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Montag, 08.10.2018

Stahl in Unterzahl ohne Chance

Von Jürgen Schwarz

Der Kamenzer Tormann Michael Mikolajczuk schnappt sich hier den Ball vor dem Riesaer Andre Köhler. Weil seine Vorderleute den Elbestädtern vier Treffer einschenkten, kam es trotz ansprechender Leistung der Riesaer letztlich zu einem „standesgemäßen“ 4:0. Foto: Sylvia Krüger
Der Kamenzer Tormann Michael Mikolajczuk schnappt sich hier den Ball vor dem Riesaer Andre Köhler. Weil seine Vorderleute den Elbestädtern vier Treffer einschenkten, kam es trotz ansprechender Leistung der Riesaer letztlich zu einem „standesgemäßen“ 4:0. Foto: Sylvia Krüger

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Die BSG Stahl Riesa ist nach zwei Last-Minute-Siegen in Großenhain und gegen Neusalza-Spremberg wieder hart auf dem Boden der Realität aufgekommen. Beim Oberliga-Absteiger SV Einheit Kamenz unterlag die Mannschaft von Trainer Daniel Küttner mit 0:4 (0:2). Erschwerend kam hinzu, dass Willy Christoph Mörer schon vor der Pause die Gelb-Rote Karte sah (44.). Nach einem Foul sah der junge Mann den gelben Karton, wenige Minuten später wegen Ballwegschlagens die Ampelkarte. Eine korrekte Entscheidung durch den Dresdner Schiedsrichter Gunnar Stary. „Das 0:4 fällt sicherlich etwas zu hoch aus. Zumindest in den ersten 45 Minuten waren wir gut in der Partie, hätten da durchaus in Führung gehen können, wenn nicht sogar müssen“, meinte Küttner nach dem Abpfiff. Zu Platzverweis fiel dem Stahl-Coach nicht viel ein: „Eine völlig sinnlose Aktion. Bis dahin war ich eigentlich noch zuversichtlich, obwohl wir 0:2 hinten lagen.“

Im Stadion der Jugend gab es schon vor dem Anpfiff zufriedene Gesichter. Dank der angereisten Riesaer Fans kamen immerhin 177 Zahlende zusammen – für Kamenzer Verhältnisse schon eine Top-Kulisse. Vor allem ein Spieler schien besonders motiviert: Philipp Schmidt, der Stahl-Keeper Alexander Goldhammer gleich dreimal überwand (23., 67., 77./Foulelfmeter). Allerdings leistete der 1,92-m-Riesa zumindest beim ersten Gegentor kräftig Mithilfe, als Schmidt das Leder aus rund 40 Meter Entfernung ins Riesaer Tor schoss. „Den musst du erst mal so machen, aber natürlich hatte der Riesaer Schlussmann eine Aktie daran“, gab der Kamenzer Trainer Frank Rietschel unumwunden zu. „Für uns war es der Türöffner. Mit dem 2:0 durch Sandro Schulze in der 34. Minute und dem Platzverweis für Stahl kurz vor der Halbzeit war die Partie natürlich vorentschieden.“ Allerdings hatte auch Rietschel nicht übersehen, dass die Riesaer eigentlich gut in die Partie gekommen waren. Zwar hatten die Gäste in der 7. Minute fast ein Eigentor produziert (der Ball sprang an den Pfosten), aber danach auch eine Großchance durch Paul Kiontke, der freistehend einen Kopfball nicht im Netz unterbringen konnte (14.). „So kennt man ihn gar nicht, den muss er eigentlich machen“, gab selbst Rietschel zu. Der 47 Jahre alt Ex-Profi sitzt bei den Lessingstädtern übrigens seit dem 1. Juli 2013 auf dem Trainerstuhl, führte Einheit vor einem Jahr in die Oberliga, stieg aber mit seiner Mannschaft postwendend wieder ab. Das Präsidium stärkte Rietschel denn noch Rücken, verpflichtete mit Dirk Rettig sogar noch einen namhaften Co-Trainer und trennte sich von einer Handvoll ehemaliger Leistungsträger. Auch eine Möglichkeit, neue Akzente und/oder einen Kurswechsel einzuleiten.

Am Ende stand für die Kamenzer nach der englischen Woche eine tadellose Bilanz mit drei Siegen und 10:0 Toren zu Buche. In der Tabelle rangiert Einheit mit einem Punkt Rückstand hinter Grimma auf Platz zwei. Die Riesaer werden mit ihrer Ausbeute von sechs Zählern (nach vier Auftaktniederlagen) auch gut leben können, wenngleich der Abstiegskampf längst begonnen hat. Nach dem kommenden Pokal-Wochenende, bei dem die Stahl-Kicker nur noch Zuschauer sind, steht am 20. Oktober das Heimspiel gegen den Radebeuler BC an. Daniel Küttner weiß, wo er ansetzen muss: „Insgesamt waren gute Ansätze da, aber auch ein naives Verhalten in Bezug auf Zweikampfverhalten, Pressing und Chancenverwertung.