2. Andreas Trautmann (links) überwindet hier Gästekeeper Markku Palmroos und erzielt das 3:0. Mittlerweile arbeitet Trautmann im Weißiger Sportpark.Fotos: Hiekel/Ronald Bonß
Wieder ein Fußball-Festtag in Dresden: Dynamo überrollt im Europapokal HJK Helsinki mit 7:2. Andreas Trautmann (links) überwindet hier Gästekeeper Markku Palmroos und erzielt das 3:0. Mittlerweile arbeitet Trautmann im Weißiger Sportpark.Fotos: Hiekel/Ronald Bonß

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  • Wieder ein Fußball-Festtag in Dresden: Dynamo überrollt im Europapokal HJK Helsinki mit 7:2. Andreas Trautmann (links) überwindet hier Gästekeeper Markku Palmroos und erzielt das 3:0. Mittlerweile arbeitet Trautmann im Weißiger Sportpark.Fotos: Hiekel/Ronald Bonß
    Wieder ein Fußball-Festtag in Dresden: Dynamo überrollt im Europapokal HJK Helsinki mit 7:2. Andreas Trautmann (links) überwindet hier Gästekeeper Markku Palmroos und erzielt das 3:0. Mittlerweile arbeitet Trautmann im Weißiger Sportpark.Fotos: Hiekel/Ronald Bonß

Natürlich schaut Andreas Trautmann die Fußball-WM. „Aber nicht alle Spiele. Beim Sieg der Deutschen über Schweden war ich mit meiner Frau beim Nena-Konzert“, erzählt der 59-Jährige, der 14 Länderspiele für die DDR-Nationalmannschaft bestritt und seine lange Laufbahn Mitte der 1990er-Jahre in Pirna-Copitz ausklingen ließ. Später saß „Trautl“ viele Jahre als VfL-Chefcoach auf dem Trainerstuhl.

Selbst schaffte es Trautmann nicht zu einer WM-Endrunde, auch wenn die für den „DDR-Fußballer des Jahres“ von 1989 greifbar nahe schien. In der Qualifikation für die WM 1990 in Italien trat die DDR-Auswahl zum letzten Spiel in Österreich an. Ein Punkt hätte zur WM-Teilnahme gereicht, aber die Elf von Trainer Eduard Geyer unterlag 0:3 – sechs Tage nach dem Mauerfall. Trautmann, zu diesem Zeitpunkt einer der stärksten Abwehrspieler des Landes, saß zu Hause vor dem Fernseher.

Beim Hinspiel in Leipzig (1:1) hatte er sein letztes Länderspiel bestritten. „Die Partie stieg einen Tag vor meinem 30. Geburtstag. Ich hatte kurz zuvor eine schwere Grippe, wollte aber unbedingt spielen. Also meldete ich mich gesund. Damals wurden wir nicht so umfangreich untersucht. Der Mannschaftsarzt verschrieb mir einen Vitamindrink und ich lief auf.“ Zur Pause war Schluss. „Die Österreicher waren nach drei Minuten durch Toni Polster in Führung gegangen. Er war mein Gegenspieler und ich hatte vor der Aktion über den Ball geschlagen“, erinnert sich Trautmann. Beim Rückspiel erzielte Polster dann alle drei Tore – ohne seinen „Bewacher“ aus Dresden.

Mit dem Fußball spielen begonnen hatte Trautmann bei Empor Tabak Dresden, danach spielte er von 1977 bis 1991 für Dynamo – mit einer kleinen Unterbrechung. „Ich war 1990 mit Hans-Uwe Pilz und Matthias Döschner zu Fortuna Köln gewechselt. Nach einem halben Jahr kehrte ich mit Hans-Uwe nach Dresden zurück.“ Sein letztes Punktspiel bestritt Trautmann im Mai 1991 für Dynamo. „Bereits vor dem 3:3 gegen Eisenhüttenstadt stand die Qualifikation für die Bundesliga fest. Natürlich hätte ich gern in der Ersten Liga gespielt, aber trotz gültigen Vertrags wurde ich aussortiert.“ So endete das Kapitel Dynamo schließlich vor dem Arbeitsgericht – nach drei Meistertiteln und vier Pokalsiegen.

