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Samstag, 18.08.2007

Vito Pallavicini ist tot

Der Mann, aus dessen Feder der Hit „Azzurro“ stammt, starb am 16.August.

Von Paul Kreiner, SZ-Korrespondent in Rom

Der italienische Sommer-Blues – das ist diese hitzeschwere, sonnensatte Trägheit, die bleierne Stille über einer von Gott und Menschen verlassenen Stadt.

Niemand hat das alles besser in Worte gefasst als Vito Pallavicini, keiner besser vertont als Paolo Conte, keiner besser besungen als Adriano Celentano. Dabei herausgekommen ist „Azzurro“ – die italienische Welt-Nationalhymne schlechthin. Dass sie schon 39 Jahre alt ist, hört man ihr nicht an. Ein Kunstwerk vergeht nicht.

Vor und nach „Azzurro“ hat der Lombarde Vito Pallavicini noch 160 andere Lieder getextet; mit seinen Songs errang er bei den nationalen Schlagerfesten von San Remo einen Preis nach dem anderen. Milva, Al Bano & Romina Power, Toto Cotugno und viele andere sangen seine Hits, Elvis Presley übersetzte sich einen ins Amerikanische: „Io che non vivo senza te“ wurde zu „You don’t have to say you love me.“

Adriano Celentano (69) ist nach wie vor bestens im Geschäft, Urgestein der italienischen Musik und Autor sehr weniger, dafür erstklassiger Fernsehshows. Paolo Conte (70) tourt als unermüdlicher Jazzer weiter übers Land.

Nur Vito Pallavicini (83) ist nicht mehr da. Er ist jetzt gestorben, am Donnerstag Abend – am Tag nach Ferragosto, mitten in der Hauptferienwoche des Landes, mitten im italienischen Sommer-Blues, mitten in „Azzurro“.