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Montag, 02.07.2018

TV-Promi sammelt für Lifeline-Kapitän

Das Rettungsschiff „Lifeline“ liegt mit leerem Tank in Valletta und Kapitän Claus-Peter Reisch bereitet sich auf den Gerichts-Termin vor. Da mobilisiert eine Fernseh-Größe seine Fans zum Spenden. Mit Erfolg.

Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch im Gespräch an Bord des Schiffes.
Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch im Gespräch an Bord des Schiffes.

© Axel Steier / Mission Lifeline / dpa

Valletta. Der deutsche Kapitän des Rettungsschiffs "Lifeline" soll auf Malta am Montagmorgen vor Gericht gestellt werden. Claus-Peter Reisch werden Verfehlungen im Zusammenhang mit der Registrierung des Schiffes vorgeworfen, wie der maltesische Rechtsbeistand Neil Falzon der Dresdner Organisation Mission Lifeline am Donnerstag mitteilte. Gerichtstermin sei am Montag.

Ankunft der Lifeline im Hafen

Ein Rechtsbeistand koste Geld und ein richtig guter Anwalt sei eben „scheiße teuer“ sagt TV-Satiriker Jan Böhmermann in einem Video und bittet seine Fangemeinde zum Spenden für die Besatzung der „Lifeline“, die das Geld jetzt dringend nötig hätte. Das Enfant terrible des deutschen Fernsehens sitzt in dem Video auf der Wiese vor dem amerikanischen Capitol in Washington und erklärt den Zusammenhang zwischen teuren Anwälten und dem Erfolg vor Gericht. Auf dem Spendenportal „Leetchi“ läuft seine Sammlung unter dem Titel „Rechtskosten für die Lifeline-Besatzung“ und zählte am Montagvormittag bereits über 4 400 Teilnehmer die zu dem Zeitpunkt bereits mehr als 90 000 Euro für die Seenotretter überwiesen haben. Die Aktion läuft noch sieben Tage.

"Wir werden unser Möglichstes tun, um diese Sache aufzuklären und sicherzustellen, dass Hilfsorganisationen nicht zum Ziel werden, weil sie Menschen in Seenot retten", sagte Falzon. Ein Sprecher des Büros von Premier Joseph Muscat bestätigte die Vorwürfe, machte aber keine weiteren Angaben.

Das Schiff fährt nach Angaben der Dresdener Hilfsorganisation unter niederländischer Flagge, was die dortigen Behörden aber bestreiten. Das Schiff ist nur im Register des Wassersportverbandes eingetragen. „Fast drei jahrelang hat niemand daran Anstoß genommen“, sagt Ruben Neugebauer von der Hilfsorganisation Sea-Watch aus Berlin. Denn von 2015 bis 2017 habe die „Lifeline“ ja noch „Sea-Watch 2“ geheißen, sagt der private Seenotretter der ersten Stunde.

Das Schiff rettete Tausenden von Menschen das Leben, meldete den maltesischen Hafenbehörden bei jedem Ein- und Auslaufen die gültige Registrierung, zahlte in den Niederlanden regulär die notwendigen Gebühren für das Zertifikat. Nie habe sich jemand an der Registrierung gestört, doch plötzlich mache die Politik eine Riesenwelle deswegen.

Entsprechend sehen sich die Aktivisten nach dem Drama um das tagelang im Mittelmeer umherirrende Rettungsschiff als Opfer einer „Kriminalisierungskampagne“. „Wir werden zu Sündenböcken gemacht für eine gescheiterte Migrationspolitik auf europäischer Ebene“, sagte Sprecherin Marie Naass am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Berlin. Die Organisation weise alle Anschuldigungen europäischer Regierungen zurück. Die „Lifeline“ habe sich an alle internationalen Konventionen gehalten, so Naass.

Der Bundestagsabgeordnete André Hunko von der Linken verlas die Antwort auf seine kleine Anfrage im Bundestag bezüglich der Seenotrettung vor der libyschen Küste: Demnach erhält die libysche Küstenwache Gelder aus europäischen Fonds zum Aufbau einer eigenen Seenotrettungsleitstelle. Diese werde bereits provisorisch betrieben und befinde sich auf einem italienischen Schiff in einem libyschen Hafen. Vielleicht sorgte ja auch das für die Konfusion rund um die Bergung.

