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Mittwoch, 20.10.2004 Irak

Terroristen entführen Care-Direktorin

Bagdad. Die Direktorin der Hilfsorganisation Care International im Irak ist verschleppt worden. Damit wurde gestern eine der größten internationalen Hilfsinitiativen Opfer des irakischen Terrors. Unterdessen wurden bei einem Anschlag auf einen Sitz der Nationalgarde nördlich von Bagdad nach irakischen Angaben fünf Soldaten getötet und mehr als 100 Menschen verletzt. Die US-Streitkräfte bestätigten mindestens vier Tote bei dem Mörserangriff.

Der EU-Entwicklungskommissar Poul Nielson nannte die Entführung von Care-Direktorin Margaret Hassan einen schweren Schlag für die humanitäre Hilfe und die bedürftige Bevölkerung im Irak. Hassan wurde nach Angaben eines Mitarbeiters am Morgen auf dem Weg zur Arbeit in Bagdad aus ihrem Auto verschleppt. „Derzeit sind wir über die Motive der Kidnapper nicht informiert“, hieß es in einer Erklärung der Organisation aus London.

Hassan lebt laut Care seit 30 Jahren im Irak, ist mit einem Iraker verheiratet und hat sowohl die britische als auch die irakische Staatsbürgerschaft. Sie habe sich seit 25 Jahren für die irakische Bevölkerung eingesetzt. Der arabische Fernsehsender al-Dschasira veröffentlichte eine Aufnahme, auf der Hassan zu sehen war. Eine „bewaffnete irakische Gruppe“ habe sich zu der Entführung bekannt.

IISS: Irak-Krieg hat das Terror-Risiko erhöht

Der britische Premierminister Tony Blair versicherte, seine Regierung werde sich nach Kräften für die Freilassung Hassans einsetzen. Zugleich verteidigte er Pläne, 650 britische Soldaten auf Bitte der USA aus dem Südirak näher nach Bagdad in den besonders schwer umkämpften US-Sektor zu verlegen. Dies geschehe aber nur, wenn es militärisch gerechtfertigt sei, erklärte Blair. Eine endgültige Entscheidung wird in einigen Tagen erwartet.

Blair betonte, die Bitte um eine Verlegung der britischen Soldaten sei von den US-Streitkräften gekommen. Es handele sich nicht um eine politische Anfrage von US-Präsident George W. Bush. Blair reagierte damit auf Vorwürfe, ein solcher Schritt wäre eine Geste der Unterstützung für Bush im US-Wahlkampf.

Bis die Iraker die Sicherung ihres Landes übernehmen und sich die internationalen Truppen zurücknehmen können, kann es nach Einschätzung des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London noch fünf Jahre dauern. Der Aufstand im Irak wird dem gestern veröffentlichten IISS-Bericht zufolge von bis zu 1 000 Kämpfern aus dem Ausland unterstützt.

Der Krieg im Irak hat nach Einschätzung des IISS das Risiko terroristischer Anschläge erhöht statt es zu verringern. „Insgesamt hat das Terrorrisiko für westliche Staatsbürger und deren persönlichen Besitz in arabischen Ländern nach Beginn des Irak-Krieges im März 2003 anscheinend zugenommen“, hieß es in dem Bericht „Das militärische Gleichgewicht 2004-2005“ des unabhängigen Londoner Institutes.

Mit der Besatzung des Iraks wollten die USA ihren Anspruch demonstrieren, die politische Landschaft in der arabischen Welt zu Gunsten eigener Interessen zu verändern. Al-Qaida hingegen wolle die moslemische Welt vom US-Einfluss „reinigen“ und verstärke die Unterstützung von Terroraktionen. (AP)