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Freitag, 17.04.2015

Ukrainische Nationalisten bekennen sich zu politischen Morden in Kiew

Extremisten übernehmen die Verantwortung für die jüngsten politischen Morde in Kiew und drohen mit weiteren Bluttaten an „Volksfeinden“. Der Hintergrund ist unklar. Aber die Verbrechen säen weiteren Hass.

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Ukrainische Polizisten am Ort der Ermordung des Journalisten Oles Buzina in Kiew am 16. April. Buzina wurde offenbar seine pro-russische Haltung zum Verhängnis - jetzt hat sich eine extremistische nationalistische Gruppe zu der Bluttat bekannt.
Ukrainische Polizisten am Ort der Ermordung des Journalisten Oles Buzina in Kiew am 16. April. Buzina wurde offenbar seine pro-russische Haltung zum Verhängnis - jetzt hat sich eine extremistische nationalistische Gruppe zu der Bluttat bekannt.

© dpa

Kiew. Nach den Morden an zwei bekannten Regierungskritikern in der Ukraine hat sich eine nationalistische Gruppe namens Ukrainische Aufständische Armee (UPA) zu diesen und anderen Attentaten bekannt.

In E-Mails an den Oppositionsblock im Parlament und den bekannten Politologen Wladimir Fessenko drohte die Organisation damit, weitere „antiukrainische“ Personen zu töten, sollten diese nicht das Land innerhalb von 72 Stunden verlassen. „Die Zeit des Volkszorns ist gekommen“, heißt es in der Mitteilung. Das Ultimatum läuft demnach am Montagabend aus. Der Regierungsbeamte Anton Geraschtschenko vom Innenministerium in Kiew bezeichnete die Absender unterdessen als „Psychopathen“.

In Kiew ist die Meinung verbreitet, dass Russland die Morde an dem Publizisten Oles Busina und dem Ex-Abgeordneten Oleg Kalaschnikow initiiert hat. Die Verbrechen sollen demnach die Gesellschaft in dem von einer Wirtschaftskrise und einem Krieg gegen Separatisten erschütterten Land weiter spalten. Das russische Außenministerium wies solche Vorwürfe am Freitag empört zurück. Sollte die Ukraine die Bluttaten nicht schnell und lückenlos aufklären, drohe dem Land eine langfristige Destabilisierung und „politischer Terror“, hieß es.

Auch die Vereinten Nationen forderten eine völlige Aufklärung. Die Verbrechen seien beunruhigend, sagte eine Sprecherin des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, in Genf. Nötig seien eine „schnelle, unabhängige und glaubwürdige Untersuchung“ sowie die Bestrafung der Verantwortlichen. Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow kündigte eine „intensive Untersuchung“ an.

In dem angeblichen Bekennerschreiben drohen die Verfasser mit der „vollständigen Ausrottung“ der Feinde der Ukraine. „Wir entfalten einen gnadenlosen aufständischen Kampf gegen das antiukrainische Regime der Verräter und Moskauer Speichellecker“, heißt es etwa. Der Name Ukrainische Aufständische Armee spielt auf eine nationalistische westukrainische Partisanenorganisation während und nach dem Zweiten Weltkrieg an. Die Mitglieder waren für Massaker an Polen und Juden 1943 in Wolhynien verantwortlich. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 13 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Geri

    Wo bleibt der Aufschrei der Kanzlerin, unseres Herrn Präsidenten usw. Berichtet wurde gestern im ZDF von 5 Morden in den letzen zwei Wochen, auch an Journalisten. Nun aber schnell Sanktionen gegen das Regime in Kiew beschließen! Und übrigens: Niemand hat die Absicht, Nazis in der Ukraine zu unterstützen (direkt oder indirekt)!

  2. Jörg

    @1, dem ist nichts hinzufügen. Danke. Politik verlogen bis ins Mark.

  3. Martin H.

    @1: Ganz ruhig Geri. Bei den Morden an Nemzow, Poltikowskaja, Estemirowa, Markelow, Barburowa, Litwinenko, Klebnikow, Juschenkow sind Sie doch auch ruhig geblieben. Die sind in Ihrem Sehnsuchtsland Russland umgebracht worden. Sie werden als ungeklärte Politische Morde neben weiteren 19 Journalisten seit 2000, der Amtsübernahme ihres Helden Putin, geführt. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Es gibt halt nicht überall ein Tschetschenien, wo man nach 24 Stunden eine arme Sau als Mörder präsentieren kann. Da muss die UA erst noch von RU lernen.

  4. RU

    Sanktionen gegen Kiew? Und erst ein Aufschrei von Kanzlerin, Präsident usw., das geht doch nicht! Ob nun 2 oder 5 Morde in den letzten 2 Wochen, das sind doch nur ganz kleine Kollateralschäden, die beim Weg in die Freiheit doch mal passieren können, noch dazu bei unverbesserlichen Nörglern. Wenn jetzt der Volkszorn losbricht, dann sollte sich Obama schon fragen, ob die 5 Milliarden Dollar für den ukrainischen Freiheitskampf vielleicht doch zu wenig waren. Und erst unsere Kanzlerin mit ihrer Zusage von schäbigen 500 Millionen Euro für Jascenjuk sollte sich schämen. Mit solch mickriger Unterstützung kann ein Arsen Awakow selbst beim besten Willen keine "intensive Untersuchung" durchführen. Das hat er schon mehrfach nachgewiesen.

  5. Rob

    Diese UPA-Geschichte klingt ganz schön dick aufgetragen. Und Herrn Putin kommen diese Mordfälle auch sehr gelegen, legen sie doch hervorragend von den politischen Morden im eigenen Land ab - zuletzt an einem seiner ärgsten Widersacher, Boris Nemzow. Um deren umfassende Aufklärung sollte er sich mal vorrangig kümmern! Nichtsdestotrotz müssen auch diese zwei Mordfälle in der Ukraine schnell und korrekt aufgeklärt werden. Und zwar ohne, dass Putin zehntausende "Freiwillige" oder "Urlauber" zur "Tatortsicherung" entsendet..

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