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Mittwoch, 13.06.2018

Therapie auf vier Pfoten

Von Silke Richter

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Bernd Müller
Bernd Müller
  • Bernd Müller
    Bernd Müller
  • Die Therapiestunde mit Bernd Müller und seinen Hunden gefällt vielen Bewohnern aus dem Pflegepark Fischer&Salowsky in der Hoyerswerdaer Schulstraße. Border-Collie-Hündin Lotte ist eine Art tierische Hauptperson bei diesen Besuchen.Fotos: Silke Richter (2)
    Die Therapiestunde mit Bernd Müller und seinen Hunden gefällt vielen Bewohnern aus dem Pflegepark Fischer & Salowsky in der Hoyerswerdaer Schulstraße. Border-Collie-Hündin Lotte ist eine Art tierische Hauptperson bei diesen Besuchen.Fotos: Silke Richter (2)

Es ist alles vorbereitet. Die Senioren sitzen im Kreis entspannt auf Stühlen oder in Rollstühlen und warten sehnsüchtig auf den heutigen Besuch. Der kommt auf vier Pfoten und wird, begleitet von Therapeut Bernd Müller, gleich für viel Begeisterung und bewegende Momente sorgen. Müller und seine „Gehilfen im Fell“ besuchen regelmäßig den Pflegepark in der Schulstraße und treffen dort auf viele begeisterte Senioren.

Lotte arbeitet

Und dann ist es endlich so weit: Die Tür öffnet sich und Lottes Blick richtet sich zuerst auf jene Seniorin, die in regelmäßigen Abständen immer wieder leise Töne von sich gibt. Lotte ist eine Border-Collie-Hündin. Sie beobachtet das Geschehen aufmerksam, bleibt aber an der Seite ihres Besitzers, der das Tier jetzt etwas abseits auf einem Extra-Platz ablegt. Lotte weiß, dass sie jetzt liegen bleiben soll, bis der nächste Befehl von Bernd Müller kommt. Aber Lotte ruht sich nicht etwa aus, sondern arbeitet bereits auf ihre Art; nimmt erste Gerüche auf. Lotte ist ein ausgebildeter Therapiehund, der mit anderen Artgenossen regelmäßig aller acht Wochen die Senioren im Pflegepark Fischer & Salowsky in der Hoyerswerdaer Schulstraße und weitere Einrichtungen besucht. Seit drei Jahren kommt der „Müller Service rund um den Hund“ bereits hierher. Viele Bewohner können die Beschäftigungsstunde mit den Hunden kaum erwarten. Den meisten Bewohnern gefällt diese besondere Art der Therapie.

Oxytocin, das Kuschelhormon

An jenem Vormittag sind es zehn Damen und Herren, die keine „Bespaßung“, sondern aktive Beschäftigung erleben dürfen. Bernd Müller beginnt mit der Begrüßung. Diese macht mit Hilfe von Hundedame Lotte nicht nur Spaß, sondern aktiviert bei den Senioren auch die Ausschüttung des Hormons Oxytocin, das umgangssprachlich auch Kuschelhormon genannt wird. Zudem fördert das Begrüßungsritual „Pfote geben“ von Lotte die motorischen Fähigkeiten und Bewegungsabläufe der so bewillkommneten Senioren.

Das zeitigt manchmal kaum erwartete Ergebnisse. Wie in dem schwierigen Fall einer älteren Frau, die seit einem Schlaganfall ihren rechten Arm auf Grund von Lähmungserscheinungen nicht mehr richtig bewegen kann. Aber plötzlich ist es scheinbar ganz einfach: Lotte reicht der Seniorin ihren linken Vorderlauf – und schon zuckt die rechte Hand der Frau in Richtung Hundepfote. Das ist ein großer Fortschritt, über den sich auch Adina Wager sehr freut. „Viele Bewohner machen bei der Therapie unverhoffte, aber für den Körper sehr wichtige Bewegungen, die sie sonst meiden oder eben aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um- oder einsetzen können. Die Hundetherapie hilft, den Gesundheitszustand zu verbessern oder stabil zu erhalten“, weiß die Ergotherapeutin aus beruflicher Erfahrung.

Jetzt geht es mit aktiver Kopfarbeit weiter. Bernd Müller nutzt dafür Erinnerungen an eine alte, sehr beliebte Fernsehserie, in der die Collie-Hündin Lassie die Hauptrolle spielte. Daran können sich einige Bewohner erinnern. Dann geht es im Programm weiter: Es folgen Zahlen- und Würfelspiele, die mit kleinen sanften gymnastischen Bewegungsabläufen kombiniert werden und den Senioren nicht nur Spaß, sondern auch Abwechslung und Freude bringen. „Besonders demenziell erkrankte Menschen in ihrer eigenen Lebenswelt zu erreichen, gelingt nicht immer. Wo sprachliche Verständigung nur noch eingeschränkt möglich ist, finden unsere Therapiehunde Zugang und es gelingen positive und stressfreie Begegnungen“, meint Bernd Müller.

Der Spremberger hat sich vor sieben Jahren selbstständig gemacht und seine Firma gegründet, weil er nicht mehr von Hartz IV abhängig sein wollte und eine sinnvolle Aufgabe suchte. Einen Draht zu Hunden habe er bereits seit seiner Kindheit, berichtet der 54-Jährige, der auch eine Hundeschule betreibt. Mit seiner Ehefrau Carola und einer weiteren Mitarbeiterin ist er samt seinen Therapiehunden mittlerweile in sechzig Altenhilfezentren sowie Suchthilfe- und Behinderteneinrichtungen ein gern gesehener Gast.