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Montag, 11.08.2008

Stadt lässt das alte Denkmal verrotten

Verwunschen im vom Blätterwald gedämpften Licht stehen sie da und warten auf Rettung. Die Teufelsbrücken im Zeisigwald, Eingang zu den Ratssteinbrüchen, aus denen einst der Baustoff für halb Chemnitz kam. Eigentlich gehört das technische Denkmal zum Chemnitzer Welterbekomplex, doch seit Jahren verfällt es.

Von Daniela Klose

„Betreten verboten!“ Abschreckend prangt das Schild an der obersten der Porphyrbrücken. „Hier sind ja schon wieder Steine ausgebrochen“, sagt Elke Koch (53), Stadtteilbeauftragte vom Sonnenberg, der das Hilbersdorfer Kleinod ans Herz gewachsen ist. Stützmauer und Brückenbögen wurden gebaut, um den Hang abzusichern, an dem der Transportweg der Steinmetze entlangführte.

Seit dem 16. Jahrhundert wurde im Zeisigwald Porphyrtuff, verfestigte Vulkanasche, abgebaut. Im 19. Jahrhundert entstanden die Brücken. Überall in der Stadt ist das rötliche Gestein zu sehen: als Fensterlaibung, Hausvorsprung, Fassadenschmuck, Mauer. Vor allem in Hilbersdorf, aber auch in Reitbahn-, Annen- und Glockenstraße. Zuletzt wurde der Stein nur für Restaurierungen gehauen. In den 1960er-Jahren war auch damit Schluss.

„Ein Jammer, dass alles zugewuchert ist, die Brücken einfallen. Das wäre ein herrliches Ausflugsziel“, sagt Frau Koch. „Was man präsentieren will, muss man doch präsentabel halten.“ Der Stadtrat hatte schon 2006 vorgeschlagen, die Teufelsbrücken als Teil der Vulkanregion Zeisigwald zu sanieren. Gemeinsam mit dem Versteinerten Wald wollte man sie als UNESCO-Welterbe vorschlagen.

Doch irgendwie wurden sie vergessen. „Der Beutenberg als alter Vulkan ist der Ursprung von allem“, sagt Frau Koch. „Je komplexer die Bewerbung, desto größer sind die Chancen auf Erfolg.“ Jetzt endlich beschlossen die Stadträte, sich bei der Bundesstiftung Umwelt um Fördermittel zu bemühen. Die auf rund eineinhalb Millionen Euro geschätzte Sanierung könnte zum Großteil darüber finanziert werden.