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Dienstag, 13.06.2006

,Trompeterkrieg‘ wurde heimlich abgeblasen

Von Ch. Hamann-Pönisch

FRANKFURT/MAIN - Sie haben sich beschimpft, beleidigt und erniedrigt. Man haute sich die Worte Neidhammel, Stümper und Betrüger um die Ohren. Seit der ersten Strafanzeige sind fast neun Jahre ins Land der Volksmusik gegangen. Plötzlich heile Welt. Die Morgenpost deckt auf: Der „Trompeterkrieg“ zwischen Stefan Mross (30) und Alexandre Malempré (65) wurde still und leise abgeblasen.

Die Akte 2/3 O 412/98 beim Frankfurter Landgericht kann geschlossen werden. Stefan Möller, Sprecher des Landgerichts Frankfurt am Main, sagte gestern auf Anfrage der Morgenpost: „Die Parteien haben sich außergerichtlich geeinigt. Die Klage wurde zurückgenommen.“

Außer Spesen nichts gewesen? Malempré-Anwalt Bernd Dietrich, der wegen der „größten Betrugsaktion“ in der deutschen Musikbranche vor Gericht gezogen war, wollte sich zu dem Einvernehmen nicht äußern. Einzelheiten würden noch öffentlich gemacht, ließ er über sein Büro ausrichten. Der Musikrechtler hatte einst 180000 Mark Schadensersatz für seinen Mandanten gefordert und verlangt, zwei umstrittene CDs von Stefanie Hertel und Stefan Mross aus dem Verkehr zu ziehen. Denn Malempré behauptete vehement, dass er es war, der in mehreren Stücken die Solotrompete spielte.

Der Rechtsstreit wollte kein Ende nehmen. Vorspiele und Gutachten erhitzten die Szene. Selbst Volksmusikstar Stefanie Hertel, Lebens- und Bühnenpartnerin von Mross, wurde in den Zeugenstand zitiert. Ohne Ergebnis. Keiner wollte sich geschlagen geben.

Bis zu jenem 26. November 2005, als Star-Trompeter Walter Scholz seinem Kollegen Stefan Mross vor 7,6 Millionen ARD-Zuschauern zum 30. Geburtstag gratulierte und sich entschuldigte - für seinen eigenen Anteil an dem in der deutschen Musikgeschichte einmaligen Beweisverfahren. Scholz war einer der Ersten, die behauptet hatten, dass „Stefan auf seinen CDs nicht selbst trompetet“. Sein Kommentar zur Schließung der Akte „Trompeterkrieg“: „Ich bin dankbar, dass endlich Ruhe und Frieden in die Sache eingekehrt ist.“