Johannes Bayer von der Hilfsorganisation Sea-Watch sagte, dass man hingegen nicht wisse, ob man Malta weiterhin als operative Basis nutzen könne, falls der Druck der europäischen Regierungen anhalten würde. Die Rettungsorganisation mit Sitz in Berlin hat ebenfalls Schiff samt Flugzeug im Hafen von Valletta stationiert und auch das Schiff der internationalen Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“, die Vos Prudence liegt in Malta vor Anker. Jüngst verwehrte die Insel-Regierung den Seenotrettern das Einlaufen der Aquarius zum Wechsel der Crew. Das Schiff musste nach Marseille ausweichen und verlor kostbare Zeit. Laut Regierung könnte so der zukünftige Umgang mit den privaten Seenotrettern aussehen.


Die Aquarius der Organisation Ärzte ohne Grenzen darf auch nicht mehr zum Crewwechsel in Malta einlaufen. / Foto dpa

Denn Malta will seine Gangart gegen Hilfsorganisationen auf dem Mittelmeer verschärfen. Dabei sollen die Häfen des Landes nicht mehr für alle NGOs zugängig sein.

Mit Blick auf die Ermittlungen im Fall der deutschen Organisation Mission Lifeline könne Malta "Einheiten, deren Struktur vielleicht dem Subjekt gleicht, gegen das ermittelt wird", nicht erlauben, die Häfen des Landes zu nutzen, hieß es in einer Mitteilung der Regierung am Donnerstagabend. Von einem pauschalen Hafenverbot für NGOs war darin nicht die Rede. Es gehe um Schiffe "mit einer Registrierung wie die Lifeline", erklärte ein Regierungssprecher.

Die Organisation Sea-Watch erklärte, bisher habe es keine offizielle Kommunikation zu einem möglichen Hafenverbot gegeben. Am Donnerstag hätte die Polizei an Bord der "Sea Watch 3" Papiere kontrolliert, und alles sei in Ordnung gewesen.

Die neue populistische Regierung in Italien will allen NGOs die Hafeneinfahrt nicht mehr erlauben und blockierte bereits mehrere Schiffe mit Migranten an Bord.


Auf einer Pressekonferenz in Berlin gaben die Sprecher diverser Rettungsorganisationen Auskunft zur „Lifeline“ und stellten Forderungen an die Politik: Luise Amtsberg (Bündnis90/Grüne/ l.), Marie Naass (Lifeline/Mitte) und Johannes Bayer (Sea-Watch/r.) / Foto: dpa

Marie Naass berichtete weiter, dass Crew und Kapitän in einem Hotel in Malta untergebracht seien. Es gebe noch Verhöre, aber man kooperiere vollumfänglich mit den Behörden in Malta und gebe alle gewünschten Informationen weiter. Es müsse intern besprochen werden, wie es dann weitergehe.

Zuvor hatten bereits die Vereinten Nationen die Europäische Union scharf kritisiert. Weil die EU politisch gelähmt sei, müssten Unschuldige leiden, monierten das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und die Internationale Organisation für Migration (IOM). Sie verlangten vor dem kommenden EU-Gipfel in Brüssel, dass die EU-Staaten schnellstens eine gemeinsame Lösung für die ganze Region finden, um weiteres unnötiges Sterben auf See zu verhindern. Derweil wurde der deutsche Kapitän des Rettungsschiffs „Lifeline“ nach der Ankunft in Malta von der Polizei befragt.

Die „Lifeline“ mit 230 Flüchtlingen an Bord hatte nach tagelanger Blockade am Mittwoch einen Hafen auf Malta angelaufen. Zuvor hatte das Schiff „Aquarius“ mit mehr als 600 Flüchtlingen an Bord nach tagelanger Irrfahrt schließlich in Spanien angelegt.

„In den vergangenen zehn Tagen konnten Schiffe mit Flüchtlingen im Mittelmeer wegen der politischen Lähmung in Europa nicht anlegen“, kritisierte Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi am Mittwochabend. „Es ist unabdingbar, dass die EU-Mitgliedsländer das Recht auf Asyl aufrechterhalten. Rettung zu verweigern oder die Verantwortung für Asyl auf andere abzuwälzen ist völlig inakzeptabel.“

Die EU müsse dafür sorgen, dass auf See gerettete Menschen an Land gehen könnten, „in der EU oder möglicherweise anderswo“, hieß es in der Stellungnahme. Das könnte darauf hindeuten, dass die UN-Organisationen möglicherweise auch Auffangeinrichtungen außerhalb der EU mittragen würden.

Während die anderen Crewmitglieder die „Lifeline“ nach ihrer sechs Tage langen Odyssee verlassen durften, wurde Kapitän Claus-Peter Reisch nach Befragung durch die Polizei wieder an Bord gebracht, wie die maltesische Regierung mitteilte. Bei dem Gespräch am Mittwoch habe es sich rein nur um das Klären von Formalitäten gehandelt, erklärte der juristische Vertreter des Vereins Mission Lifeline.

