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Donnerstag, 04.01.2018

Süd- und Nordkorea telefonieren wieder

Nach zwei Jahren Funkstille gibt es erste Entspannungssignale und auch wieder eine direkte Verbindung in Panmunjom.

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Mit einem Fernglas schaut ein Besucher zur nordkoreanischen Seite vom Observatorium der Vereinigung in Paju, Südkorea.
Mit einem Fernglas schaut ein Besucher zur nordkoreanischen Seite vom Observatorium der Vereinigung in Paju, Südkorea.

© dpa/AP/Lee Jin-Man

Seoul/Washington. Süd- und Nordkorea haben im Zuge ihrer Annäherung eine wichtige Kommunikationsleitung an der Grenze wieder in Betrieb genommen. Die erste Kontaktaufnahme seit knapp zwei Jahren praktischer Funkstille erfolgte über eine von mehreren Telefonleitungen zwischen beiden Seiten im Grenzort Panmunjom, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul am Mittwoch mit. Beide Länder planen, über die Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang im Februar zu reden. Im starken Kontrast zu diesen Entspannungssignalen verschärfte US-Präsident Donald Trump seine Rhetorik gegenüber dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un.

Kim habe gerade erklärt, dass sein „Atomwaffenknopf immer auf seinem Schreibtisch“ sei, schrieb Trump am Dienstagabend im Kurznachrichtendienst Twitter. „Wird jemand aus seinem verarmten und ausgehungerten Regime ihn bitte darüber informieren, dass auch ich einen Atomwaffenknopf habe“, so der US-Präsident. „Aber er ist viel größer & mächtiger als seiner, und mein Knopf funktioniert!“

Nach überraschenden Signalen der Annäherung an den Nachbarn im Süden folgte am Mittwoch dann die Ankündigung Nordkoreas über den staatlichen Rundfunk, den direkten Draht in Panmunjom wieder freizuschalten. Angesichts zunehmender Spannungen hatte der Norden vor knapp zwei Jahren die Verbindungen gekappt. Nach Angaben des südkoreanischen Vereinigungsministeriums gibt es insgesamt 33 Telefon- und Faxleitungen für die innerkoreanische Kommunikation im Grenzort Panmunjom.

Das Büro des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In begrüßte die Ankündigung als einen ersten Schritt, „ein Umfeld zu schaffen, in dem eine Kommunikation zu jeder Zeit möglich ist“. Bei der ersten, etwa 20-minütigen Kontaktaufnahme sei es um „technische Details“ gegangen, sagte eine Sprecherin in Seoul. Südkoreas Präsident will künftige Gespräche mit Nordkorea möglichst auch dazu nutzen, über das Atom- und Raketenprogramm des Nachbarn zu sprechen. Es wird jedoch stark bezweifelt, ob sich Kim darauf einlässt.

Konservative Kommentatoren in Südkorea äußerten sich skeptisch: Sie warnen, dass Nordkorea mit seinem Vorstoß inmitten des Konflikts um sein Atomprogramm einen Keil zwischen die Verbündeten Südkorea und USA treiben und eine Aufhebung der südkoreanischen Sanktionen erreichen wolle. (dpa)

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