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Freitag, 15.06.2018

Tierpark zieht Falkenküken auf

Mehrere Eier mussten künstlich ausgebrütet werden – wegen einer Großbaustelle.

Von Stefan Lehmann

Insgesamt neun junge Turmfalken zieht der Tierpark gerade groß. Die Jungen auf dem großen Foto sind etwa 14Tage alt. Rechts ein männliches Alttier.
Insgesamt neun junge Turmfalken zieht der Tierpark gerade groß. Die Jungen auf dem großen Foto sind etwa 14 Tage alt. Rechts ein männliches Alttier.

© S. Schultz

Riesa. Dicht an dicht sitzen die vier kleinen Turmfalken in ihrer Box und recken neugierig den Hals. Normalerweise würde sich das Nest der Greifvögel in luftiger Höhe befinden – nicht umsonst trägt die Art ihren Namen. Doch bei diesen Küken ist das etwas anders: Sie haben die vergangenen Tage oft im Innenhof des Riesaer Klosters verbracht.

Tierpark-Chef Gerhard Herrmann und seine Mitarbeiter müssen sich in diesen Tagen um einen ganzen Schwarm junger Turmfalken kümmern. Gleich drei Gelege wurden Anfang Mai hier angeliefert und künstlich ausgebrütet. Mittlerweile sind die Küken geschlüpft und wollen alle zwei Stunden gefüttert werden. „Die Älteren fressen schon selbstständig, aber das war schon mühsam“, sagt Herrmann, der die Fütterung zur Chefsache erklärt hat. 15 Eier waren es insgesamt, neun Jungvögel sind letztlich durchgekommen. Verglichen mit der freien Wildbahn eine gute Quote, sagt Gerhard Herrmann.

Dass es so viele auf einmal sind, hängt mit dem Riesaer Krankenhaus-Neubau zusammen. Bauarbeiter hatten die Nester entdeckt, laut Unterer Naturschutzbehörde wohl auf einer Halterung für Abgasrohre. Dort hatten mehrere Falkenpaare mit dem Brüten begonnen. Der Schornstein sollte im Zug der Bauarbeiten abgerissen werden, was den Tod der Jungtiere bedeutet hätte. Zu warten, war aber laut Naturschutzbehörde auch keine Option: „Das hätte Baustopp bedeutet, was bei der angespannten Terminkette auch mit Blick auf Verträge mit den Firmen und Fördermittel die nächste Katastrophe gewesen wäre.“ Aus dem Elblandklinikum Riesa wollte sich zu den baulichen Hintergründen niemand äußern. Dabei sei das Vorgehen der Bauarbeiter eigentlich vorbildlich gewesen, sagt Gerhard Herrmann. „Es ist leider nicht selbstverständlich, dass solche Gelege gemeldet werden, schließlich bedeutet das immer auch eine Verzögerung beim Bau.“

Der Kompromiss war nun, die Eier der streng geschützten Art „auf den Boden“ zu holen, auszubrüten und die Vögel später wieder auszuwildern. Schritt eins klappte dabei ausgesprochen gut. Am Pfingstwochenende schlüpften die ersten Küken – und wuchsen schnell. „In den ersten 14 Tagen hat sich ihr Gewicht verzehnfacht“, sagt Herrmann. Das schnelle Wachstum bedeutet auch, dass die Zeit für den letzten Schritt drängt: Für die Falken muss ein neues Nest her. „Irgendwann ist die Prägung auf den Menschen zu stark“, sagt der Tierpark-Chef. Das gilt es zu vermeiden. Zwei Tiere sind deshalb anderen Falken ins Nest „untergejubelt“ worden, zwei weitere sollen noch am Freitag folgen. Es sei nicht ganz einfach, sagt Herrmann. „Man muss auch an die Nester herankommen können, das ist das Problem.“

Die Turmfalken sollen übrigens auch im kommenden Jahr wieder am Krankenhaus brüten können, so die Naturschutzbehörde: Es sei bereits vereinbart, dass als Ausgleich Nisthilfen für die Vögel angebaut werden.