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Dienstag, 19.06.2018

Stadt will den Topfmarkt kaufen

Auch der Pulverturm soll in städtische Hand kommen. Damit will das Rathaus nicht nur die Wallanlage neu gestalten.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Die Geschichte des Topfmarktes

Blick auf den Topfmarkt mit Pulverturm. Der ist mit fast 520 Jahren eines der ältesten innenstädtischen Denkmäler.
Blick auf den Topfmarkt mit Pulverturm. Der ist mit fast 520 Jahren eines der ältesten innenstädtischen Denkmäler.

© Kristin Richter

Großenhain. Die Stadtverwaltung soll den Topfmarkt einschließlich des Pulverturmes kaufen. Der Stadtrat hat einer entsprechenden Vorlage jetzt zugestimmt, damit Verhandlungen mit dem Eigentümer, dem bayerischen Unternehmer Harry Krause, aufgenommen werden können. Ausgangspunkt der städtischen Überlegung dabei ist die planerische Neugestaltung der Wallanlage entlang der Franz-Schubert-Allee. An der Stelle des Topfmarktes ist der Musikerring noch nicht aufgewertet.

Fläche des Gemeinbedarfs

Außerdem soll der Topfmarkt auch ausdrücklich als innerstädtischer Parkplatz weiter bestehen. Offizielle Option der Stadt ist, das Areal als „Fläche des Gemeinbedarfs“ umzugestalten. Der private Eigentümer duldet jetzt nur die Parkplatznutzung, investiert aber nichts mehr in die Fläche.

Fast 5000 Quadratmeter groß ist das Areal einschließlich Pulverturm, das nach dem Abriss der alten Molkerei nach der Wende brachliegt. Seitdem bestand immerhin Baurecht. Erst 2016 wurde das von der Stadt zurückgezogen. Dass am Topfmarkt noch ein Einkaufszentrum gebaut wird, wie ursprünglich geplant, daran glaubte zum Schluss nicht einmal mehr Eigentümer Harry Krause. In einem Schreiben vom November 2015 erklärte er sich einverstanden mit der Aufhebung des Bebauungsplanes, da es ihm nicht gelungen sei, ein Investorenkonzept für ein Einkaufszentrum auf die Beine zu stellen. Ursprünglich sollte es zweigeschossig werden: Parterre ein Markt sowie Ladengeschäfte, im Obergeschoss Wohnungen zur Vermietung. Auf SZ-Nachfrage hatte Krause allerdings im Februar 2016 noch einmal erklärt, er wolle Gespräche mit einem Investor führen, der altersgerechtes Wohnen anbieten möchte. Ein Verkauf an die Stadt sei nicht lukrativ, so Harry Krause damals.

Die Geschichte des Topfmarktes

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Ab dem 19. Jahrhundert stand die Stadtbrauerei auf dem Topfmarkt. Baujahr war vermutlich um 1830. Bis jetzt sind Kelleranlagen im Erdreich vorhanden.

Die Brauerei wurde 1938 abgerissen und die Bezirksmolkerei entstand. Sie wiederum wurde 1997 abgebrochen.

Schon 1990 hatte die Treuhand den Topfmarkt samt Pulverturm an den Unternehmer Harry Krause aus Bayreuth verkauft. Krause war auch verantwortlich für das Entstehen der Elbgalerie in Riesa.

Im Frühjahr 1998, nach gescheiterten Kaufhausplänen, sollte ein Einkaufszentrum entstehen. Architekt war ein Dr. Kotusch. Kein grauer Klotz sollte entstehen wie ursprünglich befürchtet. Ein Edeka-Markt sollte zwischen einer kleinstädtischen Häuserzeile und Ladengeschäften am Bogen Topfmarkt/Töpfergasse und der neuen Stadtmauer an der Schubertallee verschwinden. Das Dach des Marktes sollte zusätzlich begrünt werden. In der Eckbebauung Töpfergasse/Schubertallee könnte ein attraktives Restaurant entstehen, hieß es damals. Seitdem ist die Töpfergasse nicht mehr geradlinig, der Bogen soll auch früher so gewesen sein.

Quelle: SZ

Nun will Großenhain aber den Kaufversuch wagen. Welcher Preis für die sechs Flurstücke mit exakt 4964 Quadratmeter zu zahlen ist, da wagt noch keiner im Rathaus eine Prognose. Ein Zwang zum Kauf besteht allerdings nicht. Sollte man sich über den Preis nicht einig werden, kann der Stadtrat das Ansinnen noch ablehnen.

Platz zum Tag der Sachsen saniert

30 000 Euro investierte Großenhain allerdings im Vorfeld vom Tag der Sachsen 2014, um den Parkplatz zu begradigen und trittfest zu machen. Die Senken wurden verfüllt, verdichtet und mit Frostschutzmaterial haltbar gemacht. Abgedeckt wurde die Fläche mit einem Splitt-Sand-Gemisch. Die Arbeiten erfolgten nach Sperrung des Topfmarktes fürs Parken. Aus dem Platz wurde zur Sachsenfete kurzzeitig ein großer Bühnenstandort.