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Mittwoch, 16.05.2018

Tätowierung im Fokus

Beim rechtsextremen Treffen im Deutsche-Stimme-Verlag sollen öffentlich verbotene Zeichen zu sehen gewesen sein – ohne dass die Polizei einschritt.

Diese Tätowierung soll in Riesa gezeigt worden sein.
Diese Tätowierung soll in Riesa gezeigt worden sein.

© Recherche Nord

Riesa. In Riesa selbst hat man von dem Kongress europäischer Rechtsextremer auf dem Areal des Deutsche-Stimme-Verlags wenig bemerkt. Dafür haben Beobachter einer Internet-Plattform, die sich nach eigenen Angaben dem „Themenfeld des militanten und organisierten Neonazismus“ widmet, ganz genau hingeschaut. Aus einem Auto heraus haben sie mehr als 170 Fotos von Besuchern der Veranstaltung gemacht und anschließend online gestellt.

Auf den meist gestochen scharfen Bildern erkennt man nicht nur Gesichter – sondern auch Tätowierungen. Der Vorwurf der Beobachter: In Riesa seien öffentlich verbotene Symbole gezeigt worden, ohne dass die Polizei eingeschritten sei. Zum Beweis fügen sie das Bild eines kurzärmlig gekleideten Mannes an, der am Ellenbogen eine Totenkopf-Tätowierung trägt, die auffallend dem Mützen- und Kragenspiegel-Abzeichen der SS ähnelt. Tatsächlich findet sich dieses Symbol auch in einer Broschüre des Verfassungsschutzes über verbotene Symbole, der sich dabei auf ein Urteil des Landgerichts Lübeck beruft.

Der Vorwurf der Fotografen: Anders als in Ostritz habe es in Riesa keine Vorkontrollen der Teilnehmer durch die Polizei gegeben. Die einzigen Personen, die von den Beamten kontrolliert wurden, seien die Beobachter selbst gewesen. Zudem habe sich die Polizeipräsenz auf kurze Kontrollfahrten im Wohngebiet beschränkt, der Staatsschutz sei dreimal mit einem Zivilfahrzeug vor Ort gewesen. Die Polizei ließ eine SZ-Anfrage dazu vom Montag bis zum Mittwoch unbeantwortet. (SZ/csf)