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Mittwoch, 11.07.2018

Strafbefehl gegen frühere Tafel-Chefin

Die ehemalige Leiterin soll laut Staatsanwaltschaft in 43 Fällen betrogen haben. Sie rechnete gegenüber dem Arbeitgeber falsch ab.

Von Sylvia Jentzsch und Jens Hoyer

Die langjährige Leiterin der Döbelner Tafel soll 2200 Euro wegen Betrugs in 43 Fällen zahlen.
Die langjährige Leiterin der Döbelner Tafel soll 2 200 Euro wegen Betrugs in 43 Fällen zahlen.

© Archiv/André Braun

Döbeln. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hat den Erlass eines Strafbefehls gegen die frühere Chefin der Döbelner Tafel beim Amtsgericht Döbeln beantragt. Das sagte Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart auf Nachfrage des Döbelner Anzeigers.

Die langjährige Leiterin soll 2200 Euro wegen Betrugs in 43 Fällen zahlen. Der Strafbefehl sei zugestellt worden, nun bleibe abzuwarten, ob die Beschuldigte in Einspruch gehe. Dann würde im Amtsgericht Döbeln verhandelt, so Karin Fahlberg, Richterin am Amtsgericht Döbeln.

„Die Angeschuldigte wird beschuldigt, als Mitarbeiterin der Awo-Kreisverbandes Mulde-Collm, speziell für die von dem Verein betriebene Tafel in Döbeln, von April 2013 bis Mai 2017 in insgesamt 43 Fällen Anträge zur Auszahlung von Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Mitarbeiter bei ihrem Arbeitgeber eingereicht zu haben, obwohl diese Mitarbeiter für die Arbeiterwohlfahrt tatsächlich nicht tätig geworden sind“, sagte Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart. So getäuscht veranlasste der zuständige Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt die Auszahlung der Geldbeträge an die in den Anträgen bezeichneten Personen. Insgesamt handelte es sich um einen Betrag in Höhe von 3400,00 Euro.

Der früherer Betreiber der Döbelner Tafel, der Awo-Kreisverband Mulde-Collm, hatte im Sommer vergangenen Jahres Anzeige erstattet, als Unregelmäßigkeiten ans Licht kamen. Der Vorstand des Verbandes habe seine Zustimmung für die Anzeige erteilt, sagte der Awo-Vorsitzende Olav Chemnitz. Konkreter wurde Daniel Schippan, Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes. Der Verband hatte Fördermittel als Aufwandsentschädigungen an ehrenamtliche Mitarbeiter ausgezahlt, die aber zu diesem Zeitpunkt gar nicht bei der Tafel gearbeitet haben. „Von insgesamt zehn Teilnehmern haben zumindest in diesem Jahr vier mitgearbeitet und sechs nur auf dem Papier gestanden“, sagte Schippan.

Als Aufwandsentschädigung habe der Verband den freiwilligen Helfern je 40 Euro pro Monat überwiesen. „Die angeblichen Teilnehmer haben das Geld bekommen und der Leiterin übergeben. Sie hat uns gegenüber angegeben, dass sie das Geld für die Tafel verwendet hat. Aber das ist absurd. Es gibt keine Einzahlungsbelege“, sage Schippan.

Sowohl Teilnehmer als auch Leiterin hätten unterschrieben. Ansonsten sei es schwierig, den tatsächlichen Personalbestand zu prüfen. „Es sind ja nicht alle Helfer gleichzeitig im Haus“, so Schippan.

Im Sommer 2017 hatte der Verein Netz-Werk Mittweida die Tafel übernommen. In diesem Zusammenhang sei festgestellt worden, dass einige der angegebenen Helfer gar nicht bei der Tafel beschäftigt waren, sagte Schippan. Die Leiterin war zu diesem Zeitpunkt im Urlaub. Später bei einem Gespräch habe sie die Manipulationen zugegeben.

„Wir waren bestürzt, als wir das erfahren haben. Es gab immer zu wenig Personal für die Tafel. Es ist dadurch auch verhindert worden, dass zusätzliche Helfer gefunden werden“, so Schippan. Die Leiterin hatte auch gegenüber dem Döbelner Anzeiger immer wieder gesagt, dass sie aufgrund der dünnen Personaldecke keinen Urlaub nehmen kann. „Wir haben die Leiterin immer wieder aufgefordert, ihren Urlaub in Anspruch zu nehmen. Die Arbeit hätten in dieser Zeit Mitarbeiter in Mini-Jobs und Ehrenamtliche übernehmen können. Sie hat das immer boykottiert. Auch das ist ein Indiz, dass da etwas nicht gestimmt hat“, so Schippan.

Vor zwei Jahren hatte der Awo-Kreisverband beschlossen, die Tafel aufzugeben, der Leiterin war gekündigt worden. Mit Netz-Werk-Mittweida hat sich ein neuer Betreiber gefunden.