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Donnerstag, 13.09.2018

Tschechen ignorieren Waldsperrung

Das Zutrittsverbot für Wälder im Grenzgebiet gilt weiterhin, bei Verstößen drohen saftige Strafen.

Von Steffen Neumann

 Gesperrt sind auch die bei Touristen sehr beliebten Tissaer Wände.
Gesperrt sind auch die bei Touristen sehr beliebten Tissaer Wände.

© SZ-Archiv

Usti nad Labem. Seit Mitte August sind die meisten Wälder im tschechischen Grenzgebiet wegen Waldbrandgefahr gesperrt. Einzig im Nationalpark Böhmische Schweiz können Wanderer und Kletterer markierte Wege nutzen. Gesperrt sind auch die bei Touristen sehr beliebten Tissaer Wände (Tiske steny) in dem gleichnamigen Ort im Elbsandsteingebirge. Doch dort bewirkte das Verbot das Gegenteil. In den Tagen nach der Entscheidung waren sogar mehr Leute in den Tissaer Wänden unterwegs. „Sie nutzen die Chance, dass kein Eintritt mehr verlangt wird. Auch jetzt kommen immer wieder Besucher“, sagt Jiri Jandasek, der Bürgermeister von Tisa (Tissa), der dem Treiben machtlos zusehen muss. Denn die Gemeinde betreibt zwar die Felsenwelt gegen ein Eintrittsgeld. Tisa entgehen deshalb derzeit Einnahmen in sechsstelliger Kronenhöhe. Aber die Kontrolle obliegt dem Eigentümer, dem Staatsforst, der auch den Antrag der Gemeinde auf eine Ausnahme für die Felsenwelt abschmetterte.

Ähnlich sieht es in anderen Gebieten aus. Die Einhaltung des Verbots wird zwar kontrolliert. Doch Forstarbeiter und Polizei können nicht überall sein. Zumal das Verbot bewusst ignoriert wird, wie Pavel Rus von der Forstverwaltung Litvinov (Oberleutensdorf) bestätigt: „Es ist nicht so, dass die Leute nicht davon wissen. Aber es ist ihnen egal.“ Einige würden sogar aggressiv reagieren. Momentan würden noch keine Geldstrafen auferlegt. Wer erwischt wird, kann noch mit Nachsicht rechnen. „Wir klären vor allem auf“, so Rus. Doch kann das rücksichtslose Verhalten dazu führen, dass die Behörden ihre Strategie ändern. Bei unerlaubtem Betreten des Waldes können bis zu 1 500 Kronen (umgerechnet rund 60 Euro) fällig werden.

Das Waldverbot gilt in den Kreisen Chomutov (Komotau), Decin (Tetschen) und Usti (Aussig). Nur in den Kreisen Teplice (Teplitz) und Most (Brüx) wurde es Anfang September aufgehoben. Obwohl es nicht mehr so heiß ist wie im August, ist die Waldbrandgefahr unverändert hoch, wie Meteorologen warnen. Der Niederschlag sei schnell verdampft, die Böden sind immer noch ausgetrocknet und der Grundwasserspiegel ist zu tief, heißt es.