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Dienstag, 12.06.2018

Stadt kassiert Ehrenamtliche beim Mittelalterfest ab

Mitglieder des Kleiderfundus bekamen bei den Schiebocker Tagen ein Knöllchen. Doch es wäre auch anders gegangen.

Von Ingolf Reinsch

Der Mittelaltermarkt war bei den Schiebocker Tagen gut besucht. Doch Vereinsmitglieder des Kleiderfundus fühlen sich von der Stadt abgezockt.
Der Mittelaltermarkt war bei den Schiebocker Tagen gut besucht. Doch Vereinsmitglieder des Kleiderfundus fühlen sich von der Stadt abgezockt.

© Rocci Klein

Bischofswerda. Bischofswerda feierte am Wochenende ein tolles Stadtfest. Doch in das verdiente Lob für die Aktionsgemeinschaft Schiebocker Tage 2.0, die das Fest ausrichtete, mischt sich Unverständnis für das Agieren der Stadtverwaltung. Die kassierte am Sonnabendvormittag zwei Mitglieder des Vereins Kleiderfundus, die gerade dabei waren, die Stände fürs Mittelalterfest einzuräumen, schamlos ab. Die Autos der Vereinsmitglieder standen auf der Bautzener Straße bzw. in der Zufahrt zur Brauhausgasse mit einem gut lesbaren Zettel „Kleiderfundus“ hinter der Frontscheibe. Auf Antrag des Vereins war die Bautzener Straße übers ganze Wochenende für das dreitägige Fest gesperrt worden. In einem Fall setzte es 15 Euro Strafgeld, im zweiten sogar 20 Euro, weil das Fahrzeug zum Teil auf dem Fußweg stand. Doch Fußgänger waren dadurch gar nicht gefährdet. Die Straße war ja voll gesperrt.

Vereinsvorsitzender Kenny Jäckel zum Geschehen: „Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung gingen an unserem Geschäft vorbei und sagten noch freundlich Guten Morgen. Wenig später bemerkte dann eine Frau aus unserem Verein, dass man gerade dabei ist, ihr ein Knöllchen zu verpassen.“ Kenny Jäckel eilte sofort zu den Vertretern der Stadt und erklärte die Situation – vergebens, das Knöllchen wurde nicht zurückgenommen. Stattdessen gab es den Hinweis, dass sich die Veranstalter amtliche Parkkarten im Rathaus holen sollten. Das tat der Vereinsvorsitzende dann auch sofort. Was die Vertreter vom Amt nicht davon abhielt, wenige Minuten später einem weiteren Vereinsmitglied einen Strafzettel fürs (Falsch-)Parken hinter die Scheibe zu schieben. Wie Reaktionen am Wochenende zeigten, ist nicht nur Kenny Jäckel überzeugt: „Man hätte es doch nur sagen müssen. In einer Minute wäre die Sache geregelt gewesen.“ Die Rathaus-Spitze findet das Handeln ihrer Mitarbeiter dagegen völlig in Ordnung, und sie bekräftigte am Montag gegenüber der SZ, dass die Strafzettel nicht zurückgenommen werden. „Engagement für die Stadt oder ihr Stadtfest schützen nicht vor der Ahndung von Parkvergehen, besonders da auf einem Fußweg geparkt wurde und eine mit Sperrscheibe versehene Straße befahren wurde“, teilte Sascha Hache, Persönlicher Referent des Oberbürgermeisters, mit. Auf die Frage der SZ, ob nicht einfach auch ein Hinweis genügt hätte, sagte er: „Bei anderen Parkvergehen zu anderen Zeiten kann auch nicht recherchiert werden, wo der Autobesitzer sich gerade aufhält – dies ist der vielzitierte Gleichbehandlungsgrundsatz.“ Deswegen seien am Sonnabend auch anderswo in der Innenstadt Strafzettel verteilt worden. Weiter heißt es wörtlich in der Antwort der Stadt auf die Fragen der SZ: „Es mag ja vielleicht eine nette Idee von Kenny Jäckel sein, A4-Zettel als „Parkgenehmigung“ auszudrucken – dieses „Privileg“ steht aber nur der Stadt zu.“ Zum Be- und Entladen konnten Händler bei der Stadt eine Sonderparkgenehmigung bekommen. „Im Nachgang der „Knöllchen“ wurden diese Sonderparkgenehmigungen übrigens unbürokratisch vom Org-Büro ausgestellt“, so der Rathaus-Sprecher.

Dass die Stadtverwaltung Ehrenamtlichen, die sich ein ganzes Wochenende für die Stadt aufopfern, einen Strafzettel verpasst, wurde schon am Wochenende auf Facebook diskutiert. Nicht immer sachlich. Kenny Jäckel distanziert sich von verletzenden Kommentaren, und er betont, mit der Stadt sachlich zusammenarbeiten zu wollen. „Am besten ist natürlich, man spricht miteinander“, sagt er.

Es war das zweite Straßenfest, das der Verein Kleiderfundus mit anderen Anliegern der Bautzener Straße ausrichtete. „Wir sind Lernende“, sagt Kenny Jäckel. Da läuft noch nicht alles routiniert ab. Er hätte es sich zum Beispiel gewünscht, dass man ihn in der Stadtverwaltung auf die Sonderparkgenehmigungen für Veranstalter hingewiesen hätte, als er das Fest dort anmeldete. Doch aufgeben kommt für den Verein Kleiderfundus trotz der jüngsten Erfahrungen nicht infrage. Er denkt schon über das dritte Bischofswerdaer Mittelalterfest nach. Zum Tag der offenen Hinterhöfe im September 2019 könnte es stattfinden, sagt Kenny Jäckel.