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Mittwoch, 24.01.2018

Streit um Fluorid aus der Tube

Der Wirkstoff in Zahnpasta soll gefährlich sein, warnt eine Firma – und wirbt für ein alternatives Produkt. Was sagen Zahnärzte?

Das Streitobjekt: 4,99 Euro kostet die Zahnpasta ohne Fluorid.
Das Streitobjekt: 4,99 Euro kostet die Zahnpasta ohne Fluorid.

© karex

Macht Zahnpasta dumm? Seit vor einigen Tagen eine großformatige Anzeige in deutschen Tageszeitungen erschienen, sind viele Menschen verunsichert. „Fluorid – erste Verbraucherschützer rufen nach Verbot“, heißt es da. Und: „Fluoride sind zunehmend umstritten. Sie stehen im Verdacht, sich als Giftstoff im Körper abzulagern.“ Dabei wird auch auf eine Studie zu einer in Mexiko durchgeführten Studie verwiesen. Demnach führe eine höhere Fluoridaufnahme bei Schwangeren zu einem geringeren IQ der Kinder.

Als Alternative präsentiert die Bielefelder Firma Dr. Wolff ihr Produkt „Karex“. Das gibt es als Zahnpasta und Mundspülung und enthält statt Fluorid den Wirkstoff Hydroxylapatit. Dies sei ein natürlicher Baustein des Zahnschmelzes und bilde mit Zink und Xylit einen Anti-Karies-Wirkkomplex. Eine klinische Studie an mehreren deutschen Universitätskliniken habe bei „Karex“ die gleiche Wirksamkeit bewiesen wie bei fluoridhaltiger Zahnpasta.

Unter Zahnärzten habe die Werbung für großen Unmut gesorgt, sagt Dr. Thomas Breyer, Sprecher der Zahnärztekammer Sachsen. Gestern gingen die Bundeszahnärztekammer und zwei Fachgesellschaften in die Offensive. In einer Stellungnahme sprechen sie von einem unredlichen Marketingschachzug: „Die Behauptungen entbehren der wissenschaftlichen Datenlage.“

Die „herausragende kariesprophylaktische Wirksamkeit von Fluoridzahnpasten“ sei in vielen Studien belegt worden. Fluoride in Zahnpflegeprodukten seien nachgewiesenermaßen sicher und unbedenklich. „Gesundheitliche Nachteile sind nicht zu befürchten“, betonen die Fachleute. Demgegenüber beziehe sich die Werbung für „Karex“ auf eine noch nicht publizierte klinische Studie.

Falsch sei der Eindruck, unabhängige Verbraucherschutzorganisationen würden vor Fluorid warnen. Die mexikanische Studie habe keinerlei Relevanz für Deutschland, sagen die Fachorganisationen. Grund: Die Fluoridkonzentrationen in beiden Ländern unterschieden sich erheblich. Zudem gehe es bei den in Mexiko-Stadt untersuchten Schwangeren um die Fluoridaufnahme per Speisesalz und Trinkwasser, heißt es bei der Informationsstelle für Kariesprophylaxe. Zahnpasta spiele bei der systemischen Aufnahme eine unbedeutende Rolle, weil sie ausgespuckt werde. (rnw/sk)

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