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Freitag, 11.05.2018

Umweltschule vor dem Aus

Zwei Gutachten haben ergeben, dass das Konzept nicht sinnvoll umgesetzt werden kann. Das hat nun Folgen.

Von Nora Domschke

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Blick auf das Gebäude der Natur- und Umweltschule  am Manfred-von-Ardenne-Ring.
Blick auf das Gebäude der Natur- und Umweltschule am Manfred-von-Ardenne-Ring.

© Archivbild: Sven Ellger

Das Sächsische Oberverwaltungsgericht hat jetzt entschieden, dass die Grundschule der Natur- und Umweltschule Dresden keinen Anspruch auf eine Genehmigung hat. Damit wurde die Klage des Schulträgers, dem Verbund Sozialpädagogischer Projekte, in zweiter Instanz abgewiesen. Dabei hatte das Verwaltungsgericht Dresden die Schule 2015 noch für genehmigungsfähig erklärt und das Landesamt für Schule und Bildung damit dazu verpflichtet, über den Genehmigungsantrag neu zu entscheiden. Dagegen hatte das Landesamt allerdings Berufung eingelegt und nun recht bekommen.

Hintergrund ist der Streit darum, ob die Natur- und Umweltschule ein besonderes pädagogisches Konzept vorweisen kann. Bei weiterführenden Schulen spielt das keine Rolle, wohl aber bei Grundschulen, denn das Grundgesetz geht davon aus, dass Kinder grundsätzlich auf eine öffentliche Grundschule zu gehen haben. Ausnahmen gibt es lediglich für Bekenntnis- oder Weltanschauungsschulen – oder eben Schulen mit besonderem pädagogischen Konzept.

Und genau das liege bei der Natur- und Umweltschule nicht vor, urteilte jetzt der zweite Senat des Oberverwaltungsgerichts in Bautzen. Aus folgendem Grund: Ein zentraler Punkt des Konzeptes ist es, die Kinder mindestens die Hälfte der Zeit im Freien oder außerhalb des Schulgebäudes am Manfred-von-Ardenne-Ring zu unterrichten. Dafür nutzen die Lehrer unter anderem den angrenzenden Wald. Allerdings haben zwei Gutachten ergeben, dass dieses Konzept nicht sinnvoll umgesetzt werden kann. Sowohl der Schulträger selbst als auch der Senat hatten Sachverständige damit beauftragt, das Konzept zu überprüfen – beide kamen zum gleichen Ergebnis. Damit fehle das besondere pädagogische Interesse am Konzept des Schulträgers, so die Begründung des Oberverwaltungsgerichts.

Die Revision beim Bundesverwaltungsgericht wird übrigens nicht zugelassen. Innerhalb eines Monats könne der Schulträger aber gegen die Nichtzulassung der Revision Beschwerde erheben. Weil die Schule seit einem Jahr kein Geld mehr bekommt und die finanziellen Mittel des Trägers ausgeschöpft sind, drängt aber die Zeit. Schulleiterin Julia Pörschke hatte sich zuletzt zuversichtlich gezeigt, dass das Urteil zugunsten ihrer Schule ausgeht. An diesem Freitag war sie für die SZ nicht zu erreichen.

Oliver Sicker ist Lehrer an der Natur- und Umweltschule und sagte gegenüber der SZ, dass er sich zum Gerichtsurteil und den damit verbundenen Folgen für Schüler und Lehrer nicht äußern wolle, weil das zunächst schulintern besprochen werden müsse. Ein Vater, der nicht namentlich genannt werden will, wusste zumindest, dass das Landesamt für Schule und Bildung signalisiert hat, dass dieses Schuljahr noch beendet werden dürfe. „Was danach passiert, ist unklar.“ Der Vater macht allerdings auch seiner Verärgerung Luft, dass bei allen Diskussionen rund um die Schule nicht beachtet werden würde, dass die Lehrer seit sieben Jahren gut und erfolgreich mit den Kindern arbeiten. Auch sei das ursprüngliche Konzept von 2011 drei Jahre später noch einmal überarbeitet worden. Er hoffe nun auf Unterstützung aus der Politik. An Anmeldungen jedenfalls mangelt es nicht, oft bewerben sich mehr Familien als Plätze zur Verfügung stehen. Anfang des Schuljahres kamen 17 Erstklässler dazu, derzeit lernen insgesamt 65 Schüler in der Einrichtung an der Dresdner Heide. Im Januar dieses Jahres wurde sie mit dem ersten Preis beim bundesweiten Schulwanderwettbewerb ausgezeichnet, den der Deutsche Wanderverband vergibt.

Auf den jahrelangen Streit um die Genehmigung hat das keinen Einfluss. Ebenso wenig sei es nun die Verpflichtung der Stadt, sich in den Konflikt einzumischen, sagt CDU-Stadträtin Heike Ahnert. „Wenn das Gericht jetzt so urteilt und die Genehmigung verweigert, wird es dafür Gründe geben“, meint die bildungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Zumindest habe sie die Information, dass die Schüler an anderen Schulen untergebracht werden sollen.

