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Dienstag, 09.10.2018

Tag der Entschärfung rückt näher

Am 23. Oktober müssen knapp 16 000 Dresdner raus aus ihren Wohnungen. Das sollte man jetzt wissen:

Von Sandro Rahrisch

Auf Feldbetten, wie hier im Mai in der Dresdner Messe, sollen übernächste Woche nur wenige Menschen schlafen müssen.
Auf Feldbetten, wie hier im Mai in der Dresdner Messe, sollen übernächste Woche nur wenige Menschen schlafen müssen.

© Sven Ellger

Mitten in der Nacht klingelt es an der Tür. Polizisten stehen vor dem Haus. Ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg wurde gefunden. Die Beamten fordern die Menschen auf, schnellstens ihre Wohnungen zu verlassen. Zeit zum Packen bleibt nicht. So hektisch wie im Mai soll die Massenevakuierung am 23. Oktober nicht ablaufen. Die kommenden Wochen sollen die Dresdner nutzen, sich auf die Entschärfung vorzubereiten.

Meine Wohnung befindet sich im Evakuierungsbereich. Muss ich raus?

Alle Menschen, die sich im gefährdeten Gebiet aufhalten, müssen dieses verlassen, stellt das Brand- und Katastrophenschutzamt klar. Die Evakuierungszone umfasst Teile Pieschens, Micktens, Übigaus und der Leipziger Vorstadt mit knapp 16 000 Einwohnern. Hinzu kommen diejenigen, die in dem Bereich arbeiten, zur Schule gehen oder in einer Kita betreut werden. Die größte Gefahr geht von umherfliegenden Splittern aus, sollte bei der Entschärfung etwas schiefgehen. Außerdem kann die Druckwelle Fensterscheiben zerstören. Wer sich weigert, das Gebiet zu verlassen und den Einsatzkräften nicht die Tür öffnet, kann unter Zwang herausgeholt werden. Die Evakuierung diene der eigenen Sicherheit, so das Katastrophenschutzamt.

Wo soll ich während der Entschärfung unterkommen?

Im eigenen Interesse sollte jeder, der raus muss, sich zunächst selbst um eine Bleibe kümmern, rät das Katastrophenschutzamt. Das können Verwandte, Freunde oder Arbeitskollegen sein. „Auch ein Gartengrundstück bietet sich möglicherweise an.“ Wer sich für die Zeit ein Hotelzimmer nehmen möchte, könne dies gern tun, allerdings auf eigene Rechnung. Nur wer nichts findet, kann in eine der vier Notunterkünfte gehen. Welche das sind, stand am Montag noch nicht fest. Die Verwaltung will die Adressen aber bald bekannt geben (siehe Link). Da viele Menschen untergebracht werden müssen – die Stadt rechnet mit zehn Prozent der Betroffenen – werden in den meisten Fällen Sporthallen und Schulen genutzt. Zuletzt diente die Messe als Notunterkunft, was dieses Mal nicht möglich ist, da nur wenige Meter neben den Hallen die vermutete Bombe liegt. Zu den Unterkünften werden Busse organisiert, die von einer zentralen Stelle abfahren.

Was sollte ich unbedingt mitnehmen, wenn ich die Wohnung verlasse?


Diesmal haben die betroffenen Dresdner die Möglichkeit, in Ruhe ihre Tasche zu packen. Unbedingt mitnehmen sollte jeder seinen Ausweis, die Krankenkarte, seine Medikamente sowie Getränke und Snacks, die für mindestens zwölf Stunden reichen, besser für einen Tag. Denn die Entschärfung soll zwar am Vormittag beginnen und schon am Nachmittag vorbei sein. Wie der letzte Blindgänger in Löbtau zeigte, können aus wenigen Stunden aber schnell mehrere Tage werden. Außerdem rät das Katastrophenschutzamt, Brille, Geld, Geldkarte, Handy, eine Liste mit persönlichen Telefonnummern und Wechselsachen einzupacken. Wer zum Beispiel eine der Notunterkünfte in Anspruch nehmen muss, sollte darüber hinaus an eine Decke sowie einen Schlafsack samt Isomatte denken. Ein paar Zeitschriften, Bücher und Musik könnten helfen, sich abzulenken, bis alles vorbei ist. Wer Kinder hat, sollte außerdem Kuscheltiere, Kissen, Spiele und eventuell ein paar Süßigkeiten einstecken.

Woran sollte ich denken, bevor ich meine Wohnung verlasse?

Wer raus muss, verlässt seine Wohnung, wie wenn er einkaufen geht. Das heißt: Licht aus, Radio und Fernseher ausschalten, Fenster und Eingangstür schließen. Der Strom muss nicht abgestellt werden.

Was mache ich mit Hund und Katze? Mitnehmen oder zu Hause lassen?

Bei den letzten Evakuierungen, bei denen es schnell gehen musste, lautete der Rat der Stadt: „Versorgen Sie Haustiere ausreichend, bevor Sie die Wohnung verlassen, und nehmen Sie sie nur mit, wenn der Verbleib in den nächsten Stunden in der Wohnung nicht möglich ist.“ Da diesmal deutlich mehr Zeit ist, besteht die Möglichkeit, die Vierbeiner rechtzeitig vor Schließung der Evakuierungszone mitzunehmen.

Wie soll ich das Evakuierungsgebiet verlassen?

Zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto – das sei jedem freigestellt, so das Katastrophenschutzamt. Wer Bus und Bahn nutzen will, sollte aber beachten, dass diese wegen des Einsatzes möglicherweise nicht mehr fahren. Am 23. Oktober sind unter anderem die Linien 4, 9 und 13 betroffen. Die Verkehrsbetriebe informieren rechtzeitig.

Infos der Stadt auf www.dresden.de/fliegerbombe