Am Donnerstag erfolgte eine weitere Befragung auf dem Polizeirevier zu den konkreten Vorwürfen, sagte Axel Steier, Sprecher und Mitgründer des Vereins, der das Rettungsschiff betreibt. Und am Freitag dann erhielt Reisch die offizielle Vorladung für die Gerichtsverhandlung am Montag.

Der 57-jährige Kapitän und passionierte Segler stand schon mehrmals auf der Brücke der Sea-Eye von der gleichnamigen Hilfsorganisation aus Regensbrg und steuerte das Boot bisher unbehelligt in den Hafen von Valletta. Er überführte die Lifeline von der Werft in Sizilien zurück nach Malta und als die Lifeline einen Kapitän für die erste Mission im Jahr 2018 brauchte, bot sich der Routinier an. In seiner Freizeit. Und jetzt sitzt er auf der Insel fest. Zusammen mit der Lifeline.

Nach der Ankunft des Schifes am Mittwochabend nahm medizinisches Personal die 234 Migranten in Empfang und untersuchte die aus Afrika kommenden Menschen. Sechs der Flüchtlinge, darunter drei Babys, kamen in ein Krankenhaus der Hauptstadt. Wann die Flüchtlinge in die neun zur Aufnahme bereiten europäischen Länder weiterreisen, war am Donnerstagmorgen noch nicht bekannt. Am Mittwoch brachten Busse der Polizei die Ankömmlinge zu diversen Unterkünften.

Dem Kapitän wird vorgeworfen, die Anweisungen der italienischen Behörden bei der Rettung der Migranten vor Libyen ignoriert zu haben. Die Regierung in Rom hatte nach eigenen Angaben die Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline angewiesen, der libyschen Küstenwache die Bergung zu überlassen. Er soll am Montag auf Malta vor Gericht gestellt werden. Nach Darstellung der Helfer kam die Küstenwache den Menschen in Seenot aber nicht schnell genug zu Hilfe. Maltas Premierminister Joseph Muscat hatte ursprünglich angekündigt, dass die „Lifeline“ nach Ankunft an der Inselküste beschlagnahmt werden soll.

Ein Grund für die Maßnahme ist der Streit um die Flagge: Lifeline sagt, es fahre unter niederländischer Flagge, doch die dortigen Behörden verneinen das. Muscat nannte das Schiff mit 17 deutschen Besatzungsmitgliedern daher „staatenlos“. Am Donnerstag sagte Steier, dass es noch nichts Neues zum Disput um die Rechtmäßigkeit der Flagge gebe. Angesprochen auf das Thema würden die Gesprächspartner eher mit dem Kopf schütteln und fragen, wo denn eigentlich das Problem läge. Doch dann folgte die Anklage gegen Kapitän Reisch.


Die Lifeline am Mittwochabend am Kai im Hafen von Valletta / Foto dpa

Mit Stand vom Donnerstag haben sich acht EU-Länder plus Norwegen bereit erklärt, Migranten von dem Schiff zu übernehmen. Die Bundesregierung sah sich bisher nicht in der Pflicht, obwohl fünf Bundesländer Hilfe angeboten haben: Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holtstein. Innenminister Horst Seehofer (CSU) nannte Bedingungen für eine mögliche Aufnahme. Eine Voraussetzung sei, dass das Schiff festgesetzt werde.

Mission-Lifeline-Sprecher Axel Steier erzählte bei der Ankunft der Migranten in Valletta, viele seien in Libyen gefoltert worden. Ein zweijähriges Kind sei alleine auf dem Schiff gewesen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist eine Schande, dass Deutschland nicht angeboten hat, eine paar Migranten zu übernehmen. Deutschland ist immer noch eines der reichsten Länder. Schade, dass deutsche Politiker rechten Strömungen in die Hände spielen.“ Als das Schiff anlegte, entfalteten rechte Aktivisten ein Banner mit der Forderung, Menschenschmuggel zu stoppen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte als Bedingung für die Aufnahme von Flüchtlingen zuvor am Rande der Regierungsgespräche gesagt, dass das Schiff festgesetzt werden müsse. Der Dresdner Verein Mission Lifeline antwortete Seehofer bereits mit einem offenen Brief.

