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Freitag, 13.07.2018

Verschnupfter Final-Begleiter

Am Sonntag kommentiert Bela Rethy zum dritten Mal ein WM-Endspiel für das ZDF.

Von Ralph Durry

Drei EM-Finals hat Bela Rethy bereits kommentiert, am Sonntag zieht er nun auch in Sachen Weltmeisterschaft nach.
Drei EM-Finals hat Bela Rethy bereits kommentiert, am Sonntag zieht er nun auch in Sachen Weltmeisterschaft nach.

© dpa/Rainer Jensen

Die markante Stimme klingt wie ein Reibeisen. Aber Bela Rethy beschwichtigt sofort: „Ich werde viel schlafen, viel trinken und vertraue zudem auf konventionelle Hausmittel. Bis Sonntag bin ich wieder fit.“ Denn um 17.00 Uhr schlägt die große Stunde für den ZDF-Kommentator, der zum dritten Mal nach 2002 in Yokohama und 2010 in Johannesburg ein WM-Endspiel kommentieren darf.

Die bisherigen Einsätze in Russland haben den 61-Jährigen mitgenommen, eine Erkältung hat sich eingeschlichen. „Ich habe leider den Fehler gemacht und im Hotel die Klimaanlage angeschaltet“, sagt Rethy, dessen Familie aus Ungarn stammt. Nach dem Volksaufstand 1956 kam es zur Flucht. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr wohnte er in Sao Paulo, ehe die Familie nach Deutschland übersiedelte. So war das WM-Finale 2002 zwischen Brasilien und Deutschland „aus familiären Gründen“ etwas ganz Besonderes.

Dabei hat er als Endspielkommentator schon vorher deutsche Fußball-Geschichte hautnah miterlebt – als Oliver Bierhoff bei der EM 1996 mit seinem Golden Goal dem DFB-Team den Titel sicherte. 2004 und 2012 war Rethy ebenfalls bei EM-Finals im Einsatz. „Ein WM-Finale ist natürlich immer etwas Besonderes, ein drittes natürlich erst recht. Sechs Finals zusammen mit den EM-Turnieren – das liegt vor allem an meinem Alter“, witzelt er.

Der Reporter, der sich für die Initiative „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ als Botschafter engagiert, weiß aber aus eigener Erfahrung, dass seine Kommentare nicht von allen Zuschauern positiv aufgenommen werden. Die sozialen Medien sind für ihn „aber kein Thema“, Rethy verweist auf sein Alter und sagt, dass er keinen Zugang dazu habe. Doch auch er war „erschüttert“, als seine ZDF-Kollegin Claudia Neumann schlimmste Verunglimpfungen bei der WM über sich ergehen lassen musste.

Der 54-Jährigen habe er gesagt, „dass diese Aussagen keine Bedeutung haben“, so Rethy, „denn sie geben nicht die Mehrheit der Meinung in der Bevölkerung wieder, und sie haben mit dem wahren Leben nichts zu tun. Es ist eine Minderheit, die zwar sehr laut ist, aber letztendlich keine Bedeutung hat, auch wenn es für den Betroffenen natürlich sehr übel ist.“ (sid)