Tickets für die Konsum-Verkäuferin

Insgesamt bestritt Trautmann 41 Europapokalspiele, in denen er acht Tore erzielte. „Nur Dörner, Häfner, Schmuck, Heidler und Riedel haben mehr EC-Partien absolviert.“ Auch beim 98. und bisher letzten Cupspiel der Dresdner war „Trautl“ dabei. Am 20. März 1991 wurde das Rückspiel gegen Roter Stern Belgrad beim Stand von 1:2 nach 78 Minuten wegen schwerer Ausschreitungen abgebrochen. „Das war das Schlimmste, was ich je erlebt habe.“

Ganz anders sind die Erinnerungen an sein erstes Europapokalspiel vor fast 40 Jahren. „Ich war 19 und stand in Dresden vor 33 000 Zuschauern gegen Bohemians FC Dublin in der Startelf. Ein unvergesslicher Tag.“ Was er verschweigt: Beim 6:0-Kantersieg gelangen ihm zwei Tore.

Nicht nur für Trautmann ergab sich aus der angespannten Ticketsituation in Dresden „zeitweise eine richtige Belastung“. Schließlich war auch das Kontingent an EC-Karten für die Spieler begrenzt. „Je näher die Europapokalspiele rückten, umso größer wurde mein Freundeskreis. Aber die Karten reichten nicht mal für die eigene Familie, geschweige denn für den Chef der Autowerkstatt oder die Verkäuferin im Konsum, bei der ich mein Radeberger Bier bekam. Die Ticketverteilung war manchmal belastender als das Abschlusstraining bei Dynamo.“ Seine besten Cupspiele absolvierte er im Uefa-Cup 1988/89 gegen den AS Rom (2:2, 2:0) und den VfB Stuttgart (0:1, 1:1), als er Weltstars wie Rudi Völler und Jürgen Klinsmann abmeldete. „Von beiden hatte ich auch das Trikot. Das von Rudi wurde mir aber geklaut, das von Klinsi hängt in Dresden im Fußballmuseum.“

Seine letzten Jahre als Fußballer verbrachte „Trautl“ beim Dresdner SC und in Pirna-Copitz. „Beim VfL habe ich noch ein paar Spiele absolviert, war dann als Sportkoordinator tätig. Ab 2001 habe ich die Erste Mannschaft trainiert und arbeitete in der Geschäftsstelle mit.“ Zehn Jahre dauerte die Festanstellung, „aber im letzten Jahr lief es nicht gut. Es gab zu viele Querelen im Verein, sportlich ging es abwärts. Mein Vertrag wurde nicht mehr verlängert.“

Kurios verlief der Wechsel in den Weißiger Sportpark. „Steffen Biesold und ich hatten die Verantwortlichen der SG Weißig zuvor mal beraten. Nach der Entlassung von Steffen als Geschäftsführer in Pirna habe ich in Weißig nachgefragt, ob sie ihm beruflich eine Perspektive bieten könnten. Sie konnten. Wenige Woche später war ich arbeitslos und Steffen Biesold hat mich nach Weißig geholt.“ Auch als Trainer wurde „Trautl“ wieder aktiv. Gerade hat er seinen Vertrag bei Dynamo verlängert, sitzt als Co-Trainer bei den Bundesliga-A-Junioren mit auf der Bank. Wie lange er das noch machen will? „Keine Ahnung. Nächstes Jahr werde ich 60, aber das ist kein Grund, aufzuhören. Meine Frau, die ich 2014 geheiratet habe, kennt mich nicht anders.“

Wirklich greifbare Erinnerungen an seine großen sportlichen Erfolge hat er nur wenige. „Ich war nicht der große Sammler von Medaillen und Urkunden. Die olympische Silbermedaille von Moskau 1980 bewahren meine Eltern auf.“ Und wo steht der Pokal, mit dem er 1989 als bester DDR-Fußballer des Jahres ausgezeichnet wurde? „Ich weiß es leider nicht. Das war ja ein Wanderpokal, den nach mir auch noch Ulf Kirsten und Torsten Gütschow erhalten haben.“ Die SZ forschte nach und wurde bei Gütschow fündig. „Ja, der steht bei mir zu Hause“, so der Trainer von Budissa Bautzen mit einem Schmunzeln.