Während der CSU-Vorsitzende die Seenotretter gerne in einem Atemzug mit den libyschen Schleusern nennt, ehrte seine Parteifreundin und Ministerkollegin Dorothee Bär am Donnerstag eine der angegriffenen Organisationen: Beim Smart Hero Award kürte eine Jury die NGO aus Regensburg zum Gewinner in der Kategorie „Zusammen Chancen schaffen". Die Seenotretter hatten schon vor der Entscheidung angesagt, dass sie den Preis mit dem Verein Mission Lifeline teilen werden. Das Preisgeld für die Erstplatzierten beträgt in diesem Jahr 10000 Euro. Den Smart Hero Award verleihen die Stiftung Digitale Chancen und Facebook in vier Kategorien. Zusätzlich gibt es noch ein Publikums-Votum.

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer äußerte sich ähnlich wie Seehofer. Sie sei froh, dass sich mehrere europäische Staaten bereiterklärt hätten, diese Menschen aufzunehmen, sagte die Politikerin dem Nachrichtensender „Welt“. „Ich glaube, dass Deutschland keinen Nachholbedarf an humanitärer Bereitschaft hat. Insofern sehe ich uns hier nicht an allererster Stelle gefordert.“

Die sächsischen Grünen haben am Donnerstag die Landesregierung aufgefordert, Flüchtlinge des in Malta liegenden Rettungsboots "Lifeline" aufzunehmen. "Es ist nicht nur unsere humanitäre Pflicht, sondern auch unsere moralische Verantwortung jetzt den Zufluchtssuchenden einen Schutzort zu geben", sagte Christin Melcher, Landesvorstandssprecherin von den Grünen am Donnerstag. Die sächsischen Linken hatten eine ähnliche Forderung am Mittwoch gestellt.

Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte sich allerdings schon am Mittwoch indirekt gegen eine Aufnahme von Flüchtlingen positioniert: „Ich bin froh, dass die schwierige humanitäre Situation auf dem Schiff geklärt wurde. Solche Aktionen müssen in Zukunft unterbunden werden“, sagte er und weiter: „Irreguläre Migrationsströme in die EU müssen unterbunden werden. Europa muss bestimmen und die Kontrolle darüber haben, wer in die Europäische Union einreist. Ein wirksamer Schutz der EU-Außengrenze verlangt eine grundsätzliche Lösung für die Seenotrettung im Mittelmeer.“

So sieht sich der Dresdner Verein „Mission Lifeline" zum Beispiel im Recht, da er die Migranten konform mit internationalem Recht aus Seenot gerettet habe. Das Schiff sei korrekt beim holländischen Wassersportverband angemeldet, die juristische Verfolgung sei „Teil der Kriminalisierungskampagne“ gegen Nichtregierungsorganisationen, sagte Ruben Neugebauer von der Hilfsorganisation Sea-Watch, die die „Lifeline“ unterstützt. Falls der Kapitän oder Besatzungsmitglieder festgenommen werden sollten, sei das „ein Skandal“.

Die plötzliche Kritik am Status des Schiffs hat die Seenotretter überrascht. Immerhin kreuzt die „Lifeline“ schon seit über einem Jahr im Mittelmeer – ohne das es Probleme mit der Registrierung gegeben hätte. (szo/stb mit dpa)

Mitten in der Debatte um die Verbannung von privaten Seenotrettern sind möglicherweise wieder rund 100 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Ein Boot mit mehr als 100 Migranten an Bord sei vor der Küste Libyens gekentert, teilte die libysche Marine am Freitag mit. 14 Menschen seien gerettet worden.

Die Küstenwache barg nach eigenen Angaben zunächst drei tote Babys. Weitere Opfer hätten bislang nicht geborgen werden können, weil es dafür keine ausreichend großen Rettungsboote gebe.

"Es ist noch nicht klar, ob die 100 ertrunken sind", sagte der Sprecher der Marine der Deutschen Presse-Agentur. Wie viele Menschen genau an Bord waren, war unklar.

Die vergangene Woche ist laut Ärzte ohne Grenzen mit mindestens 220 Ertrunkenen die tödlichste im Mittelmeer in diesem Jahr gewesen - da war das neue Unglück noch nicht bekannt. Dies fällt direkt mit der Blockade privater Schiffen von Hilfsorganisationen auf dem zentralen Mittelmeer zusammen. Wochen, in denen viele Menschen auf der Flucht nur den Tod im Meer finden: "Europäische Grenzen geschlossen, NGO-Schiffe blockiert.

Die europäische Politik verdammt Menschen dazu, in Libyen gefangen zu bleiben oder zu ertrinken", schrieb Ärzte ohne Grenzen. In den Lagern, in denen viele Migranten im Bürgerkriegsland Libyen gefangen gehalten werden, sind sie laut Menschenrechtsorganisationen Folter, Vergewaltigungen und Versklavung ausgesetzt.

