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Freitag, 09.11.2018

Super-Sommer sorgt für gutes Weinjahr

Die hohe Qualität des Weines im Gut Pesterwitz kann ein Problem aber nicht ausgleichen.

Von Annett Heyse

Zwar ließ die Hitze des Sommers 2018 die Blätter an den Rebstöcken von Winzer Lars Folde welken, aber Ertrag und Qualität waren hervorragend.
Zwar ließ die Hitze des Sommers 2018 die Blätter an den Rebstöcken von Winzer Lars Folde welken, aber Ertrag und Qualität waren hervorragend.

© Andreas Weihs

Freital. Manchmal kommt es besser, als man denkt: Trotz der enormen Trockenheit in den vergangenen Monaten hat das Gut Pesterwitz einen der besten Jahrgänge der jüngeren Vergangenheit in den Fässern lagern. „Die Ausbeute und Qualität beim Wein ist beachtlich“, sagte Gut-Chef Lars Folde. Trotz der Trockenheit hätten die Rebstöcke ordentlich getragen. Und nicht nur das.

Die enorme Sonneneinstrahlung sorgte dafür, dass die Trauben viel Zucker einlagern konnten. Dadurch entsteht ein höheres Mostgewicht als in durchwachsenen Sommern mit viel Regen. Das Mostgewicht wiederum bestimmt den Alkoholanteil im Wein – und damit die Qualität. Nachdem die Pesterwitzer in diesem Jahr ihre Trauben drei bis vier Wochen früher lesen konnten als in normalen Jahren, zeichnet sich bereits jetzt ein Super-Wein ab. „Ich rechne mit einer sogenannten Beerenauslese, also nicht nur einem Qualitätswein, wie wir ihn jedes Jahr haben, sondern sogar einem Prädikatswein“, sagte Folde.

Zudem hätte die langanhaltende Trockenheit dafür gesorgt, dass sich weniger Schädlinge im Pesterwitzer Weinberg verbreiteten. Es habe kaum Ausfälle aufgrund von Mehltau oder Fruchtfliegen gegeben. Weil selbst in der Erntezeit kaum Regen fiel, gab es 2018 auch kaum Fäulnisbefall. Und noch ein Vorteil ergab sich für die Winzer. Weil die Lese schon Mitte September vorüber war, blieben auch ungebetene Gäste – nämlich hungrige Vögel – dem Weinberg fern. Sie fanden wohl in den Holunderbüschen der Umgebung noch genügend Futter. Die Ernte ruht nun in Fässern im Weingut Schuh in Sörnewitz sowie im Weingut Prinz zur Lippe. Im März/April werden zunächst die Weißweine abgefüllt und nach abermaliger Lagerung im Sommer im Hofladen verkauft. Der Rotwein kommt im nächsten Herbst in den Handel.

In Pesterwitz werden auf rund neun Hektar zehn Sorten angebaut, acht davon sind Weißwein. Den größten Anteil hat der Müller-Thurgau, ein für Sachsen typischer Wein. Daneben werden unter anderem Bacchus, Weißburgunder und Scheurebe angebaut. Zudem haben die Pesterwitzer Winzer im vergangenen Jahr erstmals eine kleine Fläche mit Goldriesling angelegt.

Alles gut also? Nicht ganz. Zwar kamen die alten Rebstöcke gut über den Hitzesommer, weil sie tief genug wurzeln. „Irgendwie haben sie noch ausreichend Wasser gefunden“, sagt Lars Folde. Doch die neu gesetzten Pflanzen hat es erwischt. Diese hatten die Mitarbeiter von Gut Pesterwitz erst im Frühjahr neu gepflanzt. Der Großteil, in mancher Reihe bis zu 90 Prozent, ist jedoch vertrocknet. Der Betrieb hat nun neue Pflanzen bestellt – und verliert nicht nur Geld, sondern auch ein Jahr Zeit.