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Mittwoch, 16.05.2018

Stadt braucht mehr Seniorenwohnungen

Eine zentrale Beratungsstelle soll Checklisten für Neu- und Umbauten erstellen und Investoren sensibilisieren.

Von Kay Haufe

Die 84-jährige Ingeburg Riedel hat ihr Bad umbauen lassen, um weiter allein in ihrer Grunaer Wohnung leben zu können.
Die 84-jährige Ingeburg Riedel hat ihr Bad umbauen lassen, um weiter allein in ihrer Grunaer Wohnung leben zu können.

© Christian Juppe

Vor zwei Jahren war Schluss, da kam Ingeburg Riedel nicht mehr allein in die Badewanne. Die Gefahr auszurutschen war für die damals 82-Jährige einfach zu groß. „Aber ich wollte in meiner gewohnten Umgebung bleiben, komme sonst mithilfe meiner Kinder in der Wohnung im ersten Stock gut allein zurecht“, sagt sie. Von ihrer Genossenschaft WG Aufbau erhielt sie Unterstützung, ihr Bad wurde auch mit Fördermitteln umgebaut. Heute duscht Ingeburg Riedel ebenerdig und ist dabei nicht mehr auf Hilfe angewiesen.

Dies ist der Idealfall, sagt Sozialbürgermeisterin Kristin Klaudia Kaufmann (Linke). Wenn es durch wenige Umbauten gelingt, dass ältere Menschen ihr Wohnumfeld nicht verlassen müssen. Doch nur ein Bruchteil der 297 322  Dresdner Wohnungen (Stand Ende 2016) ist derzeit seniorenfreundlich ausgestattet. Dabei wäre dies dringend nötig, denn schon heute ist mehr als ein Viertel der Stadtbevölkerung, rund 150 000 Personen, über 60 Jahre alt. Bis zum Jahr 2020 wird ihr Anteil auf über 30 Prozent steigen. Hinzu kommen weitere fast 85 000 Personen mit Behinderungen. Und dass viele von ihnen Probleme beim Wohnen haben zeigen die Zahlen: Ein Fünftel der rund 270 monatlichen Anfragen an die Stadt von älteren Dresdner beziehen sich auf das Thema.

Es sind manchmal nur kleine Dinge, die bei Umbauten zu beachten sind, sagt die Sozialbürgermeisterin. Neben der angesprochenen ebenerdigen Dusche sollten Schwellen ausgebaut und an Farb- und Lichtkonzepte gedacht werden, die Älteren die Orientierung in der Wohnung erleichtern. Auch Klappstühle im Treppenhaus für das kurze Verschnaufen helfen Senioren, wenn es keinen Aufzug gibt. „Bei Neubauten muss neben Schwellenfreiheit klar sein, dass genügend Platz in den Räumen für Bewegungen mit Gehhilfen oder im Rollstuhl vorhanden ist“, sagt Kaufmann.

Genau diese Informationen soll die neue Beratungsstelle für alters- und behindertengerechtes Wohnen bündeln. Hier sollen Checklisten entstehen, wie eine Wohnung nach Bedarf umgestaltet werden kann und welche Förderung es dafür gibt. Neben dem städtischen Angebot hat auch das Land Sachsen Förderprogramme aufgelegt, zudem bezuschussen Krankenkassen in unterschiedlicher Höhe solche Umbauten. Die Antragstellung dafür ist teilweise sehr kompliziert, und auch dafür soll die neue Beratungsstelle Checklisten erstellen. „Sie soll kein Ersatz für die 28 Beratungsstellen in den Stadtteilen sein, die es schon lange gibt, sondern auch den Akteuren in der Wohnungswirtschaft Partner sein“, sagt die Sozialbürgermeisterin. Investoren sind bisher noch nicht in einer Beratungsstelle vorstellig geworden. „Doch es gibt kaum gesetzliche Vorgaben zur Barrierefreiheit oder der seniorenfreundlichen Gestaltung. Bisher liegt es beim Investor, wie er baut.“ Laut Kaufmann könnten auch Handreichungen für Handwerker entstehen, welche Materialien sich bei Umbauten bewährt haben.

Die Dresdner Genossenschaften sind in puncto Seniorenfreundlichkeit bereits ein Stück weiter, müssen sie sich doch auf ihre Mitglieder einstellen. „Das Durchschnittsalter unserer Genossenschaftler liegt bei 63 Jahren“, sagt WGJ-Vorstand Thomas Dittrich. „Und neben jungen Familien ziehen verstärkt Menschen über 70 Jahren zu uns. Wir sind gezwungen zu handeln“, sagt Dittrich. Fast die Hälfte der WGJ-Wohnungen haben einen Aufzug, alle 124 neu gebauten sind barrierearm, außerdem gibt es 30 für Rollstuhlfahrer geeignete Wohnungen. Parallel dazu gestaltet die WGJ rund fünf Wohnungen pro Monat mit bodengleichen Duschen, begehbaren Badewannen, und breiteren Türen altersgerecht um.

Einen Termin in der Wohnberatungsstelle im Rathaus, Zimmer 3/031 gibt es nach telefonischer Anmeldung unter 4881450 oder per Mail an wohnberatung@dresden.de.

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