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Dienstag, 12.06.2018

Storchenbaby gerettet

Ein Jungvogel ist aus dem Nest gefallen oder geschubst worden. Anwohner haben sich um ihn gekümmert. Jetzt ist er in Loburg.

Von Heike Heisig

Mit Appetit hat der in Polditz aus dem Nest gestürzte Jungstorch Würmer und Geflügelfleisch verspeist. Um „Poldi“ später wiederzuerkennen, hat er einen roten Farbtupfer erhalten. Jetzt wird er erst einmal aufgepäppelt.
Mit Appetit hat der in Polditz aus dem Nest gestürzte Jungstorch Würmer und Geflügelfleisch verspeist. Um „Poldi“ später wiederzuerkennen, hat er einen roten Farbtupfer erhalten. Jetzt wird er erst einmal aufgepäppelt.

© Klaus Döge

Leisnig/Polditz. Das ist gerade noch einmal gut gegangen. Vorige Woche ist ein Jungvogel des Storchenpaares in Polditz unter dem Horst liegend gefunden worden. Ein Anwohner hat sich des Tieres angenommen und sich vor allem wegen der Fütterung des kleinen Findlings wenig später hilfesuchend an Klaus Döge vom „Coreteam Sachsen-storch“ gewendet. Die Gruppe betreibt unter anderem eine Internetseite für Weißstorchfreunde und Betreuer. Überdies leistet sie aber auch praktische Hilfe – wie im Fall von „Poldi“. So haben die „Storchenretter“ den Jungstorch aus Polditz genannt.

Auf Klaus Döges Rat hin hat der Polditzer seinen Kompost nach Regenwürmern umgegraben, rohe Geflügelstücke klein geschnitten und dem Storch vorgesetzt. Dass das Jungtier den Wurm-Geflügel-Cocktail mit einem Bärenhunger verspeist hat, ließ den Finder aufatmen. Er gab die Verantwortung schließlich an Uwe Seidel ab. Der Kleinbothener ist ebenfalls Mitglied im Coreteam. Er sorgte mit einer Rotlichtbestrahlung kurzzeitig für eine Art Nestwärme. Klaus Döge war es schließlich, der „Poldi“ zur Vogelschutzwarte nach Loburg im Landkreis Jerichower Land (Sachsen-Anhalt) brachte.

Wie Döge auf der Sachsenstorch-Seite im Internet berichtet, werden in Loburg im Moment über 20 Waisen per Hand aufgepäppelt. Das sind im Vergleich zu anderen Jahren viele Tiere, wie Storchenhof-Mitarbeiter Christoph Kaatz erzählte. Der Polditzer Storch ist der 1770., der seit Bestehen des Hofes 1979 aufgenommen wurde. Aber auch um Eulen, Reiher und andere Vögel kümmern sich die Mitarbeiter dort.

Sein neues Umfeld soll „Poldi“ mit Fauchen begrüßt haben. „Das zeigte uns aber, dass er mobil ist und den Sturz augenscheinlich unbeschadet überstanden hat“, so Klaus Döge. In Loburg sei der Findling jetzt mit anderen Jungstörchen zusammen. Wenn er alt genug sei, soll er in einen Horst mit wenig Jungen gesetzt werden – möglicherweise sogar in seinen elterlichen in Polditz. Eine derartige Eingliederung sei dem Storchenteam im vergangenen Jahr mit „Aki“ in Otterwisch gelungen.

„Wie viel Nachwuchs es in Polditz gibt, lässt sich im Moment noch nicht sagen“, so der für den Raum Döbeln zuständige Naturschutzbeauftragte Siegfried Reimer. Er hat schon vor ein paar Jahren ein totes Junges am Fuß des ehemaligen Straßenbeleuchtungsmastes fotografiert, auf dem sich der Horst befindet. „Dass Jungvögel aus dem Nest herausgeworfen werden, kommt in den letzten Jahren immer häufiger vor“, schätzt Reimer ein. Grund sind seiner Meinung nach die sich häufenden extrem unterschiedlichen Wetterlagen. Langanhaltende, nasskalte, stürmische genau so wie außergewöhnlich lange trockene Zeiten reduzieren das Nahrungsangebot auf ein Mindestmaß. Dann trennen sich Storcheneltern schon mal von ihrem Nachwuchs. „Beim Herauswerfen aus dem Nest muss es nicht bleiben. Es kann sogar bis zur kompletten Aufgabe der Brut führen“, sagt der Naturschutzbeauftragte. „Keine Nahrung – kein Nachwuchs.“

Seit 2013 hat sich bis auf eine Ausnahme jedes Jahr ein Storchenpaar in Polditz niedergelassen und Junge aufgezogen.

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