Trotz der Blockade nahm eine spanische Hilfsorganisation Dutzende Migranten aus dem Mittelmeer auf. Proactiva Open Arms habe 59 Flüchtlinge aus dem Meer an Bord und sei unterwegs zu einem sicheren Hafen, twitterte die Organisation am Samstag. Am Sonntag meldeten die Seenotretter, dass Barcelona die Einfahrt erlaubt und die Flüchtline auch aufnehmen werde. Die katalanische Hauptstadt hatte auch schon beim Disput um die Lifeline ihre Hilfe angeboten. Die Bürgermeisterin Barcelonas, Ada Colau, bedankte sich bei der Organisation via Twitter und erklärte, Barcelona erwarte das Schiff mit offenen Armen. Es sei gut, dass sich die Retter nicht der unmenschlichen und grausamen europäischen Politik ergeben hätten. Laut Zeitung "El País" könnte das Boot Barcelona am Mittwoch erreichen.

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega hatte zuvor umgehend erklärt, auch Proactiva könne "vergessen, in einem italienischen Hafen anzukommen". Das Schiff sei in libyschen Gewässern, der nächste Hafen sei Malta und es fahre unter spanischer Flagge. "Stopp der Menschenschmuggel-Mafia: Je weniger Menschen ablegen, desto weniger sterben." Italien will, dass die libysche Küstenwache die Migranten abfängt und zurück in das Bürgerkriegsland bringt.

Doch trotz aller Blockaden setzen sich weiter Migranten in die nicht hochseetauglichen Gummiboote in Richtung Europa, weil sie vor Folter und schwersten Misshandlungen in Libyen fliehen. Das zeigt auch das letzte Flüchtlingsunglück. Nach Angaben der libyschen Küstenwache waren auf einem alten und völlig überfüllten Holzboot rund 120 bis 125 Menschen vor allem aus Afrika unterwegs.

Ein Überlebender habe berichtet, dass der Motor des Bootes in Brand geraten und daraufhin Panik ausgebrochen sei. 16 Menschen konnten der Küstenwache zufolge am Freitag gerettet werden. Weitere Opfer konnten demnach zunächst nicht gerettet werden, weil keine ausreichend großen Boote zur Verfügung standen. Unter den Vermissten sollen weitere Kinder sein.

"Trotz der Hindernisse machen wir weiter, das Recht auf Leben der Unsichtbaren zu schützen", erklärte Proactiva.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 78 Kommentare

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  1. Andre

    Also ich sehe auf dem Foto kein Wassersport-Schiff. Nach Ansicht von Lifeline könnte ich also einen Wassersportverein gründen und dann ein so großes Schiff dort registrieren? Hm, damit wäre seerechtliches Chaos wohl vorprogrammiert. Liebe Lifeline. Habst ihr euch mal überlegt, wie viele Menschen sich in Lebensgefahr begeben, weil ihr ihnen Rettung versprecht? Diese Menschen würden das vielleicht nicht tun, oder zumindest nicht in dieser Anzahl. Wie viele Menschen müssen sterben, für euer wohliges Gefühl, etwas Gutes zu tun?

  2. Magor

    Ist jetzt ein LKW mit Migranten im Laderaum ein "Rettungswagen"?

  3. San Tiago

    Die Lifeline sei korrekt beim holländischen Wassersportverband angemeldet worden. Etwa als Achter mit Steuermann? Der Witz des Tages. Hab mich fast verschluckt vor Lachen. Hoffentlich wird diesen so genannten Rettern bald das Handwerk gelegt.

  4. XXX

    @Andre: Wie wäre es mal mit etwas weiterdenken? Man kann sich natürlich zurücklehnen und sagen "was geht mich das Elend anderer an?". Aber wird dies zur Lösung des Problems beitragen, und welches Menschenbild steht dahinter? Aus meiner Sicht liegen die Ursachen viel tiefer und sind reichlich bekannt. Allein der Wille zur Abstellung der Ursachen fehlt. Ein Eindreschen auf immer die gleichen als Ablenkmanöver vor den eigentlichen Ursachen ist mir zu billig. Viele hierzulande haben sich in der eigenen Komfortzone eingeigelt. Der Artikel von gestern "Helfer wird alleingelassen" paßt da voll ins Schema: Fremdes Elend interessiert nicht, aber wehe, man selbst braucht Hilfe, dann hat bitteschön sofort jemand parat zu stehen.

  5. colate

    Wie viele Bruttoregistertonnen hat das schnuckeliche Wassersportböötchen? Die Dreistigkeit dieser selbsternannten Menschenfreunde kennt inzwischen keine Grenzen mehr.

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