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Montag, 11.06.2018

Stromausfall – und was dann?

Die Krankenhäuser im Landkreis sind auf einen Notfall in der Energieversorgung besonders vorbereitet. Aber auch woanders gibt es Vorkehrungen.

Von Franz Werfel

Oliver Ronicke ist der Technische Leiter im Pirnaer Krankenhaus. Regelmäßig wartet sein Team die beiden Notstromaggregate, an denen im Notfall die Versorgung der Klinik hängt. „Wir machen mehr als vorgeschrieben“, sagt Ronicke.
Oliver Ronicke ist der Technische Leiter im Pirnaer Krankenhaus. Regelmäßig wartet sein Team die beiden Notstromaggregate, an denen im Notfall die Versorgung der Klinik hängt. „Wir machen mehr als vorgeschrieben“, sagt Ronicke.

© Norbert Millauer

Freital. Die Kellergänge in den Tiefen des Pirnaer Krankenhauses lassen nichts Spektakuläres vermuten. Doch hinter einer gut gesicherten Tür verbirgt sich ein großes, eisernes Herz. Noch schläft es, aber im Notfall würde es zu schlagen beginnen – und sicherstellen, dass in der Klinik vieles weitergehen kann wie zuvor.

Durch die Kellergänge führt Oliver Ronicke. Er ist der Technische Leiter des Klinikums – und damit auch verantwortlich dafür, dass im Falle eines großen Stromausfalls alles so gut wie möglich klappt. Er öffnet den Raum zum schlafenden Herzen. Es ist ein Notstromaggregat, dessen Motor Heizöl verbrennt und so Elektrizität erzeugt. „Wenn der Strom ausfällt, springt das von selbst an“, sagt Ronicke. Neben dem Gerät ist ein großer Tank in die Wand eingelassen. „Insgesamt haben wir mehr als 20 000 Liter Öl als Vorrat vor Ort.“ Nimmt man alles zusammen, könnte das Aggregat damit zehn bis 14 Tage lang durchlaufen – ohne dass Öl nachgetankt werden müsste.

Am wichtigsten in einem Krankenhaus ist die Technik, die das Leben von schwerkranken Patienten erhält: Beatmungsgeräte, Spritzenpumpen, Technik auf der Intensivstation, in den Operationssälen sowie im Schockraum der Notaufnahme. Die darf nicht ausfallen. „Die Lampen direkt über den OP-Tischen sind alle zusätzlich mit Batterien gesichert“, sagt Oliver Ronicke. Alle Geräte werden regelmäßig gewartet. Fällt der Strom aus, erkennen sie das sofort und zapfen ihren Strom von der Batterie. So sei ein reibungsloser OP-Ablauf stets gesichert.

Generell würde die Klinik bei einem mehrtägigen Stromausfall jedoch versuchen, ihr Leistungsspektrum zurückzufahren. Dann läge der Fokus auf den Not-OPs, mit Termin geplante Operationen würden erst mal abgesagt, sofern das medizinisch vertretbar sei. Auch würde man versuchen, Patienten zu verlegen, wenn sie das verkraften. Einen so großen Blackout, bei dem zeitgleich auch Klinken in Freital, Dresden und Dippoldiswalde betroffen wären, habe es glücklicherweise noch nicht gegeben.

Das Notstromaggregat ist gut gesichert. Täglich wird es überprüft, monatlich wird ein Testlauf durchgeführt und halbjährlich wird ein externer Stromausfall mit einem sogenannten Schwarztest simuliert. Dabei werden alle notwendigen Funktionen und Abläufe für den Ernstfall getestet und geübt. Alle drei Jahre kommt außerdem ein Sachverständiger ins Haus und prüft unabhängig, ob mit der Anlage alles in Ordnung ist. Von außen kann das Aggregat nicht manipuliert werden. „Vorgeschrieben ist, dass so ein Gerät innerhalb von 15 Sekunden anspringen muss. Unser schafft es in zehn“, so Ronicke. Sollte er wider Erwarten doch mal nicht laufen, steht noch ein zweites, etwas kleineres Gerät im Nebenraum. So ähnlich sind auch die beiden anderen Kliniken der Helios-Gruppe im Landkreis, in Freital und in Dippoldiswalde, für den Stromnotfall gesichert. Von dem Aggregat schlängeln sich orangefarbene Kabel nach oben. Diese sichern das Notstromnetz und schenken Zeit, wenn es in dem Keller brennen sollte. 90 Minuten können die Kabel einem schweren Feuer standhalten.

Keine hundertprozentige Sicherheit


Ein Farbsystem gibt es auch bei den Steckdosen in den meisten Krankenhauszimmern. „Die farbigen werden bei einem Stromausfall mit Notstrom versorgt“, sagt der Technik-Chef. Das gesamte Klinikum freilich ist nicht ans Notstromsystem angeschlossen. „Im Notfall müssten wir die warme Speisenversorgung einschränken.“ Die Nahrungsvorräte für Kaltspeisen würden in Pirna fünf Tage lang reichen. Oder externe Caterer würden einspringen.

Dieses Beispiel zeigt deutlich, worauf es beim Katastrophenschutz ankommt: Die einzelnen Institutionen müssen sich vernetzen und austauschen. „Insellösungen“, sagt Oliver Ronicke, „bei denen jeder sein eigenes Ding macht, helfen bei einem langen, flächendeckenden Stromausfall nicht weiter.“ 100-prozentige Sicherheit könne es sowieso nie geben. „Wir machen in vielen Bereichen mehr als vorgeschrieben.“ So wird versucht, die meisten Bereiche doppelt abzusichern, um Patienten und Mitarbeiter zu schützen. Ronicke hat auch das Notfallbuch für das Krankenhaus mitgeschrieben. Auf 50 Seiten stehen Verantwortliche und werden verschiedene Notfallszenarien durchgespielt: schwere Verkehrs- und Industrieunfälle, Hochwasser und Schneelagen, Bombenfunde und Großbrände. „Unsere Führungskräfte und Mitarbeiter werden dafür regelmäßig geschult.“

Um Insellösungen zu vermeiden, hat der Landkreis ein Energiekonzept für den Notfall erarbeitet. Im Dezember gab es dazu einen Workshop, an dem Rathäuser, Pflegeeinrichtungen und Hilfsorganisationen teilnahmen. Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime sind besonders sensible Bereiche. Weil zwei Drittel aller pflegebedürftigen Menschen im Landkreis zu Hause betreut werden, lud das Landratsamt zum Workshop auch ambulante Pflegedienste ein. Weil die Heime im Ernstfall gut vorbereitet sein sollen, hat der Landkreis Sirenen und Lautsprecher sowie Feldbetten beschafft – damit auch unverletzte, gesunde Personen gut betreut werden können.