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Donnerstag, 07.12.2006

US-Fonds steigt bei Fahrradhersteller MIFA ein

Sangerhausen - Die US-Fondsgesellschaft Lone Star steigt beim börsennotierten Fahrradhersteller MIFA ein. Die US-Firma übernehme zwei Millionen MIFA-Aktien - entsprechend 25 Prozent des Kapitals - im Wert von acht Millionen Euro, teilte die MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG (Sangerhausen/Sachsen-Anhalt) am Donnerstag mit. Im Gegenzug erhalte MIFA, einer der größten Fahrradhersteller Deutschlands, sämtliche Lagerbestände, Vorräte sowie Kundenverträge der Biria-Gruppe, die über zwei Fahrrad-Werke in Ostdeutschland verfügt. Das Biria-Werk in Neukirch (Lausitz/Sachsen) mit 250 Beschäftigten wird von Lone Star zum Jahresende stillgelegt.

Die Produktion des Biria-Werks in Nordhausen (Thüringen) mit 140 Beschäftigten wird von der MIFA nach eigenen Angaben vorerst weitergeführt. Lone Star hatte erst im vergangenen Jahr die Werke der Biria-Gruppe vom Alleinaktionär Mehdi Biria übernommen. Dieser hatte sie aus Altersgründen verkauft. Die Firma habe damals schon in einer Krise gesteckt, sagte Biria-Geschäftsführer Marcus Brüning. In diesem Jahr sei viel Geld verbrannt worden, ohne das das angeschlagene Unternehmen aus der Krise gekommen wäre. Zahlen nannte er nicht.

Wirtschaftsminister Jurk spricht von "Heuschrecken-Entscheidung"

„Wir sind geschockt“, sagte der Biria-Werksleiter in Neukirch, Karl-Heinz John. Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk kritisierte die Stilllegung und sprach von einer „Heuschrecken-Entscheidung“. Der Freistaat habe das Unternehmen maßgeblich unterstützt, um die Arbeitsplätze in der Region zu erhalten. Brüning versprach Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan. Jurk bot seine Unterstützung an. Die Fahrradproduktion in der Lausitz hatte Tradition. In einem Teilbetrieb des Landmaschinenkombinates „Fortschritt“ Neustadt wurden bereits zu DDR-Zeiten jährlich 10.000 Kinderfahrräder montiert. 1990 erwarb der in Heidelberg lebende iranische Radfabrikant Biria das Unternehmen.

Biria mit einer jährlichen Produktion von rund einer halben Million Fahrräder sei einer der Hauptkonkurrenten von MIFA gewesen, sagte ein MIFA-Sprecher. Mit der Übernahme der Lagerbestände und Kundenverträge eröffneten sich nun neue Wachstumschancen für MIFA. Biria produzierte unter anderem Spezialräder für die Post.

Das Unternehmen in Sangerhausen, das seit Mai 2004 an der Frankfurter Aktienbörse notiert ist, hat in diesem Jahr bisher weniger Zweiräder verkauft als im Vorjahr. In den ersten neun Monaten sank der Absatz um 25.000 auf 581.000 Fahrräder. Der Umsatz des Unternehmens mit rund 500 Beschäftigten verringerte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,7 Prozent auf 69,1 Millionen Euro. 2005 erzielte MIFA einen Umsatz von 86,72 Millionen Euro. (dpa)