Das bestätigt auch SPD-Stadträtin Dana Frohwieser. Da sei die Stadt in der Pflicht, die Familien haben einen Anspruch auf einen Platz an einer staatlichen Schule. „Allerdings ist das für die Kinder natürlich sehr bedauerlich. Sie verlieren nicht nur ihren gewohnten Schulalltag, sondern auch Freunde.“ Denn sicherlich könnten nicht ganze Klassen an andere Schulen wechseln. Beim Platzproblem in den Grundschulen im Dresdner Norden werde es ohnehin schwierig, alle Kinder unterzubringen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. DDler

    Man kann zwar der Ansicht sein, daß Kinderbim Grundschulalter prinzipiell auf eine staatliche Schule gehen sollen. Aber hier müssen wir uns hinterfragen, ob wir mit unserem Bildungssystem (Schulformen, Unterrichtsformen, Lehrplan) noch für die zukünftigen Herausforderungen gerüstet sind. Das Lernen istbja bekantlich nicht mit dem Schulabschluß vorbei, sondern dauert ein Leben lang an. Übrigens beginnt dies auch nicht erst mit dem Schuleintritt, sondern frühkindliches Lernen darf nicht vernachlässigt werden. Ich drücke es mal frastischbaus: Beschäftigungstherapie im Kindergarten und anschließende Lernbulimie in der Schule müssen der Vergangenheit angehören. In der Reformpädagogik gibt es einige gute Konzepte, beginnend im Kindergrten. Wir müssen unseren Kindern vor allem das Lernen beibringen, sonst stumpfen sie ab, vereinfacht gesagt. Aus meiner Sichz ist die NUS dazu ein Versuch, hier vorwärts zubkommen und hat die staatliche Unterstützung dazu verdient.

  2. Sieghart Rauschenbach

    Es wäre schade, wenn der Freistaat mit dem Quasi.Verbot der Natur- und Umweltschule durchkommt. Aber klar, jede Schule in freier Trägerschaft stellt das aus dem vorletzten Jahrhundert stammende System der Einheitsschule und damit auch die von der Sächs. Bildungsagentur vertretenen Ansichten. Ursache ist u.a. ein Mangel an Vertrauen zu den Eltern. Wer wird es auf sich nehmen, sein Kind im grundschulalter auf eine entfernte Schule zu schicken, die auch noch Schulhgeld kostet, wenn es doch den bequemen Weg auf die wohnortnahe Schulbezirksgrundschule gibt? Grund kann doch nur sein, dass Eltern genau diese Schule für die Entwicklung ihres Kindes für förderlicher halten. Und das können Eltern viel besser beurteilen als die Bürokraten der SBA. Wenn der Staat seinen Bürgern so wenig vertraut, wen wundert es dann, dass das Vetrauen der Bürger in den Staat schwindet?

  3. für moderes Bildungswesen

    Sehr geehrter Herr Rauschenbach - das es im Bildungsystem nachholbedarf gibt ist eine Realität auch das das Bildungsystem in den Bundesländern Unterschiede hat ist nicht gut. Aber grundsätzlich gehört Bildung in die Hoheit des Staates. Bildung ist die Voraussetzung für eine funktionierende und sich ständig weiter entwickelnde Gesellschaft. Ein einheitliches und modernes Bildungssystem bietet die Basis für das Leben eines Menschen in der Gesellschaft. Ich kann nicht erkennen das der Staat der seinen Nachwuchs einheitlich bilden will kein Vertrauen zum Bürger hat. Einheitliches Bildunssystem sichert auch die Chancengleichheit. Eines aber ist klar wir brauchen eine radikale Erneuerung bezogen auf die sich verändernde Welt ,gut ausgebildete motivierte u.anständig bezahlte Lehrer.Modern ausgestattete Schulen sowie ein sinnvolles Freizeitangebot für unsere Jugend. Lernen soll Freude machen . Absolutes NEIN zu Privatschulen .

  4. I. Klose

    Sehr geehrte Nr. 3, Sie sagen "Lernen soll Freude machen". Genau deshalb schicken Eltern ihre Kinder auf freie Schulen! Dort gibt es Raum zum Forschen und Experimemtieren, zum Erarbeiten der eigenen Lösung für komplexe Themen oder Gelegenheit für Teamwork. Freie Schulen sind notwendig als gute Praxisbeispiele für Staatliche Schulen, hier kann auch mal was Neues ausprobiert werden. Die freien Schulen haben oft eine geringere Schülerzahl (NUS 64 Kinder, 103. und 15. GS je ca. 400 Kinder), da kann man viel leichter reagieren und korrigieren, vergleichbar mit der Wendischkeit eines Motorrades im Gegensatz zum LKW. Schulen und Lernmethoden entwickelt sich ständig weiter und freie Schulen sind dafür ein guter Motor! Sie sagen es selber, "grundsätzlich gehört Bildung in die Hände des Staates", aber eine gute Anzahl von Ausnahmen ist notwendig, sagen renomierte Erziehungswissenschaftler und das leuchtet wahrscheinlich auch jedem ein.

  5. I. Klose

    weiter zu Nr. 3: Was ich bei Ihnen heraushöre ist folgendes: Her mit der Einheitsschule, nieder mit Privatinititiven, alle Macht dem Staat, der kann es am besten! Wo ist nur unsere DDR? Da war es viel einfacher, alle bis zur 10. Klasse auf die POS, Einheitlichkeit über alles, also Abschaffung von Gymnasien und Oberschulen. Alle Menschen sind gleich, also nieder mit Individualität. Das wollen Sie nicht wirklich, oder? Wenn doch, dann verlegen Sie doch ihren Wohnsitz nach außerhalb von Deutschland, da gäbe es genügend Länder in denen Sie sich wohl fühlen würden.

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