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Mittwoch, 11.07.2018

Staubtrockene Felder

Die Landwirte im Kreis Bautzen ernten bis zu 50 Prozent weniger als sonst. Das gab es zuletzt vor 15 Jahren.

Von Jana Ulbrich und Ingolf Reinsch

Auf den Feldern im Landkreis hat die Rapserne begonnen. Die Erträge fallen in diesem Jahr um bis zu 40 Prozent geringer aus als normalerweise. Von den sandigeren Standorten nördlich von Bautzen wird sogar nur halb so viel geerntet als sonst.
Auf den Feldern im Landkreis hat die Rapserne begonnen. Die Erträge fallen in diesem Jahr um bis zu 40 Prozent geringer aus als normalerweise. Von den sandigeren Standorten nördlich von Bautzen wird sogar nur halb so viel geerntet als sonst.

© Uwe Soeder

Bautzen / Kamenz. Normalerweise müsste der Mais Stefan Triebs jetzt schon längst über den Kopf gewachsen sein. Aber die Pflanzen reichen dem 1,80-Meter-Mann gerade mal bis zur Schulter. Die Blätter sind zusammengeringelt, die Blütenstände vertrocknet, Kolbenansätze gar nicht erst gebildet. Das sieht nicht gut aus. Der Chef der Saritscher Agrargesellschaft runzelt die Stirn. „Der Mais hat aufgehört zu wachsen“, sagt er. „Das hatten wir lange nicht mehr.“

Dabei sehen die Felder rund um Saritsch insgesamt noch ganz gut aus. Sie haben Ende Mai einen Starkregen abbekommen. Davon haben die Kulturen noch halbwegs lange zehren können. „Wir haben hier auch relativ guten Boden, der die Feuchtigkeit lange speichern kann“, sagt Triebs, „da haben wir noch richtig Glück.“ Vielen seiner Kollegen im Landkreis geht es da ganz anders. Vor allem von den sandigeren Standorten nördlich von Bautzen ist nur noch wenig zu holen. Auch der lang ersehnte Regen, der am Mittwoch endlich eingesetzt hat, wird daran nicht mehr viel ändern können.

Markus Büttner vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Kamenz schätzt die Ertragsausfälle bei der Wintergerste auf mehr als 30 Prozent, beim Raps und beim Winterroggen sogar auf bis zu 50 Prozent. „So eine extreme Dürre hatten wir zuletzt vor 15 Jahren“, sagt Büttner.

Kleinere Körner, kleinere Preise

Auch Peter Eisold, Geschäftsführer der Taucherwald Agrargesellschaft in Auschkowitz, spricht von der „schlechtesten Ernte seit mindestens zehn Jahren“. Zu den geringeren Ertragsmengen kämen auch noch die Qualitätseinbußen: Kleinere Körner bringen eben auch nur kleinere Preise. Teilweise kann ursprünglich bestes Brotgetreide nur noch als Tierfutter verkauft werden. Auch die gegenüber dem Vorjahr immerhin um zehn Prozent gestiegenen Getreidepreise könnten die Ernteverluste finanziell nicht kompensieren.

Mario Voigt, Chef der Geißmannsdorfer Agrargesellschaft, macht noch auf ein anderes Problem aufmerksam: „Es fehlt in Größenordnungen an Grünfutter“, sagt er. Schon der erste Grünschnitt in diesem Frühjahr hat nur drei Viertel der sonst üblichen Menge gebracht, der zweite Schnitt sogar nur noch die Hälfte. Und zurzeit wächst auf den Wiesen und Weideflächen überhaupt kein Gras mehr. „Bevor derart verbrannte und vertrocknete Flächen wieder Biomasse bilden, das dauert lange“, erklärt Markus Büttner vom Landesamt. Hinzu kommt, dass es auch dem Mais an Masse und – wenn die Pflanzen keine Kolben ausbilden – an wertvoller Energie für das Tierfutter fehlen wird.

Dringend mehr Regen nötig

Viele Landwirte, ahnt Büttner, werden Futter zukaufen müssen. Beim Bauernverband befürchtet man aber bereits, dass die Futterknappheit dazu führen könnte, dass Tierbestände abgebaut werden müssten. Inzwischen dürfen Landwirtschaftsbetriebe deshalb auch die von der EU geforderten Brachflächen zur Futtergewinnung nutzen, müssen das aber beim Landesamt in Kamenz beantragen. Einige Landwirte behelfen sich damit, auf den drei Wochen zu früh abgeernteten Feldern noch mal Grünfutter als Zwischenfrucht anzubauen. Aber auch dafür braucht es dringend mehr Regen.

Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) hat den Bauern bereits zugesichert, Hilfen aus einem Notfallfonds zur Verfügung zu stellen. Dafür müssen die Betriebe aber genau nachweisen, dass ihre Verluste mehr als 30 Prozent ihrer gesamten Jahresernte der letzten drei Jahre betragen. Auch die Finanzämter wollen den Bauern entgegenkommen. Sie würden die Belange der betroffenen Landwirte bei den Steuern angemessen berücksichtigen, heißt es aus dem Finanzministerium.

„Das ist alles mit sehr viel Aufwand und Bürokratie verbunden“, weiß Stefan Triebs von der Saritscher Agrargesellschaft. Endlich hat es zu regnen begonnen, ein schöner, langer Landregen. „Das wird noch lange nicht reichen“, sagt Triebs. Und für viele Kulturen kommt der Regen auch schon zu spät.