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Donnerstag, 01.03.2018

Stadtrat hilft Dynamo beim neuen Trainingsgelände

Der Zweitligist bekommt einen Sonderzuschuss von vier Millionen Euro. Nachteile für andere Sportvereine soll das nicht nach sich ziehen.

Von Juliane Richter

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Mitten auf der Ostrahalbinsel entsteht bis 2020 das neue Trainingsgelände von Dynamo Dresden. Dort bisher lebende Tiere, wie die Wechselkröte, müssen umgesiedelt werden.
Mitten auf der Ostrahalbinsel entsteht bis 2020 das neue Trainingsgelände von Dynamo Dresden. Dort bisher lebende Tiere, wie die Wechselkröte, müssen umgesiedelt werden.

© Visualisierung: AP11

Die Finanzierung für das neue Dynamo-Trainingsgelände im Ostragehege steht. Der Stadtrat hat am Donnerstag dem von der Stadtverwaltung geplanten Sonderzuschuss in Höhe von vier Millionen Euro mit großer Mehrheit zugestimmt. Allein die Grünen-Fraktion hat sich enthalten.

Mit der Entscheidung ist der Weg für das insgesamt rund 16 Millionen Euro teure Projekt frei. Neben dem städtischen Zuschuss beteiligt sich auch das Land mit etwa 1,8 Millionen Euro Fördermitteln. Den Großteil der Kosten bringt nun der Bauherr, die städtische Gesellschaft für Immobilienwirtschaft mbH Dresden (DGI), auf. Diese vermietet das Gelände, auf dem ein Funktions- und Wirtschaftsgebäude, zwei Rasen- , ein Kunstrasenplatz und ein Multifunktionsspielfeld sowie andere diverse Sportflächen geplant sind, dann an den Zweitligisten. Nach 25 Jahren kann der Verein das Gelände kaufen. Durch die gezahlte Miete gilt der Kaufpreis dann als getilgt.

Die zuletzt teilweise spürbare Skepsis am Verwaltungsweg hat sich vor allem im Wortbeitrag der Grünen gezeigt. Stadtrat Torsten Schulze verwies auf den Flächennutzungsplan von 1998, in dem die Schlachthofinsel in diesem Bereich ursprünglich als Grünfläche mit Parkcharakter vorgesehen war. Deshalb seien dort einst marode Gebäude abgerissen worden. Kritisch sieht er zudem den künftigen Nutzungsmix von Profis und förderfähigem Nachwuchs auf dem Gelände.

Andere Fraktionen wie die SPD hielten dagegen. Der sportpolitische Sprecher Thomas Blümel bemerkte, dass Bedenken das Projekt in den vergangenen Jahren stets ausgebremst hätten. „Dieses Zentrum ist eine absolut notwendige Voraussetzung für Fußball im Profibereich“, sagte er. CDU-Rätin Anke Wagner appellierte an den Verein, auch künftig sauber zu wirtschaften.

Mitbeschlossen wurde ein zusätzlicher Punkt. Demnach soll der jährliche Betriebskostenzuschuss von 280 000 Euro, den die Stadt durch die konsumtive Sportförderung übernimmt, nicht zulasten anderer Sportvereine gehen.

Im Ostragehege haben indes die Beräumungsarbeiten begonnen. Im Sommer startet der eigentliche Bau. Der soll nun bis Mitte 2020 dauern. Bis dahin kann Dynamo weiter im Großen Garten trainieren, sagen die Staatlichen Schlösser und Gärten.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 20 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. kein Fan

    Und wieder wird öffentliches Geld in den Hintern von professionellen Fußballspielern geblasen. Es ist so traurig. Als ob uns Fußball gesamtgesellschaftlich irgendwie weiterbringen würde. Warum dieses viele Geld nicht für eine öffentliche Schwimmhalle, eine Schulsporthalle oder ähnliches, wo der Pöbel aktiv sein kann und nicht nur grölend am Spielfeldrand steht. Fußballfans scheinen ein wichtiges Wählerklientel zu sein und keine Partei will es sich mit denen verscherzen. Mir reicht es langsam, wieviel öffentliches Geld und andere Kräfte (Polizei) da verpulvert wird.

  2. Klaus

    Warum genau ist es Aufgabe der Stadt, Profifußball zu subventionieren?

  3. Lysarion

    Der Verein wird schon mit Millionen subventioniert, denn nichts anderes ist die Übernahme der Kosten der Polizeieinsätze bei Dynamospielen durch den Steuerzahler. Das Geld wäre bei der Sanierung des Sachsenbad oder beim Wiederaufbau des Aussichtsturm auf dem Wolfshügel (Dresdner Heide - das war mal einer der besten Ausblicke auf das Elbtal!) besser angelegt!

  4. JulesWDD

    Für mich ein Fall von Untreue ... kollusives Zusammenwirken von Stadt und den Gestalten von Dynamo Dresden, um öffentliches Geld, Steuergeld abzugreifen. Praktischerweise sitzt mit Thomas Blümel der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende in den richtigen Gemien; ach ja: was sagt denn Herr Oberstaatsanwalt Avenarius (auch SPD) zu diesem Vorgang? Marode Gewege und Straßen, Schulklos zum Davonlaufen, zu wenig Sporthallen und Schwimmbäder etc etc ... und da wird den "Profis" von Dynamo Dresden noch das Geld in den Arsch geblasen. Bitte erst die kommunalen PFLICHTAUFGABEN erfüllen.

  5. knut knebel

    In Leipzig war es schon vor 3 Jahren fertig, doppelt so groß, mit wirklich ALLEM Pipapo, 36 Millionen - und jetzt bitte hinhören: PRIVAT finanziert! Ach ja, das "arme Leipzig". Man muß Rasenball nicht mögen, aber die Landeshauptstadt funktioniert immer noch wie DDR: um wirklich JEDES Thema soll sich "der Stadtrat" oder "die Verwaltung" kümmern. Wir sind in Dresden nach fast 30 Jahren Nachwendezeit quasi immer noch dabei, die minimale Grundausstattung unserer (öffentl.) Infrastruktur zu erstellen, mit dem Ziel: Mindestversorgungsquoten erreichen zu können. Schwimmwasserflächen sind ja nur ein Beispiel. Hinten verfallen die Straßen wieder schneller, als vorne ein paar erneuert werden. Die Stadt kann viel, ist auch für vieles zuständig, aber jede Woche irgendein Sonderbedarf bis in Mio-Höhe! - kein Wunder, daß Dresden trotz Geldmassen nie an dt. Durchschnitte der Infrastrukturversorgung kommt. Andere Städte machen es anders, die haben noch ihre Groß-WOBA und kein verschüttbares Füllhorn.

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