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Montag, 10.09.2018

Startschuss für den Plastikfänger

Von Barbara Munker

Mission sauberer Ozean: Eine 120 Meter lange Einheit des Reinigungssystems „The Ocean Cleanup“. In Summe ist die U-förmige Anlage fünfmal so lang. Sie soll knapp 500 Kilometer vor der Westküste der USA Plastikmüll aus dem Meer sammeln. Foto: dpa
Mission sauberer Ozean: Eine 120 Meter lange Einheit des Reinigungssystems „The Ocean Cleanup“. In Summe ist die U-förmige Anlage fünfmal so lang. Sie soll knapp 500 Kilometer vor der Westküste der USA Plastikmüll aus dem Meer sammeln. Foto: dpa

© dpa

Im Schneckentempo zieht eine riesige schwarze Kunststoffröhre mit der Aufschrift „System 001“ durch die Bucht von San Francisco. Die 600 Meter lange überdimensionale „Schwimmnudel“ hält am Samstag im Schlepptau eines Schiffes Kurs auf den größten Müllteppich der Welt, zwischen Kalifornien und Hawaii. Der Große Pazifische Müllwirbel, der Great Pacific Garbage Patch, gehört zu den fünf größten Strömungswirbeln, an denen sich gigantische Mengen Plastikabfall sammeln.

An diesem „historischen Tag“, wie der Niederländer Boyan Slat den Startschuss für sein Projekt „The Ocean Cleanup“ nennt, strahlt die Sonne über San Francisco. Segelboote und Kajaks eskortieren den Schwimmkörper, Schaulustige winken von der Golden Gate Brücke. „Es sieht magisch aus“, freut sich Slat, der mit Reportern aus aller Welt den Stapellauf von einem Begleitboot verfolgt. „Es ist unsere Mission, die Weltmeere von Plastik zu befreien“, erklärt der 24-Jährige.

Fünf Jahre lang hat das Team Modelle getestet, Expeditionen und Analysen durchgeführt und die Konstruktion für das Projekt immer wieder verändert. „System 001“ wurde seit März in der Bucht von San Francisco zusammengebaut, knapp 500 Kilometer vor der Küste wird es nun zwei Wochen lang einer Generalprobe im offenen Meer unterzogen. Dann soll es 2 000 Kilometer weiter gen Westen zum Pazifischen Müllwirbel gehen. Am Schwimmkörper hängt eine Art Vorhang aus dicht gewebtem Plastik drei Meter tief ins Wasser. Die Konstruktion soll später mit der Meeresströmung und von Wellen und Wind getrieben durch den Müllteppich gleiten. Wie Fangarme sollen sich die beiden Enden des Kunststoffrohrs U-förmig um die Plastikteile legen, so der Plan.

Ziel: 60 solcher Reinigungsanlagen

Bedenken, dass sich Meerestiere in der schwimmenden Barriere verfangen, weist das Team von „The Ocean Cleanup“ zurück. „Es gibt kein Netz, in dem sie hängen bleiben könnten“, erklärt der Ozeanograf Laurent Lebreton. Tiere würden an dem undurchlässigen Vorhang quasi abgleiten und mit der Wasserströmung unter der Anlage wegtauchen.

Die nächsten Monate mit kritischen Tests werden „recht nervenaufreibend“ sein, glaubt Slat. Er freue sich aber jetzt schon darauf, wenn das erste Schiff mit einer Ladung Plastik in den Hafen einlaufe. Schiffe sollen wie Müllwagen zu den Anlagen fahren und das umzingelte Sammelgut zur weiteren Verarbeitung oder Entsorgung an Land bringen, so die Vorstellung des Erfinders. Läuft alles wie geplant, dann sollen 60 derartige Anlagen installiert werden, nicht nur im Pazifik, sondern auch in anderen Strömungswirbeln. Das Ziel von „The Ocean Cleanup“: Bis 2040 sollen weltweit 90 Prozent des Plastikmülls in den Ozeanen beseitigt werden.

Verpackungen, Flaschen, Tüten, Fischernetze – schon jetzt verschmutzen gigantische Mengen Plastik die Weltmeere. Wissenschaftler von „The Ocean Cleanup“ und verschiedenen Universitäten sprechen von 1,8 Billionen Plastikteilen alleine im am stärksten verschmutzten Pazifikgebiet, das sich über eine Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern erstreckt – mehr als viermal die Fläche Deutschlands. Wie viel es weltweit ist, weiß keiner genau. Schätzungen gehen von bis zu 150 Millionen Tonnen aus. Plastik kann sich in kleinste Partikel zersetzen, auch giftige Stoffe gelangen in die Nahrungskette. (dpa)

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