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Freitag, 14.09.2018

Still(gelegt)er Ort

Die Zahl der Bestattungen geht zurück. An diesem Sonntag soll der Friedhof als Ort gewürdigt werden.

Von Sarah Herrmann

Auch auf der Äußere Matthäusfriedhof beteiligt sich am Sonntag am Tag des Friedhofs.
Auch auf der Äußere Matthäusfriedhof beteiligt sich am Sonntag am Tag des Friedhofs.

© Sven Ellger

In der alten Friedhofsgärtnerei auf dem Äußeren Matthäusfriedhof werden keine Grabgestecke mehr gebunden. Stattdessen züchten Schüler dort seltene und bedrohte Pflanzen, die später ausgewildert werden. Seit 1983 ist die Anlage auf der Bremer Straße stillgelegt und wird seit 2013 vom Umweltzentrum Dresden für Projekte genutzt. Dieses Schicksal winkt auch zahlreichen anderen Anlagen.

Denn die Zahl der Sargbestattungen geht seit Jahren kontinuierlich zurück. Die Feuerbestattungen machen mittlerweile rund 90 Prozent aller Beisetzungen aus. Hinzu kommen alternative Formen wie Gemeinschaftsgräber und Friedwälder. Ein Grund für diese Entwicklung ist, dass weniger Leute bereit sind, viel Geld und Pflege in die Gräber zu stecken. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Friedhöfe weniger einnehmen und Flächen auf den Anlagen ungenutzt bleiben.

Die Stadt hat deswegen erst kürzlich ein Entwicklungskonzept vorgelegt. Demnach sollen rund 26 Hektar auf 30 Anlagen stillgelegt werden. Das bedeutet, dass dort keine neuen Beisetzungen mehr stattfinden. Welche Friedhöfe das betrifft, sollen die Träger selber entscheiden. Denkbar wäre es, die ungenutzten Flächen als Biotope oder für Streuobstwiesen zu nutzen.

An diesem Sonntag sollen die Friedhöfe allerdings noch einmal besonders gewürdigt werden. „Friedhöfe sind keine gewöhnlichen Orte in unserer Stadt, erzählen sie doch vom Leben und Sterben, vom Lieben und Geliebtwerden, von Schmerz und Hoffnung“, sagt Detlef Thiel, Leiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft. Unter dem Motto „Friedhöfe (er)leben“ laden Stadtverwaltung und die Landeskirche Sachsen zum Tag des Friedhofs.

Zwischen 10 und 17 Uhr finden auf 15 Friedhöfen im gesamten Stadtgebiet verschiedenste Aktionen statt. So können Besucher auf dem Johannisfriedhof ab 14.30 Uhr auf der Wehlener Straße auf den Spuren von Hinrichtungsopfern der nationalsozialistischen Justiz wandeln, auf dem Alten Annenfriedhof sind Bilder und Dokumente aus den vergangenen 170 Jahren zu sehen, viele Anlagen laden zu Konzerten und verschiedenen Führungen. Wer sehen will, wie die Zukunft der Friedhöfe aussehen könnte, hat auf dem Äußeren Matthäusfriedhof die Chance dazu. Zwischen 11 und 13 Uhr zeigt das Umweltzentrum Dresden dort, was es aus dem stillgelegten Ort gemacht hat. (mit SZ/noa)

Das gesamte Programm gibt es online unter: dresden.de/friedhofstag