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Mittwoch, 07.03.2018

Trumps Drohungen lassen europäische Autobauer kalt

Beim Branchentreffen in Genf kommen sie an dem Thema aber nicht vorbei – trotz vieler anderer Baustellen.

Von Roland Losch und Nico Esch, Genf

In der Gläsernen Manufaktur in Dresden wird einr VW e-Golf montiert.
In der Gläsernen Manufaktur in Dresden wird einr VW e-Golf montiert.

© Monika Skolimowska/dpa

Donald Trumps Drohungen mit Strafzöllen auf europäische Autoimporte sehen die deutschen Konzerne betont gelassen. Auf dem Genfer Autosalon sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Dienstag, Spekulationen über das, was letztlich komme, seien genauso sinnlos wie vor der Steuerreform des US-Präsidenten. BMW-Chef Harald Krüger zeigte sich optimistisch, dass es keine Strafzölle auf europäische Auto-Einfuhren gebe: „Das geht nicht per Dekret des Präsidenten von heute auf morgen.“ Und einige Abgeordnete lehnten das ab.

Neue Zollschranken waren neben Elektromobilität und der Zukunft des Diesels das große Thema auf der ersten europäischen Automesse 2018, die am Donnerstag für alle Besucher öffnet. Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchione kritisierte dabei die EU: Ihre Reaktion auf Trumps Ankündigung von Zöllen auf Aluminium und Stahl sei nicht hilfreich. „Das ist die falsche Antwort zur falschen Zeit“, sagte Marchione und mahnte: „Wir müssen sehr vorsichtig sein.“ Statt auf jede Provokation sofort zu reagieren, sollte die Diskussion breiter geführt werden. Der Chef des französischen PSA-Konzerns, Carlos Tavares, sagte, Trump äußere seine Meinung stets sehr deutlich. Aber das müsse nicht heißen, dass alles auch so komme. „Zwischen einer Verhandlungsposition und einer endgültigen Entscheidung gibt es einen Unterschied“, betonte der Lenker des Konzerns mit Marken wie Peugeot, Citroën und Opel.

Trump hatte zunächst Strafzölle auf Stahl und Aluminium angekündigt und dann mit Strafabgaben für Import-Autos gedroht, sollte die EU US-Produkte mit höheren Zöllen belegen. Die EU-Kommission will am Mittwoch entscheiden, wie sie datauf reagiert.

Die Steuerreform von Trump hatte den Autokonzernen zuletzt dicke Sondergewinne beschert. Allein VW, Mercedes und BMW verbuchten zusammen drei Milliarden Euro extra. VW-Konzernchef Matthias Müller kritisierte aber, nach jahrelangen Bemühungen um den Abbau von Zollschranken schere nun eine Nation aus. „Das ist für uns sehr überraschend. Jetzt muss man schauen, wie sie sich konkret verhalten.“ Für Schlussfolgerungen sei es zu früh: „Wir müssen das in aller Gelassenheit bewerten und dann entscheiden.“

Auch wenn für deutsche Premiumhersteller China noch wichtiger ist als die USA: Die Vereinigten Staaten sind ein sehr bedeutender Markt. So hat BMW dort im vergangenen Jahr 353 000 Autos verkauft, Mercedes 337 000 und Audi 227 000. Sollte es doch zu Strafzöllen kommen, sieht Krüger BMW in der „besten Situation aller Wettbewerber“. Der Konzern betreibe seine größte Autofabrik in Spartanburg und sei mit den dort gebauten SUV-Modellen größter Autoexporteur der USA. (dpa)

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