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Stadtpflanzen sprechen mit Landeiern

Bei einer Veranstaltung am 6. Oktober in Weißwasser soll Mut gemacht werden für das Leben auf dem Dorf – mit interessanten Gästen.

13.09.2018
Von Hagen Linke

nzen sprechen mit Landeiern
Jan Hufenbach und Arielle Kohlschmidt leben seit 2010 in Klein Priebus, direkt am Neißeradweg. Die beiden Ex-Berliner schätzten nicht nur die Ruhe. Sie wollen auch andere ermuntern, den Weg von der Stadt auf das Land zu nehmen.

© Hagen Linke

Weißwasser. Professor Gerhard Henkel ist Humangeograf und hat einige Bücher geschrieben. Eines heißt: „Rettet das Dorf“. Untertitel: „Was jetzt zu tun ist“. Matthias Rompe ist von der Stadt auf den Hof einer ehemaligen Genossenschaft in Diehsa nahe Görlitz gezogen, hat gelernt, wie Landleben funktioniert. Aus dem Internetblog ist das Buch „Pimp my Bauernhof“ entstanden. Und Lena Steudtner ist Teil einer Großfamilie, die in Bertsdorf-Hörnitz den „Steudtnerhof“ mit Kühen und Pferden bewohnt und Kutschfahrten unternimmt. Sie sagt: „Viele Dinge laufen hier anders, daran mussten wir uns gewöhnen. Aber anders ist entschleunigter, ruhiger, bewusster, mehr draußen, mehr Familie, arbeitsreicher und manchmal auch anstrengender als in der Stadt.“ Alle drei haben eins gemeinsam: Ihnen gefällt das Landleben und sie reden gerne darüber. Sie sind „Raumpioniere“, man könnte sagen, Vorreiter für neue Ideen und Lebensformen. Alle drei sind am 6. Oktober zu Gast in der „Hafenstube“ in den ehemaligen Telux-Werkstätten in Weißwasser. An diesem Samstag öffnet für sieben Stunden eine „Temporäre Raumpionier-Landebahn“. Hinter dem Projekt stecken Arielle Kohlschmidt und Jan Hufenbach, die von Berlin nach Klein Priebus an der polnischen Grenze gezogen sind und von hier aus die Agentur „Blendwerck“ betreiben. Als Raumpioniere geben sie Menschen Unterstützung, die ebenfalls vorhaben, von der Stadt auf das Land zu ziehen. Dafür werden sie Anfang 2019 als Preisträger des Programms „Neulandgewinner“ der Robert-Bosch-Stiftung ausgezeichnet.

„Stadtpflanzen sprechen mit Landeiern“, heißt es also am 6. Oktober. Die Raumpioniere erzählen Geschichten, die Mut machen sollen, sparen aber Probleme, die das Dorfleben mit sich bringen, nicht aus. Einer, der berichten kann, wie sein Dorf eine beachtliche Entwicklung genommen hat, ist der Nebelschützer Bürgermeister Thomas Zschornack. Mit dabei sind auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Franziska Schubert und Dr. Wolfgang Schmidt von der Initiative Neue Ländlichkeit. Er erklärt bei den Raumpionieren, dass die digitale Revolution die Rückständigkeit des Landlebens aufhebt: „Das Internet bringt fast alles Weltwissen aufs Dorf. Das Internet ermöglicht Einkaufen und Steuererklärung-Verfassen, Geldanlage-Tätigen und Kontakte zu Freunden weltweit – und zunehmend das Erledigen von Jobs und Geschäften unabhängig vom Wohn- und Arbeitsort.“ Eine Schlüsselaufgabe sei daher die Versorgung der ländlichen Räume mit schnellem Internet. Es gibt an diesem Tag viel Raum zum Netzwerken, lokale Initiativen und Immobilien werden vorgestellt. Eine Kinderbetreuung gibt es auch. Das Catering stellt übrigens ein „Raumpionier“: Die Köchin Anja Nixdorf-Munkwitz betreibt das Portal „Ein Korb voll Glück“ unter dem Motto „Is(s) von hier?!

Termin: Sonnabend, der 6. Oktober, ab 14 Uhr, Einlass ab 13 Uhr

Ort: Hafenstube Weißwasser, Kultur-Café & Bar des Soziokulturellen Zentrums Telux in Weißwasser

Eintritt: frei

Anmeldungen: bitte bis zum 16. September unter [email protected]