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Donnerstag, 12.07.2018 WM-Kolumne „Sdrasdwuitje!“

Und wo ist Putin?

Das russische Sommermärchen bringt Vorurteile ins Wanken. War alles ein Missverständnis?

Von Heinrich Löbbers

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© [M] Federico Gambarini/dpa/SZ

Die Russen müssen da was missverstanden haben. Vor Kurzem hatte ich hier an dieser Stelle angeregt, mehr Spielern Tiernamen zu geben. Wie einst dem Terrier Berti Vogts, Sie wissen schon. Und was machen sie in Moskau? Geben einem Tier einen Spielernamen. Ein Steppenadler im dortigen Zoo heißt jetzt wie der Torwart ihrer Nationalmannschaft: Akinfejew.

Apropos Missverständnis. Hatten wir nicht vor der WM alle gelernt, wie furchteinflößend und spaßbefreit dieses böse Russland sei, eine korrupte Doping-Diktatur. War es nicht fast schon ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, dort als Fußballer überhaupt anzutreten? Wer nur überlegte, als Gast anzureisen, war schon suspekt. Aber jetzt: alle jubeln, alle feiern, alle haben Spaß und schwärmen von der Gastfreundschaft. Die Propagandaschlacht ist zum Sommermärchen geworden.

Fröhliche Fangesänge übertönen die Stimmen der Kritiker. Man sieht Popstars wie Robbie Williams und Mick Jagger, Majestäten wie das belgische Königspaar Philippe und Mathilde oder sogar westeuropäische Präsidenten wie Emmanuel Macron.

Nur einen sieht man nicht: den russischen Präsidenten. Nun gut, Lothar Matthäus hat ihn mit anderen Fußballlegenden bei einem Dinner im Kreml getroffen und dort geschwärmt, dies sei einer der besten World Cups, die er in 40 Jahren gesehen habe. Für so viel Russen-Lob gab es natürlich gleich Ärger daheim.

Doch der Rest der Welt fragt sich: Wo ist Putin? Interessiert er sich etwa gar nicht für Fußball? Guckt er daheim am Fernseher und genießt still und leise, dass sein Plan aufgeht? Stattdessen sitzt im Stadion immer dieser glatzköpfige Infantino neben den VIPs. Als ob der weniger dubios wäre.

Der heckt doch was aus, der Putin. Spätestens beim Finale wird er sich wohl noch mal zeigen müssen. Zur Abschlussfeier soll er angeblich ins Stadion einreiten – nackt auf einem Tiger. Hab‘ ich gehört. Oder habe diesmal ich etwas missverstanden?

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Laubenpieper

    Ihr Beitrag ist KLASSE!!!!! Was da wohl die Miesmacher und Bedenkenträger sagen?

  2. Mal eine Anmerkung

    Sehr guter und der Wahrheit entsprechender Kommentar.Da werden zb. eine EU -Grüne Frau Harms und ein EU CDU ler Herr Brock Schaum vor dem Mund haben. Alle "Prognosen " zb. dieser Hetzer gegen Russland sind nicht eingetreten.Warum wohl? Und auch ein Herr Hajo Seppelt "Dopingfahnder der ARD" im Auftrag der Politik ,sucht bestimmt noch Gläschen um den Russ.Team Doping nachzuweisen. Die Aussage eines Herrn CSU Stoiber in einer Talkshow zum sportlichen Erfolg der russ. Mannschaft(völlig bedeutungslos und in der Vorrunde kläglich raus),traf nicht ein. Ja man wird weiter suchen und hoffen ,das noch irgendwo ein Stuhl umfällt und einen ausländ.Fußballfan am Bein verletzt. Und wie klug und umsichtig ein Herr Putin ist,man möge doch von ihm halten was man will ,hat sich in seinem "Verhalten" während der WM gezeigt. Fazit ,die geistige Einsamkeit einiger deutscher Politiker im Zusammenhang mit der WM in Russland ,ist schon bedauernswert.

  3. Leser

    Endlich mal kein Russland-Bashing! Ein guter Artikel. Hauptsache es geht nicht noch los dieses Schlechtmachen! @2: Sie haben so recht!

  4. Bürger

    Russland ist eine korrupte Doping Diktatur. Oder haben Sie, Herr Löbbers, hierzu andere belastbare Erkenntnisse oder Beweise? Dass ein Diktator wie Putin seinen Vasallen (Bürger kann man die Russen nicht nennen, denn Ihnen fehlen die wesentlichen Bürgerrechte) ein bisschen Brot und Spiel gekauft hat, macht sein Regime nicht besser. Herzlichen Glückwunsch, dass sie als Mensch, der demokratische Freiheiten genießt, diese nicht allen Menschen des Planeten gönnt. Sie passen gut zu den vielen westdeutschen Journalisten, die Honecker vor der Wende auch zujubelten und schrieben, dass Menschenrechte und Menschenwürde nicht so wichtig wären. Damals wie heute armselig.

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