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Montag, 17.09.2018

„Vater war mein strengster Trainer“

Horst Rau Junior war einst höherklassig im Fußball aktiv. Doch nun haben Beruf und Familie für ihn Priorität.

Von Jens Jahn

Der Striesener Kapitän Horst Rau (vorn) im Zweikampf mit Richard Schöne (2.v.l.) vom SC Borea Dresden.
Der Striesener Kapitän Horst Rau (vorn) im Zweikampf mit Richard Schöne (2.v.l.) vom SC Borea Dresden.

© kairospress

Dass Horst Rau junior der Fußball in die Wiege gelegt wurde, muss man nicht anzweifeln, auch wenn es sich wie eine der üblichen Phrasen anhört. Sein Vater Horst bestritt 13 Europapokalspiele für Dynamo Dresden. Auch als Trainer feierte der Senior große Erfolge. Im Geburtsjahr seines Sohnes führte er als Trainer Fortschritt Bischofswerda erstmals in die DDR-Oberliga.

Beste Voraussetzungen also für Horst jun., um in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Der gebürtige Freitaler begleitete seinen Papa schon im frühen Kindesalter auf die Bolzplätze. „Wir wohnten damals etwas ab vom Schuss in Kleincarsdorf. Also spielte ich auch immer in dem Verein, in dem mein Vater gerade als Trainer aktiv war“, erklärt der Sohnemann. So lief er als Jugendlicher für Dynamo Dresden, den Radebeuler BC oder für Budissa Bautzen auf. In Bautzen stand er sogar direkt unter den Fittichen seines Vaters. „Auch wenn ich als Kind oder als Teenie manchmal geflucht habe, so darf ich heute sagen, dass mein Vater mein strengster, aber auch bester Trainer war. Ich musste immer zehn Prozent mehr als die Mitspieler bringen, damit ich auflaufen durfte. Ich bin sehr stolz auf diese Ausbildung“, sagt er.

Nach Abschluss seines Bankwirtschaftsstudiums mit Diplom ging er nach Halberstadt, später nach Auerbach. Er kam 137-mal in der Regionalliga und der Oberliga zum Einsatz. Von da aus ging der 1,94 m große Allrounder zum Heidenauer SV und landete schließlich 2016 bei der SG Striesen. Für Insider war der Wechsel zum damaligen Stadtoberligisten eine Überraschung, für Horst jun. logisch: „Es gab mehrere Gründe für einen Wechsel. Zum einen wohne ich unweit des Sportplatzes. Außerdem arbeite ich im Stadtplanungsamt Dresden. Familie und Beruf kann ich so sehr gut mit dem Fußball verbinden. Meine Frau Anna hat viel Verständnis für meine Leidenschaft. Da bin ich sehr dankbar.“ Er ist mittlerweile verheiratet und Töchterchen Clara inzwischen fünf Jahre alt.

Für Schönfeld die Bälle geholt

Hinzu kommt, dass man in Striesen etwas bewegen wollte. In der Saison 2016/17 wurde die erste Männermannschaft Stadtpokalsieger und erkämpfte sich den Aufstieg in die Landesklasse. „Die Herausforderung reizte mich. Es ist eine gute Truppe, es soll längerfristig etwas aufgebaut werden“, betont er. In der vergangenen Saison belegte die SG als Aufsteiger einen guten fünften Platz, und hatte die beste Abwehr der Staffel, auch ein Verdienst von Innenverteidiger Horst Rau: „Ich habe früher auch auf anderen Positionen gespielt. Übrigens habe ich bei Dynamo als Achtjähriger für meinen heutigen Co-Trainer Sascha Schönfeld die Bälle geholt.“

Am vorherigen Wochenende beim Landespokal-Erfolg gegen den VfL Pirna-Copitz zeigte Rau eine äußerst faire Geste. Beim Stand von 2:2 gegen den Landesligisten entschied der Schiedsrichter nach einem Rempler an Rau auf Elfmeter. Horst ging zum Spielleiter und erklärte, dass es kein Foul vom Gegner war. Daraufhin nahm der Schiri seine Entscheidung zurück. „Fairness gehört in unserem Sport dazu. Ich bin dazu erzogen worden und möchte da auch Vorbild für die jungen Spieler sein“, erläutert der 31-jährige Kapitän.

Ein Waisenknabe ist er dennoch nicht – knüppelharte Zweikämpfe und Gelbe Karten gehören für ihn dazu. Schließlich zählt auch der Erfolg. Den möchte Rau in jedem Spiel haben. Wenig Freude macht ihm aber momentan die Nachwuchsentwicklung im Verein. Die A-Jugend hat ihren Rückzug angemeldet. „Das ist kein gutes Zeichen. Dabei spielen in unserem Team einige, die aus der eigenen A-Jugend stammen. Da muss etwas getan werden“, fordert Rau, der sich auch eine Trainertätigkeit bei der F- oder E-Jugend vorstellen könnte.

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