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Donnerstag, 07.03.2013

Verkehrsmuseum muss für Rüstkammer Platz machen

Das Residenzschloss wächst bis ans Johanneum heran. Mittelfristig sollen alle Fahrzeuge Kunstschätzen weichen.

Für die Schifffahrtsschau würde der Direktor des Verkehrsmuseums, Joachim Breuninger, neue Flächen finden. Ganz vom Neumarkt weg will er aber nicht. Foto: André Wirsig
Für die Schifffahrtsschau würde der Direktor des Verkehrsmuseums, Joachim Breuninger, neue Flächen finden. Ganz vom Neumarkt weg will er aber nicht. Foto: André Wirsig

Gewehre statt Schiffe – das ist der Plan des Freistaats für das Johanneum am Neumarkt. So muss das Verkehrsmuseum einen Teil seiner Ausstellungsflächen im sogenannten Langen Gang räumen. Am Stallhof soll als nächster Bauabschnitt des Residenzschlosses der Georgenbau entstehen, zu dem dann auch dieser historische Gang gehören wird. Heute sind dort die Schifffahrtsschau des Verkehrsmuseums sowie die Bibliothek des Hauses untergebracht. Die Staatlichen Kunstsammlungen wollen im Georgenbau neben den historischen Fürstengemächern auch die Wettiner Gewehrgalerie einrichten, die an ihren originalen Standort zurückkehren soll, wie die Sprecherin des Kunstministeriums, Annett Hofmann, erläutert.

Kulturbürgermeister Ralf Lunau schlägt nun Alarm, denn er bangt um die Zukunft des gesamten Verkehrsmuseums. Er beruft sich dabei auf Verträge aus dem Jahr 2005. Damals wurde der Betrieb des Verkehrsmuseums vom Freistaat an die Stadt übergeben, das Johanneum gehört weiter dem Land. Dabei wurde vereinbart, dass der Lange Gang Ende 2015 zu räumen sei, sagt Museumsdirektor Joachim Breuninger. Sein Vorschlag: Die bisher ebenfalls am Neumarkt untergebrachten Werkstätten des Museums ziehen in das Depot an der Zwickauer Straße. Dafür könne die Schifffahrtsausstellung auf diesen nahezu gleich großen Flächen untergebracht werden. Kostenpunkt für den Umbau: 1,5 Millionen Euro. „Die Investition hat allerdings nur Sinn, wenn wir nicht 2020 aus dem Johanneum ganz ausziehen müssen.“

Das ist Teil des Landesmuseumskonzepts. Darin sieht das Kunstministerium nach 2020 eine Nutzung des gesamten Verkehrsmuseums als Ausstellungsfläche für seine Kunstsammlungen vor. Ministeriumssprecherin Hofmann versucht, die Sorge des Museums zu mildern. „Niemand muss Angst haben, dass das Verkehrsmuseum 2020 aus dem Johanneum ausziehen muss. Es geht darum, dass geplant ist, dann eine Vision zu entwickeln.“ Es gebe noch keine konkreten Pläne. Allerdings bekräftigte sie, dass das Verkehrsmuseum perspektivisch den attraktiven Standort am Neumarkt räumen soll. „Das ist der Stadt aber seit 2005 bekannt. Wir sind darüber in konstruktiven Gesprächen und sehen keinen Konflikt, denn es sind bis mindestens 2022 noch zehn Jahre Zeit, Alternativen zu schaffen.“

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Auch für Museumsdirektor Breuninger ist die Absicht nicht neu, aber er hegt andere Hoffnungen. „Wir wollen am Neumarkt bleiben. Das Verkehrsmuseum ist der einzige Grund, warum Dresdner an den Neumarkt kommen.“ Das belegen seine Besucherzahlen, denn knapp zwei Drittel der Gäste kommen aus Dresden und dem Umland. Der Rest sind Touristen. Breuninger verweist auf die Erfolge des Verkehrsmuseums. 2012 gab es einen Besucherrekord mit 224.000 Gästen, 60 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Es gehe für ihn auch um die Mischung der Museumslandschaft im Stadtzentrum. „Wenn das Verkehrsmuseum weichen muss, haben sie thematisch nur noch Kunstgeschichte im Zentrum. Aber Sachsen ist auch das Land der Ingenieure, genau unser Thema.“

Als Alternative ist seit Langem das Areal des alten Leipziger Bahnhofs im Gespräch. Doch dort will sich schon bald mit Globus ein großer Supermarkt ansiedeln. Insofern wird die Entscheidung über die Zukunft des Verkehrsmuseums plötzlich doch eilig. Museumschef Breuninger glaubt nicht an einen Museumsneubau. „Das wäre nach Kulturpalast und Kulturkraftwerk ein drittes Kulturgroßbauprojekt. Mir fehlt dafür die Fantasie, wer das bezahlen soll.“

Im Kulturausschuss bekannten sich die Stadträte zum Verkehrsmuseum und erwarten Ergebnisse der Verhandlungen zwischen Stadt und Land. Diese seien auch absehbar, sagt Stadtsprecher Kai Schulz. Die Oberbürgermeisterin sei deshalb von den Warnungen ihres Kulturbürgermeisters irritiert. Land und Stadt stellen das Museum nicht infrage. Gestritten wird um den Standort und ums Geld.

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