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Samstag, 28.04.2018

Umsteigen aufs Dienstrad

Viele Arbeitgeber leasen für ihre Mitarbeiter Zweiräder. In Sachsen sind das mehr als 500 Unternehmen.

Von Alexia Angelopoulou

Per Rad zur Arbeit: Viele Firmen unterstützen ihre Mitarbeiter inzwischen dabei. | Foto: dpa/Sina Schuldt
Per Rad zur Arbeit: Viele Firmen unterstützen ihre Mitarbeiter inzwischen dabei. | Foto: dpa/Sina Schuldt

Ernst schaut der bärtige Mann mit Hut in die Kamera, die Hände auf dem Lenker eines nagelneuen Fahrrads. Auf sein Dienstfahrrad war Robert Bosch so stolz, dass die Fotografie 1890 seine Visitenkarte zierte. Fast 130 Jahre später setzt der Konzern wieder aufs Dienstrad: Seit Februar können die bundesweit rund 100 000 Mitarbeiter von Bosch Fahrräder, Pedelecs und E-Räder günstig über das Unternehmen leasen. Möglich ist das auch in vielen anderen Firmen.

Bundesweit dürfte es mehr als 200.000 geleaste Diensträder geben, schätzt Ulrich Prediger, der vor zehn Jahren den Freiburger Leasing-Anbieter Job-Rad gegründet hat. Das Konzept: Der Arbeitgeber least das Job-Rad und überlässt es dem Mitarbeiter zur freien Nutzung. Im Gegenzug behält er einen kleinen Teil des Bruttogehaltes des Arbeitnehmers ein und bedient damit die Leasingrate. Weil dadurch das zu versteuernde Einkommen sinkt, müssen sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer weniger Abgaben leisten. Am Ende des Leasingvertrags haben die Beschäftigten die Möglichkeit, das Fahrrad zu einem günstigen Gebrauchtpreis zu übernehmen.

Auf Initiative von Prediger und anderen Mitstreitern weiteten die deutschen Finanzbehörden im Herbst 2012 die Steuervorteile von Autos auch auf Fahrräder, Pedelecs und E-Bikes aus. Zu Job-Rad-Kunden gehören Großkonzerne und Tausende kleinere Firmen, darunter Arztpraxen, Werbeagenturen und mittelständische Produktionsbetriebe. Bei der Deutschen Bahn haben in den letzten eineinhalb Jahren 10 000 Mitarbeiter ein Firmenrad bestellt. „Es spart Geld, ist gut für die Umwelt und die persönliche Fitness“, sagt Sprecher Matthias Waha. Laut Job-Rad-Sprecherin Annette Treu bieten bereits über 500 Firmen im Osten Deutschlands Job-Räder an.

Der Dresdner Onlinehändler Frank Lotzmann hat für seine zehn Mitarbeiter von Banjado acht Räder vom Fachhändler Stephan Herbst gekauft – einer von 200 aus Sachsen und 4.500 deutschlandweit, mit denen Job-Rad kooperiert. Ein Beispiel von Händler Herbst: „Für ein 1.000-Euro-Rad zahlt ein Mitarbeiter der Firma, die Job-Rad anbietet, nach 36 Monaten 797,76 Euro von seinem Nettolohn.“ „Wir rechnen ein Prozent des Rad-Neupreises über den Brutto-Lohn der Mitarbeiter für die monatliche Leasingrate ab“, ergänzt Lotzmann.

Auch der ASB Ortsverband Chemnitz und Umgebung mit 500 Mitarbeitern nutzt Job-Rad. „Wir suchen immer nach Wegen, um die Mitarbeiter an uns zu binden“, sagt Geschäftsführerin Christine Rummer. 44 Mitarbeiter würden zu günstigen Konditionen radeln. Die Nachfrage steige.

Die Unternehmen kostet das Angebot meist nichts. Der administrative Aufwand muss aber organisiert werden. Hier kommen neben Job-Rad Leasingfirmen wie der Münchener Anbieter Company Bike Solutions oder die Kölner Eurorad ins Spiel. „Ziel ist es, die Administration für den Arbeitgeber so gering wie möglich zu halten“, sagt Prediger. Gesundheit und Luftqualität sind weitere Argumente für das Dienstrad als Alternative zum Auto. (dpa/rnw/gfl)