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Montag, 20.07.2015

Stolpersteine für NS-Opfer

Gedenksteine erinnern an deportierte und ermordete Juden. Bald auch in Bischofswerda.

Bischofswerda erhält am 1. August seine ersten drei Stolpersteine.
Bischofswerda erhält am 1. August seine ersten drei Stolpersteine.

© Uwe Soeder

Bischofswerda. In vielen Orten, unter anderem in Bautzen, gibt es sie schon: Stolpersteine aus Messing, die an ermordete und deportierte Juden erinnern. Nun kommt diese Form des Gedenkens auch nach Bischofswerda. Vorm Haus Bischofsstraße 15 wird der Kölner Bildhauer Gunter Demnig am 1. August drei Stolpersteine in den Fußweg einlassen. Sie erinnern an das jüdische Ehepaar Samuel und Friderike Hoffmann und deren Tochter Hella, die einst in diesem Haus lebten. Alle drei wurden Opfer des Rassenwahns der Nationalsozialisten.

Eine moralische Pflicht

In der Stadt Bischofswerda sind es die ersten Stolpersteine. Dass sie installiert werden, geht auf eine Initiative des Burkauers Mathias Hüsni zurück. „Ich halte es für eine moralische Pflicht, auch an diesen Teil der Stadtgeschichte zu erinnern“, sagte Hüsni, der Lehrer und Mitglied im Museums- und Geschichtsverein Bischofswerda ist. Die Stolpersteine kosten rund 300 Euro. Finanziert werden sie zum großen Teil aus der Sammelstiftung der Stadt Bischofswerda. Der städtische Bauhof wird zudem die Arbeiten ausführen, die notwendig sind, um die Steine im Fußweg zu verlegen. Zudem sind private Spenden willkommen. Gebraucht wird das Geld zum Beispiel für Genehmigungen von Ämtern und den Druck eines Flyers, der über Juden in Bischofswerda informiert.

Von Bischofswerda nach Brasilien geflüchtet

Viele Zeugnisse jüdischen Lebens gibt es nicht in der Stadt. Samuel Hoffmann war Textilwarenhändler. Die Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten traf auch seine Familie. Mit seiner Frau wurde er zu Beginn der 1940er-Jahre nach Theresienstadt deportiert. Dort schlug ihm ein Wachmann mit einem Gewehrkolben ins Gesicht und verletzte ihn schwer. So schwer, dass sein Gesicht total entstellt wurde. Er überlebte dank des Schweizer Roten Kreuzes, das ihn freikaufte. Seine Frau überlebte die Qualen in Theresienstadt nicht. Tochter Hella war bereits 1933 gleich nach dem Machtantritt Hitlers nach Brasilien emigriert. (szo)