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Donnerstag, 09.08.2018

Tunnelblick zum Weggucken

Schmierereien an der neuen Bahnunterführung bringen das Blut eines Lesers in Wallung. Das Rathaus verweist auf die Bahn.

Von Thomas Riemer

Schmierereien am Bahntunnel Richtung Großraschütz stoßen bei Passanten immer wieder auf Unverständnis. Doch was und vor allem wer kann etwas dagegen tun?
Schmierereien am Bahntunnel Richtung Großraschütz stoßen bei Passanten immer wieder auf Unverständnis. Doch was und vor allem wer kann etwas dagegen tun?

© privat

Großenhain. „Willkommen in Großenhain!“ Der Schriftzug an der Bahnunterführung aus Richtung Kaufland gen Innenstadt ist längst zu einem Markenzeichen der Röderstadt geworden. Einheimische nehmen ihn wohlwollend zur Kenntnis, Besucher staunen zuweilen über die ungewöhnliche Idee der Stadtväter zur Begrüßung.

Die Kehrseite des Tunnelblicks erleben Passanten seit einiger Zeit, wenn sie die Stadt durch den Tunnel wieder verlassen. Denn: Die Lärmschutzwand an der Eisenbahnbrücke in Richtung Großraschütz ist von bislang Unbekannten auf unschöne Weise „verziert“ worden. Und nicht nur das: Auch der Durchlass selbst ist besprüht, darunter Schriftzüge, die weit unter der Gürtellinie liegen.

Einem SZ-Leser, der seinen Namen aber aus gutem Grund nicht im Blatt veröffentlichen möchte, hat sich jetzt mit deutlichen Worten an die Verursacher darüber mokiert. „Endlich hat es ein oder haben es einige Dreckschweine geschafft, ihre bildungsferne (früher sagte man mal ,dumm‘ dazu) Gedankenwelt in kräftigen Farben der Allgemeinheit zu präsentieren“, schreibt der Großenhainer. „Fuck GRH“ sei einfach „eine dumme Beleidigung. Eine Visitenkarte für die Stadt Großenhain sieht anders aus“, schreibt der Mann.

Und bittet darum, zu dem Thema eine öffentliche Diskussion zu eröffnen. In die sollten unterschiedliche Institutionen einbezogen werden – Polizei, die Bahn als Träger des Bauwerks, die Justiz, natürlich die Stadt Großenhain. „Ich finde, dass durch das lasche Verhalten dieser Behörden der Nährboden für derartigen Vandalismus bereitet wird“, schreibt der SZ-Leser. Das gehe letztendlich weiter in der Zerstörung öffentlicher Anlagen, Beschädigen von Verkehrsleiteinrichtung, zerschlagenen Buswartehäuschen etc. „Die öffentliche Hand muss sich hier einmal entscheiden, was sie eigentlich will.“ Wenn (jugendliche) Täter weiterhin schonend und verständnisvoll behandelt würden und das auch als richtig dargestellt werde, dann solle es eben so sein. „Die Frage ist nur, ob sich die Mehrheit der Bevölkerung so etwas auf Dauer bieten lässt“, so Herr X.

Das Großenhainer Rathaus kennt die Problematik und verweist darauf, dass die Anzeigepflicht beim Eigentümer liegt – der Deutschen Bahn AG. „Die Stadt ist allerdings ebenfalls an einer Aufklärung interessiert und gibt – sofern vorhanden – sachdienliche Hinweise an den Eigentümer oder die Polizei weiter, sollten diese bei der Stadtverwaltung eingehen“, so Rathaussprecherin Diana Schulze. Eine Art „Überwachung“ von Brennpunkten sei durch Vollzugsbedienstete der Verwaltung „maximal im Rahmen ihrer Kontrolltätigkeit im Außendienst möglich, nicht aber eine ausschließliche Streifentätigkeit für Graffiti“.

Dass Nachforschungen zu illegalen Schmierereien durchaus Erfolg haben können, zeigt das Beispiel eines Radebeulers. Der hatte sich über einen sehr langen Zeitraum immer wieder mit dem Schriftzug „Lauchs“ – was für „schlau“ stehen sollte, verewigt. Nach langen Ermittlungen, auch nach dem Umzug des Schmierers nach Bayern, wurde er auf frischer Tat gefasst.

Dass der Leserbriefschreiber anonym bleiben möchte, hat nach dessen Angaben seinen Grund. Anderenfalls „laufe ich möglicherweise Gefahr, dass mein Haus eines Tages ,künstlerisch verschönert‘ wird. Ich würde dann auf den Kosten der Beseitigung sitzenbleiben, weil sich niemand dafür interessiert.“