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Montag, 08.05.2017

Steimle stellt sein Türmchen auf

Nach der Kloschüssel kommt der Halbmond-Fernsehturm: Auf dem Neumarkt hat Günther Zieschong alias Uwe Steimle ein hölzerne Skulptur präsentiert. Steimle will „Brücken bauen zwischen den sich nicht verstehenden Lagern“.

Uwe Steimle auf dem Neumarkt
Uwe Steimle auf dem Neumarkt

© Sven Ellger

Dresden. Vor ziemlich genau acht Jahren ist es Uwe Steimle schon einmal gelungen, mit einem „Kunstwerk“ eine Debatte in Dresden anzuschieben. Damals stellte er eine mit Stiefmütterchen bepflanzte Kloschüssel auf dem Postplatz auf, um so gegen die betonlastige Gestaltung des Areals zu protestieren. Am Montag suchte der Kabarettist erneut die innerstädtische Bühne, diesmal aber mit einem eher randstädtischen Thema: dem Fernsehturm.

Kurz vor 11 Uhr stellte sich Steimle mit einer hölzernen Miniaturausgabe des Bauwerks auf den Platz vor der Frauenkirche. Zwei Stunden wurde es trotz Regenschauern dort gezeigt. Länger bräuchten die Dresdner auch nicht, um ein Anliegen zu verstehen, sagte er bereits vergangene Woche in einem Gespräch mit der SZ. In Anspielung auf das vor zwei Wochen eingeweihte „Denkmal für den permanenten Neuanfang“, das zwei Jahre lang auf dem Neumarkt stehen soll, wiederholte er diese Aussage am Montag.

Bilder von Steimles Aktion auf dem Neumarkt

Allerdings könnte es mit dem Verständnis doch etwas dauern, denn längst nicht alle Zuschauer, die Steimle in mehreren Reihen umringten, vernahmen auch die Ansprache des Kabarettisten. „Man versteht den hier ni“, murmelte es unter vielen Regenschirmen. Worum es Steimle mit dem Miniturm im Kern geht, blieb zumindest für diese Besucher zunächst offen.

Einerseits ist das Kunstwerk natürlich als Aufruf an die Stadt zu werten, um dem Vorhaben zur Wiedereröffnung des Fernsehturms neuen Anschub zu geben. Andererseits nimmt der Kabarettist Bezug auf die zuletzt umstrittenen Ausstellungen auf dem Neumarkt. Er appellierte dabei an die Dresdner, auf Kunstinstallationen statt mit Pöbeleien mit mehr Humor zu reagieren. Auf einem Flugblatt, das der Schauspieler zu Beginn der Aufstellung verteilte, war zu lesen: „Als euer Günther Zieschong (Anm. d. Red.: eine Kunstfigur Steimles) will ich Brücken bauen zwischen den sich nicht verstehenden Lagern.“

So richtig zur Geltung kam Steimles Holzturm indes nicht: Der misst etwa 170 Zentimeter und steht auf einer rosaroten Fußbank. „Die ist nicht so schwer und teuer wie eine Hebebühne und braucht keine extra Genehmigung“, sagte Steimle. Auf der Spitze der Fernsehturm-Installation prangt ein Halbmond. Der Name des Werks lautet „Rischdsche Gunsd“. Sie komme - ebenso wie Steimle - aus dem Volk und könne deshalb sogar als „rischdsche Volkskunst“ bezeichnet werden, stand auf dem Flugblatt.

Nach einer reichlichen halben Stunde verschwand Steimle und ließ miteinander in kleinen Gruppen diskutierende Menschen auf dem Neumarkt zurück. Die Gesprächsthemen reichten dabei von Kunstinstallationen über die aktuelle Politik bis hin zur Reichsbürger-Problematik.

Bei den Kommentatoren auf sz-online.de und Facebook rief Steimles Aktion in der vergangenen Woche sehr unterschiedliche Reaktionen hervor. Viele meinten, es sei eine „klasse Aktion“, andere wiederum hielten das Ganze für „personalisierten Provinzgeist“ oder einfach „nur peinlich“. Und manche sehen darin den Versuch eines „Z-Schauspielers“, um ins Gespräch zu kommen.

Gewirkt hat die öffentliche Ankündigung jedenfalls. Zur Aufstellung des hölzernen Fernsehturms kamen etwa 200 bis 250 Menschen mit Tagesfreizeit, unter ihnen überwiegend Ältere. (fsc/mja)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 61 Kommentare

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  1. so ä dresdner

    Renter müsste man sein. Neben der Tagesfreizeit die man hätte wüsste man dann vielleicht auch was der Herr Steimle mit seinem Schwurbel-Manifest meint...

  2. Sören

    Bin ja mal gespannt, wie lange es noch dauert bis auch Steimle, wie so einige vor ihm bereits vor allem in letzter Zeit, auf der Abschußliste steht, denn sich mit der Obrigkeit anzulegen, ging vor '89 nicht und heute ist es (wieder) nicht viel anders...

  3. Tom Wolf

    "Zuschauer mit Tagesfreizeit" - lese ich da ein klein wenig Gehässigkeit zwischen den Zeilen, lieber Redakteur des ehemaligen Organs der SED-Bezirksleitung? Etwas (N)Ostalgie darf doch erlaubt sein ...

  4. AB

    Berichterstattung über Vorkommnisse in unserer Stadt ist wünschenswert und das macht Ihr bei der SZ auch sehr gut. Was mir nicht ganz klar ist und was ich auch irgendwie als sehr schlechten, bis miesen Stil betrachte, ist die insinuierende Wortwahl, bzw. Wortkreation von "Tagesfreizeit". Habt ihr soetwas nötig? Dann veröffentlicht den Artikel als Kommentar, dann könnt Ihr Eure persönlichen Meinungen und Abneigungen noch klarer definieren und müsst nicht so herumschwurbeln und neue Worte kreiieren.

  5. colate

    Wie darf man die im Artikel verwendete süffisante Ausdrucksweise "Menschen mit Tagesfreizeit" für ältere Mitbürger verstehen?

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