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Mittwoch, 11.07.2018

Tafelchefin macht weiter

Nach internen Querelen beim Freitaler Verein hatte Karin Rauschenbach mit dem Rücktritt geliebäugelt. Doch nun hat sie neue Ziele.

Von Tobias Winzer

Günter Brendel hat die stellvertretende Leitung der Tafel abgegeben, arbeitet aber in der Einrichtung weiterhin mit. Karin Rauschenbach ließ sich erneut zur Tafelchefin wählen.
Günter Brendel hat die stellvertretende Leitung der Tafel abgegeben, arbeitet aber in der Einrichtung weiterhin mit. Karin Rauschenbach ließ sich erneut zur Tafelchefin wählen.

© Karl-Ludwig Oberthür

Freital. Hinter dem Team der Freitaler Tafel liegen nervenaufreibende Wochen. Ende Mai hatte die Sächsische Zeitung über interne Querelen mit drei ehemaligen Mitarbeitern berichtet. Die Folge waren Befragungen durch die Polizei und die vorläufige Streichung der Stellen für den Bundesfreiwilligendienst bei der Tafel. Chefin Karin Rauschenbach spielte deswegen mit dem Gedanken, den Job hinzuschmeißen. Die Zukunft der Einrichtung schien unsicher.

Wie jetzt feststeht, macht die Tafelchefin trotz allen Ärgers weiter. Bei einer Vorstandssitzung Ende Juni hat sie sich erneut zur Wahl gestellt und ist als Leiterin der Einrichtung bestätigt worden. „Ich habe es nicht fertig gebracht, das Team und die Bedürftigen im Regen stehenzulassen“, so Rauschenbach. Neue Vizechefin der Tafel ist Sieglinde Starke.

Sie folgt auf Günter Brendel, der wegen des Ärgers in den vergangenen Monaten nicht noch einmal zur Wahl angetreten war. Er unterstützt die Arbeit der Tafel jedoch weiterhin und kümmert sich an einem Tag pro Woche um die Buchhaltung der Lebensmittel- und Essenausgabe.

Bei den Querelen ging es um angebliche Unstimmigkeiten bei der Tafel-Weihnachtsfeier 2016. Produkte sollen gegen einen festen Preis verkauft worden sein. Da es sich bei den Produkten um Spenden handelte mit der Maßgabe, diese an Bedürftige weiterzureichen, wäre das Betrug gewesen. Rauschenbach und Brendel bestreiten die Vorwürfe vehement. Hinter den Vorwürfen stecken ihren Angaben nach drei ehemalige Mitarbeiterinnen.

Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, das für den Bundesfreiwilligendienst zuständig ist, strich während der darauffolgenden Ermittlungen die Stellen bei der Freitaler Tafel. Mittlerweile ist das Verfahren aber eingestellt und die Stellen sind wieder freigegeben. Noch offen ist ein Erlass gegen Rauschenbach wegen Nötigung am Amtsgericht Dippoldiswalde. Diese Vorwürfe wolle sie nun ausräumen, so Rauschenbach. „Ich bin nicht kriminell.“

Sie habe sich vorgenommen, in Zukunft ein wenig kürzer bei der Tafel zu treten. „Ich muss mit meinen Kräften haushalten“, sagt Rauschenbach. Deswegen wird sie weniger Tage pro Woche vor Ort in Freital sein. „Das klappt, weil ich ein gutes Team habe.“

Die Tafel-Mannschaft und Rauschenbach haben sich für die kommenden Wochen und Monate einiges vorgenommen. Am kommenden Sonnabend steht zunächst das Sommerfest bei der Tafel in der Dresdner Straße 248 an. Alle Interessierten sind willkommen, sich selbst ein Bild von der Arbeit der Ehrenamtler zu machen. „Unsere Arbeit kann man immer am besten vor Ort erklären“, sagt Rauschenbach. Es gibt eine Hüpfburg und eine Bastelstraße für Kinder. Die ausländischen Kunden der Tafel backen exotische Kuchen. Ein DJ legt zum Tanzen auf.

Am 21. Juli startet Rauschenbach dann mit anderen Engagierten zu einem Hilfstransport in die Ukraine. Kinder- und Pflegeheime sollen dort mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln versorgt werden. Und dann haben bereits die Planungen für die nächste Weihnachtsfeier im Dezember begonnen – diesmal hoffentlich ohne zermürbendes Nachspiel.