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Freitag, 13.07.2018

Tradition und Moderne

Von Silke Richter

Christiane Scholze mag neben dem Vereinsleben auch die Natur in ihrer Heimat. Sonnenblumen haben es der 25-Jährigen besonders angetan. Foto: Silke Richter
Christiane Scholze mag neben dem Vereinsleben auch die Natur in ihrer Heimat. Sonnenblumen haben es der 25-Jährigen besonders angetan. Foto: Silke Richter

Wittichenau. Knallig rot gefärbte Haare und eine sorbische Tracht. Das passt in den Augen von Christiane Scholze nicht wirklich zusammen. Dabei mag die 25-Jährige beides sehr: Die auffallende Farbe ihrer Haare, die Zeitgeist und Mode reflektieren, und das Traditionsbewusstsein für sorbische Überlieferungen und die ursprüngliche Sprache. „Ich bin sehr stolz darauf, dass ich die sorbische Sprache beherrsche und von Kindheit an damit groß geworden bin. Leider hört man unsere Sprache in der Gesellschaft immer weniger. Sie stirbt fast aus“, meint die junge Frau nachdenklich.

Die Teilnahme an Traditionsveranstaltungen ist der gebürtigen Cunnewitzerin sehr wichtig, um Traditionen den nächsten Generationen weiterzugeben. Im Frühjahr sind das Maibaumstellen und das Maibaumwerfen mit Tanz in den Mai ein absolutes Muss. Und auch das Ostereierverzieren mit heißem Wachs und Federkiel beherrscht die Vorsitzende des Jugendclubs Cunnewitz/Schönau sehr gut.

Christiane Scholze ist zudem in den Reihen der freiwilligen Feuerwehr integriert. „Na ist doch klar, dass ich da mitmache. Somit unterstützte ich das Vereinsleben, engagiere mich für die Allgemeinheit und kann mich beim Training für Löschangriffe auch noch sportlich fit halten“, erzählt die gelernte Heilerziehungspflegerin.

Und auch das närrische Treiben findet in der Faschingshochburg Wittichenau nicht ohne Christiane Scholze statt. Wer den Karneval in der Stadt kennt, der weiß, dass die Vorbereitungen nicht nur sehr langwierig sind. Sie werden auch mit sehr viel Liebe zum Detail betrieben. Meist geschieht das in verschiedenen Gruppen, denn Geselligkeit und Miteinander werden besonders bei Höhepunkten in Wittichenau und Umgebung großgeschrieben. In der vergangenen Saison wurde für die Truppe um Christiane Scholze sehr viel plüschiger Stoff zum Nähen von Kostümen benötigt. „Wir haben uns alle als Eichhörnchen verkleidet. Das war wieder sehr lustig. Wir hatten alle viel Spaß zusammen“, erinnert sich die 25-Jährige mit einem Schmunzeln. Jeden Dienstag trifft sie sich zudem mit ein paar Frauen zum gemeinsamen Töpfern in Spohla. Das macht den Kopf frei und lässt auch etwas Ruhe und Abwechslung in den beruflichen Alltag der Heilerziehungspflegerin einkehren. Um ihre Arbeit ausüben zu können, fährt sie jeden Tag in eine Einrichtung nach Schmeckwitz in der Gemeinde Räckelwitz.

Für Christiane Scholze ergänzen sich in ihrer Heimat Arbeit, Hobby, Umfeld und Identität ganz wunderbar, wie sie meint. Ihr fehle es hier an nichts: „Ich habe hier alles, was ich brauche: Freunde, Familie, Partner, Beruf und großartige Freizeitbeschäftigungen. Was will ich mehr? Ich kann hier so sein, wie ich bin und muss mich nicht verändern – auch das gehört für mich zu einem guten Heimatgefühl dazu“, meint Christiane Scholze.

In ihrer Stimme schwingt nicht nur Stolz, sondern auch sehr viel innere Zufriedenheit mit. Und vielleicht probiert die 25-Jährige ja doch einmal eine sorbische Tracht an. Denn Tradition und Moderne lassen sich auch mit rotgefärbten Haaren wunderbar miteinander kombinieren und ausleben. Warum denn nicht?