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Freitag, 14.09.2018

Technisches Denkmal gerettet

Der Hohe Ofen am Brausenstein ist saniert. Einst wurden dort Kanonenkugeln für die Festung Königstein gegossen.

Von Gunnar Klehm

Frisch verfugt sollte das Mauerwerk am jahrhundertealten historischen Ofen am Brausenstein im Bielatal jetzt viele Jahre stabil bleiben.
Frisch verfugt sollte das Mauerwerk am jahrhundertealten historischen Ofen am Brausenstein im Bielatal jetzt viele Jahre stabil bleiben.

© Norbert Millauer

Rosenthal-Bielatal. Jeder, der von Bielatal nach Schweizermühle fährt, kommt an dem Technischen Denkmal vorbei. Bis vor wenigen Tagen war der sogenannte Hohe Ofen am Brausenstein noch eingerüstet. Ein großer Riss hatte sich gebildet, der dringend saniert werden musste. Damit hatte die Gemeinde eine erfahrene Firma aus Zwickau beauftragt. Für rund 38 000 Euro ist nun alles wieder stabil. Die Sanierung wurde über das Leader-Programm gefördert. Damit ist ein einzigartiges Baudenkmal gerettet worden, das seinesgleichen sucht.

Ortschronist Hans-Georg Hering kommt geradezu ins Schwärmen, wenn er von dem Baudenkmal spricht, um das er sich persönlich sehr bemüht hat. Um 1704 soll der Ofen Brausenstein an einer großen Lieferung Kanonenkugeln für das Arsenal in Dresden beteiligt gewesen sein. Auch die Festung Königstein wurde mit Kanonenkugeln von dem Eisenschmelzofen beliefert. Erstmals erwähnt wurde ein Hammergut am Brausenstein bereits 1410 und ist damit das am frühesten benannte Hammergut der Region. Erst ab 1673 ist von einem Schmelzofen die Rede. In einem der verbauten Natursteine ist die Jahreszahl 1700 eingemeißelt. Ortschronist Hering geht davon aus, dass der Stein bei einer späteren Reparatur hinzugekommen sein muss.

Der Ofen hatte einen großen Verbrauch an Holzkohle. Der Raubbau an den umliegenden Wäldern war so groß, dass schon bald die Produktion eingeschränkt werden musste und um 1736 komplett eingestellt wurde. Vom Hammerwerk hat fast nichts die Zeiten überdauert. Nur ein Gewölbeeingang ist noch erhalten.

Vom Ofen blieb lange nur ein überwucherter Steinhaufen. 1943 wurde er in die Denkmalliste aufgenommen. Zu DDR-Zeiten verschwanden Stein um Stein, wie Hering berichtet. Bis 1980 dann eine Baubrigade aus dem Stahl- und Walzwerk Riesa den Ofen wieder aufgebaut hat. Dazu mussten teilweise neue Steine herangeschafft werden. Der hat lange gehalten, bis nun wegen einer großen Ausbeulung des Mauerwerks eine Sanierung nötig wurde.

Hans-Georg Hering hat Skizzen angefertigt, die zeigen, wie einst der Blasebalg des Ofens über ein Wasserrad angetrieben wurde. Wenn auch das wieder aufgebaut würde, wäre es tatsächlich eine Sensation.